{"id":18251,"date":"2013-09-24T12:32:39","date_gmt":"2013-09-24T12:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18251"},"modified":"2013-09-24T12:32:39","modified_gmt":"2013-09-24T12:32:39","slug":"der-geschmack-der-alten-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18251","title":{"rendered":"Der Geschmack der alten Heimat"},"content":{"rendered":"<p>Wodka, Pelmeni, Borschtsch, Schinken und ein bisschen Nostalgie &#8211; in Frankfurt bieten fast ein Dutzend L\u00e4den russische Waren an. Allein im Ostend gibt es drei Gesch\u00e4fte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Zwei riesige Matroschkas schauen aus dem Schaufenster auf die Stra\u00dfe. Die bunten Holzpuppen sind der Blickfang des \u201eArina\u201c, eines russischen Gesch\u00e4fts an der H\u00f6lderlinstra\u00dfe in der N\u00e4he des Zoos. \u201eDobriy den\u201c &#8211; \u201eguten Tag\u201c, begr\u00fc\u00dft Irina Titova ihre Kunden und l\u00e4chelt freundlich, schlie\u00dflich kennt sie fast alle pers\u00f6nlich. Den kleinen Laden, der nach Puschkins Kinderfrau benannt ist, gibt es seit 1998. Vor allem in den ersten Jahren war ein Besuch dort f\u00fcr viele Menschen, die in den neunziger Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion nach Frankfurt gekommen waren und kaum Deutsch sprachen, geradezu ein kulturelles Ereignis. Kaum eine Kundin kam ungeschminkt oder unfrisiert ins \u201eArina\u201c, die meisten machten sich vor dem Einkauf h\u00fcbsch, weil sie wussten, dass sie viele Freunde und Bekannte treffen und alle m\u00f6glichen Neuigkeiten austauschen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Rechts neben der Eingangst\u00fcr h\u00e4ngt bis heute die blaue Anschlagtafel mit allerlei Anzeigen und Nachrichten: Jemand sucht eine neue Wohnung, ein anderer will ein altes Rad verkaufen, ein Dritter bietet an, im Urlaub auf eine Katze aufzupassen.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein Relikt aus unserer Vergangenheit\u201c, sagt Irina Titova. \u201eHeute haben sich die Russen an die deutsche Kultur und an das deutsche Essen gew\u00f6hnt.\u201c Den Laden als Treffpunkt und die Anschlagtafel als zentrales Kommunikations- und Informationsmittel braucht heute kaum noch jemand. Die Kinder der russischen Immigranten sind gro\u00df geworden, haben Deutsch gelernt und sich in die deutsche Gesellschaft integriert. Der Geschmack der traditionellen Rote-Bete-Suppe Borschtsch oder von Pelmeni-Teigtaschen ruft bei ihnen keine nostalgischen Gef\u00fchle mehr hervor.<\/p>\n<h2>\u201eKultur in Familien erhalten\u201c<\/h2>\n<p>Doch ab und zu kommen sie alle trotzdem in Scharen ins \u201eArina\u201c. Zum Beispiel in den Tagen vor Silvester oder zu anderen Festtagen. Dann gehen vor allem Wodka und roter Kaviar \u00fcber die Ladentheke, denn eine russische Feier ohne diese beiden Klassiker auf dem festlich gedeckten Tisch ist schlichtweg unvorstellbar. Doch das Gesch\u00e4ft von Irina Titova, ihrem Mann Egor und dem Rest der Familie hat nicht nur Lebensmittel aus der fernen Heimat im Angebot. Im Laufe der Jahre sind viele weitere Waren hinzugekommen. Inzwischen gibt es beispielsweise auch Kinderb\u00fccher. \u201eDie russischen M\u00fctter wollen die eigene Kultur in ihren Familien erhalten\u201c, erkl\u00e4rt Irina Titova die Nachfrage und deutet auf ein Russisch-Lehrbuch und das M\u00e4rchenbuch \u201eMascha und der B\u00e4r\u201c.<\/p>\n<p>Nur ein paar Schritte entfernt vom \u201eArina\u201c wirbt ein weiteres russisches Gesch\u00e4ft um Kunden. Das \u201eUniversam\u201c direkt am Eingang der Zoo-Passage ist vor vier Jahren er\u00f6ffnet worden und hat ebenfalls seinen besonderen Charme. In den Regalen stehen F\u00e4sschen mit Sauerkohl und schwach gesalzenen Gurken mit ihrem unverwechselbaren Aroma. Nebenan liegt frischer Fisch. Der hat dem Gesch\u00e4ft viele Stammkunden gebracht. Wenn eine Lieferung ankommt, ist schon nach ein paar Stunden alles ausverkauft. \u201eHeute morgen zum Beispiel reichte die Schlange bis auf die Stra\u00dfe\u201c, sagt Marat Zaybert, der Inhaber des \u201eUniversam\u201c.<\/p>\n<p>Bei ihm kaufen nicht mehr nur Russen, sondern auch viele Deutsche Essen und Getr\u00e4nke aus Russland ein. Bei ihnen ist vor allem ger\u00e4ucherte Wurst und Schinken nach russischer Art sehr beliebt. \u201eDas ist etwas f\u00fcr Leute, die traditionelles Fleisch der Bioware vorziehen\u201c, sagt Zaybert und l\u00e4chelt. Die Rentnerin an seiner Kasse hat allerdings nur Quark und Kekse in ihrem Korb. Sie sei 72 Jahre alt, sagt sie, und komme trotz ihres Alters jeden Montag zum \u201eUniversam\u201c. Hier kann sie g\u00fcnstig einkaufen, und au\u00dferdem macht es ihr viel Spa\u00df, die russischen Beschreibungen der Lebensmittel zu lesen, wie sie l\u00e4chelnd erz\u00e4hlt.<\/p>\n<h2>15.000 Russen in Frankfurt<\/h2>\n<p>Ganz in der N\u00e4he gibt es schlie\u00dflich noch eine dritte Einkaufsm\u00f6glichkeit f\u00fcr die russische Kundschaft. Der \u201eNahkauf\u201c-Laden an der Saalburgallee ist in russischen Zeitschriften wie \u201eTorgoviy centr\u201c (das Kaufhaus) schon oft erw\u00e4hnt und immer wieder f\u00fcr sein Angebot gelobt worden. Er liegt ganz in der N\u00e4he eines Seniorenheims und eines russisch-j\u00fcdischen Wohnheims. Deren Bewohner sind h\u00e4ufige Kunden in dem Gesch\u00e4ft. Die Inhaber-Familie, die Olschanskys, legt gro\u00dfen Wert auf Service und liefert ihre Waren sogar zu den Kunden nach Hause.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem lockt das Gesch\u00e4ft mit einer Besonderheit: Es ist auch sonntags und an Feiertagen ge\u00f6ffnet. Im Vergleich zu den beiden anderen russischen L\u00e4den ist das Sortiment inzwischen aber sehr gemischt: Es gibt nicht mehr nur russische Lebensmittel, sondern auch ukrainische, koschere und deutsche Produkte.<\/p>\n<p>In Frankfurt leben inzwischen mehr als 15.000 Russen &#8211; f\u00fcr eine ausreichende Nachfrage bei \u201eArina\u201c, \u201eUniversam\u201c und \u201eNahkauf\u201c ist also gesorgt. Aber auch jenseits dieser drei Gesch\u00e4fte finden Zuwanderer und Reisende aus dem Osten viele Einkaufsm\u00f6glichkeiten. Insgesamt gibt es fast ein Dutzend L\u00e4den in Frankfurt, in denen russische Waren verkauft werden &#8211; und immer auch ein St\u00fcckchen Heimat.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/russische-feinkost-am-main-der-geschmack-der-alten-heimat-12590331.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/russische-feinkost-am-main-der-geschmack-der-alten-heimat-12590331.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wodka, Pelmeni, Borschtsch, Schinken und ein bisschen Nostalgie &#8211; in Frankfurt bieten fast ein Dutzend L\u00e4den russische Waren an. 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