{"id":18125,"date":"2013-07-14T12:31:41","date_gmt":"2013-07-14T12:31:41","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18125"},"modified":"2013-07-14T12:31:41","modified_gmt":"2013-07-14T12:31:41","slug":"stauffenbergs-vorlaufer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18125","title":{"rendered":"Stauffenbergs Vorl\u00e4ufer"},"content":{"rendered":"<p>Lange vor dem 20. Juli 1944 gab es Attentatsversuche, besonders nach der Kriegswende von Stalingrad. Wichtige Staatsstreichvorbereitungen fielen in das Jahr 1943. Unter dem Dach von Heeresamt und Ersatzheer bildete sich im Bendlerblock die Berliner Zentrale f\u00fcr den Umsturz heraus, w\u00e4hrend die Feldmarsch\u00e4lle trotz der vielen Verbrechen und trotz der erwarteten Niederlage Hitler die Treue hielten. Eine Chronologie.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Am 24. Januar 1943 ergreifen Hitlers Kriegsgegner das Wort. In Casablanca fordern der amerikanische Pr\u00e4sident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill, auch im Namen des in Moskau unabk\u00f6mmlichen Diktators Stalin, die \u201ebedingungslose Kapitulation\u201c der \u201eAchsenm\u00e4chte\u201c Deutschland, Italien und Japan. Eine Woche sp\u00e4ter &#8211; am 31. Januar f\u00fcr den s\u00fcdlichen, am 2. Februar f\u00fcr den n\u00f6rdlichen Kessel &#8211; ist die Schlacht um Stalingrad beendet. Mehr als 130 000 Soldaten der Wehrmacht gehen in sowjetische Kriegsgefangenschaft.<\/p>\n<p>In einem Bericht des Landratsamts Berchtesgaden hei\u00dft es in diesen Tagen, die meisten Menschen lassen \u201edie K\u00f6pfe h\u00e4ngen und geben den Krieg bereits verloren\u201c. Um einem solchen Stimmungstief entgegenzuwirken, verk\u00fcndet Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar im Berliner Sportpalast unter gro\u00dfem bestellten Beifall den \u201etotalen Krieg\u201c. Etwa zur selben Zeit werden in M\u00fcnchen die Geschwister Scholl bei einer Flugblattaktion in der Universit\u00e4t verhaftet, anschlie\u00dfend auch andere Mitglieder der Gruppe \u201eWei\u00dfe Rose\u201c. Fast alle werden in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt und umgehend hingerichtet.<\/p>\n<p>Am 19. Februar 1943 sagt Generalmajor Hans-Georg Krebs, Generalstabschef der Heeresgruppe S\u00fcd unter Generalfeldmarschall Erich von Manstein, im Gespr\u00e4ch mit Hauptmann Hermann Kaiser, dass doch \u201ealle auf einem Ozeandampfer\u201c s\u00e4\u00dfen. Und der Reserveoffizier Kaiser, von Beruf Studienrat, erwidert: \u201eEnthebt uns nicht der Pflicht, das Steuerruder zu ergreifen, wenn erkannt wird, dass falsch gesteuert wird. Br\u00fcllaffen und Verbrecher m\u00fcssen \u00fcber Bord.\u201c Am n\u00e4chsten Tag \u00e4u\u00dfert sich Kaiser, der beim Stab des Ersatzheeres im Berliner Bendlerblock als Kriegstagebuchf\u00fchrer eingesetzt ist, in seinem privaten Tagebuch skeptisch \u00fcber die Anti-Hitler-Fronde: Generaloberst Friedrich Fromm, der Befehlshaber des Ersatzheeres, werde \u201enur etwas tun, wenn alles sicher oder vollzogen. Befehl. Der eine will handeln, wenn er Befehle erh\u00e4lt. Der andere befehlen, wenn gehandelt ist.\u201c Dieses Grundproblem bildet eine Konstante aller Umsturzplanungen und Attentatsversuche &#8211; vor allem, wenn h\u00f6chste Milit\u00e4rs zum Mitmachen bewegt werden sollen.<\/p>\n<p>Treibende Kraft der Hitler-Gegner ist Oberst Henning von Tresckow, der seit den Novemberpogromen 1938 seine Illusionen \u00fcber das Regime verloren hat und bei diversen Front- und Stabsverwendungen Verbindungen zu oppositionellen Offizieren und Zivilisten kn\u00fcpft. Er hat schon Mitte November 1942 in Smolensk, als Leiter der F\u00fchrungsabteilung der Heeresgruppe Mitte, zu Alexander Stahlberg gesagt, der Generalstab des Heeres verdiene diesen Namen nicht mehr: Hitler w\u00fcnsche sich als Generalstabsoffizier einen \u201eBluthund, der gierig an der Leine zerrt, um, losgelassen, sich auf den Feind zu st\u00fcrzen und ihn zu zerfleischen\u201c- der \u201eF\u00fchrer\u201c, seit Februar 1938 an der Spitze der gesamten Wehrmacht und seit Dezember 1941 zus\u00e4tzlich Oberbefehlshaber des Heeres, bevorzuge \u201esubalterne Erf\u00fcllungsgehilfen\u201c, die \u201eim Dienste eines Kapitalverbrechers\u201c stehen. Stahlberg ist Ordonnanzoffizier bei Manstein. Und den besucht Oberstleutnant Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 26. Januar 1943. \u201eHerr Feldmarschall, ich bin nicht imstande, mich ohne weiteres mit Stalingrad abzufinden. Das Opfer von Hunderttausenden deutscher Soldaten steht in keinem Verh\u00e4ltnis zu Sinn und Nutzen dieser Schlacht.\u201c So gibt Stahlberg sp\u00e4ter eine \u00c4u\u00dferung Stauffenbergs von der Begegnung wieder, in der es auch um die Spitzengliederung der Wehrmacht geht. Dieses Problem will Manstein Hitler gegen\u00fcber ansprechen, jedoch ist er nicht bereit, \u201esich in irgendeiner Form, direkt oder indirekt, an ungesetzlichen Aktivit\u00e4ten zu beteiligen\u201c. Stauffenberg wird wenig sp\u00e4ter zum \u201eAfrikakorps\u201c versetzt.<\/p>\n<p>Ob Hyacinth Graf Strachwitz von Gro\u00df-Zauche und Camminetz, schlesischer Gro\u00dfgrundbesitzer, Oberst der Reserve und Kommandeur des Panzerregiments \u201eGro\u00dfdeutschland\u201c, am 8. Februar mit<\/p>\n<p>Generalmajor Hans Speidel und Hubert Lanz, dem General der Gebirgstruppen, beschlie\u00dft, Hitler bei einem bevorstehenden Frontbesuch in Poltawa zu verhaften oder ihn bei Gegenwehr gar zu t\u00f6ten, ist mehr als zweifelhaft. Manches Widerspr\u00fcchliche wird dazu nach dem Weltkrieg gesagt oder geschrieben, zumal von Lanz und Strachwitz selbst. Au\u00dfer Zweifel steht jedenfalls, dass Hitlers Frontbesuch gar nicht stattfindet. Der \u201eF\u00fchrer\u201c h\u00e4lt sich in dieser Kriegsphase manchmal im Hauptquartier der Heeresgruppe S\u00fcd in Saporoshje\/Ukraine und meist im \u201eF\u00fchrerhauptquartier Werwolf\u201c bei Winniza auf. Dort ordnet er am 12. M\u00e4rz an, dass der \u201eHeldengedenktag\u201c, der seit Ende der drei\u00dfiger Jahre am 16. M\u00e4rz begangen wird (Tag der Einf\u00fchrung der Wehrpflicht), zu verschieben sei: \u201eIn diesem Jahr ist der 21. M\u00e4rz Heldengedenktag\u201c, hei\u00dft es lapidar.<\/p>\n<p>Am 13. M\u00e4rz macht Hitler &#8211; auf dem Flug vom Hauptquartier \u201eWerwolf\u201c zur \u201eWolfsschanze\u201c bei Rastenburg\/Ostpreu\u00dfen &#8211; Zwischenstation im Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte bei Smolensk. F\u00fcr das Mittagessen haben Tresckow, Rittmeister Georg Freiherr von Boeselager und andere ein Pistolenattentat auf Hitler geplant, das Hans G\u00fcnther von Kluge, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, zun\u00e4chst billigt, alsbald jedoch mit der Bemerkung \u201enicht in meinem Befehlsbereich\u201c verbietet, angeblich weil SS-Reichsf\u00fchrer Himmler nicht mitgekommen sei. Vor dem Weiterflug gelingt es Tresckow und dem Ordonnanzoffizier Oberleutnant Fabian von Schlabrendorff, eine als Geschenk (\u201czwei Kognakflaschen\u201c) getarnte Bombe mit Zeitz\u00fcnder als Kuriergep\u00e4ck in die Condor-Maschine Hitlers zu bringen. Empf\u00e4nger des Pakets &#8211; \u201eWettschulden sind Ehrenschulden\u201c &#8211; soll Helmuth Stieff sein, der Chef der Organisationsabteilung im Oberkommando des Heeres (OKH). Doch der S\u00e4ure-Zeitz\u00fcnder versagt: Die Nachricht vom Absturz des Flugzeugs, vom \u201etragischen Unfall\u201c bleibt aus.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag wird Charkow eingenommen, so dass Hitler am 18. M\u00e4rz mit dem Zug von Ostpreu\u00dfen nach Berlin f\u00e4hrt. Am 21. M\u00e4rz erkl\u00e4rt er im Lichthof des Zeughauses, dass es gelungen sei, \u201enunmehr endg\u00fcltig die Krise, in die das deutsche Heer &#8211; durch ein unverdientes Schicksal &#8211; gest\u00fcrzt worden war, zu \u00fcberwinden\u201c und \u201eMa\u00dfnahmen einzuleiten\u201c f\u00fcr den \u201eendg\u00fcltigen Sieg\u201c. Im Anschluss an die Rede ist die Besichtigung einer Sonderausstellung mit Bildern und Troph\u00e4en aus dem Mittelabschnitt der Ostfront vorgesehen. Der Generalstabsoffizier Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, der den \u201eF\u00fchrer\u201c durch die Ausstellung f\u00fchrt, hat laut eigener sp\u00e4terer Aussage zwei gez\u00fcndete Haftminen englischer Herkunft in seinen Manteltaschen, die Zeitz\u00fcnder sind auf 15 Minuten eingestellt. Hitler eilt durch die Ausstellung, braucht knappe acht Minuten, um danach an der weiteren Zeremonie Unter den Linden &#8211; Kranzniederlegung im Ehrenmal, Gespr\u00e4che mit Verwundeten und Abnahme der Parade &#8211; teilzunehmen. Gersdorff gelingt es, die Minen auf einer Toilette zu entsch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz verfasst Carl Friedrich Goerdeler, fr\u00fcherer Leipziger Oberb\u00fcrgermeister, der als Haupt der nationalkonservativen Hitler-Gegner gilt, eine geheime Denkschrift f\u00fcr die Generalit\u00e4t. Dazu notiert sich Hauptmann Kaiser, Goerdeler sei \u201enicht frei von Ehrgeiz und Eitelkeit\u201c: \u201eAuch er hofft f\u00fcr sich. Rasche Hilfe nur durch Milit\u00e4rdiktatur, wenn Elsass nicht verlorengehen soll.\u201c Goerdeler hebt hervor, dass das deutsche Volk Gerechtigkeit, Redlichkeit und Wahrhaftigkeit wolle. Es m\u00fcsse ein Zustand hergestellt werden, der es erm\u00f6gliche, \u201edie Wahrheit wieder zu Worte kommen zu lassen und damit das allgemeine Vertrauen in den festen Willen zu gewinnen, dass Recht und Anstand wieder herrschen sollen\u201c.<\/p>\n<p>Am 5. April hebt die Gestapo das B\u00fcro des Generalmajors Hans Oster &#8211; er ist Abteilungsleiter im Amt Ausland\/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht und von 1938 an ein unerm\u00fcdlicher, Hitler nach dem Leben trachtender Verschw\u00f6rer &#8211; aus und verhaftet dessen wichtigste Mitarbeiter, darunter den Theologen Dietrich Bonhoeffer, den Reichsgerichtsrat Hans von Dohnanyi und den Rechtsanwalt Josef M\u00fcller (\u201cOchsensepp\u201c). Oster wird f\u00fcr kurze Zeit unter Hausarrest gestellt, danach in die \u201eF\u00fchrerreserve\u201c versetzt, somit zur Einflusslosigkeit verurteilt.<\/p>\n<p>Goerdeler berichtet Ende Juni einem Vertrauten von seiner Unterredung mit General Friedrich Olbricht, dem Chef des Allgemeinen Heeresamtes im OKH, der schon seit Jahren gemeinsam mit dem fr\u00fcheren Generalstabschef Ludwig Beck und mit Oster zum innersten Kreis der milit\u00e4rischen Verschw\u00f6rer z\u00e4hlt. Olbricht habe zu Goerdeler gesagt: \u201eSie k\u00f6nnen mich beschimpfen, aber es ist eine Trag\u00f6die. Wir k\u00f6nnen nichts machen.\u201c<\/p>\n<p>Am 12. Juli gr\u00fcnden in Krasnogorsk auf Veranlassung Stalins dreizehn Vertreter der Exil-KPD &#8211; unter ihnen Erich Weinert, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht &#8211; und 25 deutsche Kriegsgefangene das \u201eNationalkomitee Freies Deutschland\u201c (NKFD). Am n\u00e4chsten Tag nennt NKFD-Pr\u00e4sident Weinert in einem Manifest an die Wehrmacht und an das deutsche Volk als Ziel eine \u201estarke demokratische Staatsgewalt, die nichts gemein hat mit der Ohnmacht des Weimarer Regimes\u201c.<\/p>\n<p>An diesem 13. Juli sind die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen S\u00fcd und Mitte in der \u201e Wolfsschanze\u201c. Auf Dr\u00e4ngen Kluges und gegen Manstein entscheidet Hitler, das erst am 5. Juli begonnene Unternehmen \u201eZitadelle\u201c (Offensivoperation aus den R\u00e4umen Orel und Belgorod gegen den sowjetischen Frontbogen um Kursk) abzubrechen. Hitler reagiert damit auf die alliierte Landung auf Sizilien am 10. Juli, so dass eine Umstrukturierung der milit\u00e4rischen Kontingente erforderlich erscheint. Mit dem Ende der letzten deutschen Gro\u00dfoffensive an der Ostfront geht die milit\u00e4rische Initiative endg\u00fcltig auf die Sowjetunion \u00fcber. Am 25. Juli tritt Mussolini ab, das faschistische Regime bricht sang- und klanglos zusammen.<\/p>\n<p>Am 3. August machen sich Tresckow, der vor\u00fcbergehend in die \u201eF\u00fchrerreserve\u201c versetzt worden ist und im Herbst als Chef des Stabes der 2. Armee an der Ostfront eingesetzt wird, und Olbricht in Berlin<\/p>\n<p>Gedanken \u00fcber den Ablauf eines Staatsstreichs. Am 6. August sprechen sie mit Oberst Stieff, der aus dem ostpreu\u00dfischen OKH-Hauptquartier \u201eMauerwald\u201c gekommen ist. Beim Mittagessen gesellt sich als h\u00f6chste Autorit\u00e4t unter den widerst\u00e4ndigen Milit\u00e4rs der 1938 zur\u00fcckgetretene Generalstabschef Beck noch hinzu. Sie \u00fcberzeugen Stieff von ihrem Vorhaben. Man d\u00fcrfe sich \u201ekeiner Verantwortung, die einem das Schicksal abfordert, entziehen\u201c, schreibt Stieff seiner Frau: Er werde \u201ein dem Augenblick, wo es not tut, meine wahre Pflicht\u201c erf\u00fcllen &#8211; mit einer Einschr\u00e4nkung: \u201eIch werde mich dabei nicht beflecken, dar\u00fcber kannst Du beruhigt sein.\u201c<\/p>\n<p>Tresckow hofft jetzt, Kluge (statt Hitler) an die Spitze der Wehrmacht \u201eschieben\u201c zu k\u00f6nnen, und Olbricht beschw\u00f6rt in einem Brief Kluge, die F\u00fchrung des sich bildenden Komplotts zu \u00fcbernehmen. Um den 10. August herum bitten Olbricht und Tresckow den Grafen Stauffenberg, der kurz vor der Kapitulation des \u201eAfrikakorps\u201c schwer verwundet worden ist und Wochen in einem M\u00fcnchener Lazarett verbracht hat, sich ihnen anzuschlie\u00dfen. Stauffenberg ist einverstanden &#8211; auch mit der neuen Verwendung ab Oktober als Chef des Stabes bei Olbricht. Stauffenbergs Dienstsitz im Bendlerblock ist dem des Stabes des Befehlshabers des Ersatzheeres unmittelbar benachbart. W\u00e4hrend des Sommers wird der Alarmplan \u201eWalk\u00fcre\u201c durch zus\u00e4tzliche Geheimbefehle in geschlossenen Briefumschl\u00e4gen so modifiziert, dass die Widerstandsk\u00e4mpfer in die Lage versetzt werden, das Ersatzheer nach einem erfolgreichen Attentat regimesprengend einzusetzen.<\/p>\n<p>Am 13. August \u00fcbergibt Stieff das Olbricht-Schreiben an Kluge. Sp\u00e4ter teilt er seiner Frau mit, dass man auf den Feldmarschall \u201ez\u00e4hlen\u201c k\u00f6nne- die Unterredung sei \u201eein Hoffnungsstrahl\u201c gewesen. Kluge steht wohl &#8211; ebenso wie Manstein &#8211; einer \u00c4nderung der milit\u00e4rischen Spitzengliederung positiv gegen\u00fcber, allerdings weniger (bis gar nicht) den konspirativen Angelegenheiten. Am 23. August erobert die Rote Armee Charkow endg\u00fcltig zur\u00fcck. Am 8. September fliegt Hitler angesichts der kritischen Lage im Donez-Gebiet zum Hauptquartier der Heeresgruppe S\u00fcd in Saporoshje, um mit Manstein zu konferieren. Es wird der letzte Besuch des \u201eF\u00fchrers\u201c in einem Hauptquartier einer Heeresgruppe an der Ostfront sein. Bei der R\u00fcckkehr in Rastenburg erf\u00e4hrt Hitler vom Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten. Er ordnet daraufhin die Besetzung Nord- und Mittelitaliens sowie Roms an.<\/p>\n<p>Nach der Befreiung durch ein SS-Kommando kann Mussolini am 15. September eine faschistische Gegenregierung in Sal\u00f2 am Gardasee bilden. Die Rest-\u201cAchse\u201c gibt bekannt, dass der \u201eTreuebruch\u201c des italienischen Marschalls Badoglio den Dreim\u00e4chtepakt nicht ber\u00fchre und dass der Krieg \u201ebis zum Endsieg\u201c fortgesetzt werde. Eine Woche sp\u00e4ter, am 22. September, er\u00f6rtern Hitler und Goebbels die Chance, mit dem britischen Premier Verhandlungen \u00fcber einen Friedensschluss zu f\u00fchren. Goebbels notiert sich, dass Hitler \u201eein Verhandeln mit Churchill\u201c f\u00fcr ergebnislos betrachtet: \u201eMit Stalin w\u00e4re der F\u00fchrer schon eher zu verhandeln bereit.\u201c<\/p>\n<p>Am 12. Oktober erleidet Kluge einen Autounfall und f\u00e4llt f\u00fcr mehrere Monate aus. Nachfolger bei der Heeresgruppe Mitte wird Generalfeldmarschall Ernst Busch- ihn vom Widerstand zu \u00fcberzeugen, ist aussichtslos. Stauffenberg, der als Chef des Stabes bei Olbricht die Planung des Staatsstreichs vorantreibt, sucht einen Attent\u00e4ter. Er \u00fcbergibt &#8211; nach R\u00fccksprache mit Olbricht &#8211; ein Quantum englischen Sprengstoffs samt Z\u00fcnder an Stieff, der qua Amt hin und wieder an Konferenzen in der \u201eWolfsschanze\u201c teilnimmt. Hitler soll w\u00e4hrend einer Lagebesprechung get\u00f6tet werden. Stauffenberg glaubt, dass Stieff zur Tat bereit sei, doch nach reiflicher \u00dcberlegung lehnt der ab unter dem Vorwand, er k\u00f6nne den Sprengstoff nicht unbemerkt in den Konferenzraum bringen. Attentats-Hemmungen haben auch Generalquartiermeister Eduard Wagner und der General der Nachrichtentruppe Erich Fellgiebel, die offiziell wichtigste Positionen in Hitlers Umkreis bekleiden und heimlich die Verschw\u00f6rer unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Hitler h\u00e4lt am 8. November seine letzte \u00f6ffentliche Rede in M\u00fcnchen &#8211; zum Jahrestag des Feldherrnhallen-Putschs von 1923. Er erkl\u00e4rt, dass Deutschland \u201eniemals\u201c kapitulieren werde. Stauffenberg kann in diesen Tagen Hauptmann Axel Freiherr von dem Bussche-Streithorst \u201eanwerben\u201c. Der Berufsoffizier mit d\u00e4nischer Mutter, hervorgegangen aus dem Infanterie-Regiment 9 und auf den Tag drei\u00dfig Jahre j\u00fcnger als Hitler, ist bereit, sich mit dem \u201eF\u00fchrer\u201c in die Luft zu jagen. Seit Oktober 1942, als er eine Massenerschie\u00dfung von zweitausend Juden in Dubno\/Ukraine mitangesehen hat, ist er zum \u201epatriotischen Suizid\u201c entschlossen. Bei der Vorf\u00fchrung neuer Ausr\u00fcstungs- und Bekleidungsst\u00fccke soll er eine Sprengladung mit sich f\u00fchren, auf Hitler zuspringen, ihn bis zur Explosion fest umklammern.<\/p>\n<p>Zur Vorbereitung des Anschlags f\u00e4hrt Bussche Mitte November 1943 ins ostpreu\u00dfische Hauptquartier \u201eMauerwald\u201c, trifft Major Joachim Kuhn, einen Referenten aus Stieffs Organisationsabteilung. Bussche f\u00fchrt konspirative Dokumente mit sich, die er im Auftrag Stauffenbergs an Stieff \u00fcbergibt. Laut eines von Tresckow ausgearbeiteten \u201eMa\u00dfnahmenkalenders\u201c haben im Falle des Falles der Befehlshaber des Ersatzheeres und die Befehlshaber in den Wehrkreisen und in den besetzten Gebieten f\u00fcr die \u201eAufrechterhaltung und Wiederherstellung von Recht, Ordnung und \u00f6ffentlicher Sicherheit\u201c zu sorgen. Bussche liest auch den Aufruf f\u00fcr eine Rundfunksendung: \u201eDer F\u00fchrer Adolf Hitler ist tot. Eine verr\u00e4terische Clique von SS- und Parteif\u00fchrern hat es unter Ausn\u00fctzung des Ernstes der Lage unternommen, der schwer ringenden Ostfront in den R\u00fccken zu fallen.\u201c Wie bei allen Umsturzpl\u00e4nen seit 1938 wird an der Fiktion festgehalten, dass das Regime gegen innere Feinde verteidigt werden m\u00fcsse &#8211; als Zugest\u00e4ndnis an Hitlers Popularit\u00e4t. Bussche ist entsetzt- er sieht darin ein \u201eunaufrichtiges Vorgehen\u201c der Planer.<\/p>\n<p>Kuhn bietet Bussche englischen Sprengstoff mit chemischem Zehnminutenz\u00fcnder an, doch der erfahrene Frontk\u00e4mpfer bevorzugt deutschen Sprengstoff, mit dem er besser umzugehen versteht: eine Ein-Kilogramm-Packung Pioniersprengstoff, ein Meter Z\u00fcndschnur (f\u00fcr Experimente), eine Stielhandgranate und eine Tellermine. Der \u201eFront-Urlauber\u201c Bussche ist dann am 22.\/23. November wieder in Berlin, besucht auch seine Mutter im besetzten D\u00e4nemark und kehrt um den 28. November herum zum \u201eMauerwald\u201c zur\u00fcck.<\/p>\n<p>An jenem Tag beginnt im fernen Teheran die erste gemeinsame Konferenz von Churchill, Roosevelt und Stalin, die bis zum 1. Dezember dauert. Es geht um eine Westverschiebung Polens, eine Entindustrialisierung Deutschlands, die gegenseitige Unterrichtung \u00fcber \u201edeutsche Friedensf\u00fchler\u201c. Im ostpreu\u00dfischen \u201eMauerwald\u201c vergraben Anfang Dezember Kuhn und sein Mitarbeiter Oberleutnant Albrecht von Hagen den englischen Sprengstoff samt Z\u00fcnder. Dabei werden sie von einer Streife der Geheimen Feldpolizei beobachtet, k\u00f6nnen jedoch unerkannt entkommen. Durch Einsatz von Hunden wird der Sprengstoff aufgesp\u00fcrt- Papiere f\u00fcr den Umsturz, die in einem zweiten Erdloch versteckt worden sind, bleiben unentdeckt. Hagen wird nach Smolensk geschickt, um deutschen Sprengstoff zu besorgen- diesen \u00fcbergibt er an Stieff.<\/p>\n<p>Bald kommt Bussche wieder in den \u201eMauerwald\u201c. Als \u201eModell\u201c will er sich am 16. Dezember bei der Vorf\u00fchrung von Winteruniformen auf Hitler st\u00fcrzen. Nach kurzer Zeit berichtet ihm Stieff sichtlich erleichtert, die Uniformen seien bei einem Luftangriff zerst\u00f6rt worden. Darauf sagt Bussche: \u201eHerr Oberst, wenn man dann den Termin absehen kann, dann kann ja die Uniform auch ohne mich vorgef\u00fchrt werden.\u201c Stieff solle es selbst machen! Bussche kehrt zu seinem Bataillon an die Newa-Front zur\u00fcck. Kurz darauf wird ihm das linke Bein weggeschossen.<\/p>\n<p>Am Heiligen Abend 1943 erkl\u00e4rt Roosevelt \u00fcber Rundfunk, die Vereinten Nationen wollten Deutschland die M\u00f6glichkeit geben, \u201esich friedlich zu einem n\u00fctzlichen und achtbaren Mitglied der europ\u00e4ischen V\u00f6lkerfamilie zu entwickeln\u201c. Bei Jahresende befinden sich 43 Staaten im Kriegszustand mit dem \u201eGro\u00dfdeutschen Reich\u201c. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter &#8211; am 20. Juli 1944 &#8211; wagt der schwer kriegsversehrte Staatsstreichorganisator Stauffenberg als Attent\u00e4ter jenen Schritt, der als sichtbarstes Zeichen &#8211; stellvertretend f\u00fcr alle mutigen Taten von Frauen und M\u00e4nnern des heterogenen Widerstands &#8211; im Ged\u00e4chtnis der Deutschen und der Welt bleiben wird.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/widerstand-gegen-hitler-stauffenbergs-vorlaeufer-12282167.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/widerstand-gegen-hitler-stauffenbergs-vorlaeufer-12282167.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange vor dem 20. Juli 1944 gab es Attentatsversuche, besonders nach der Kriegswende von Stalingrad. Wichtige Staatsstreichvorbereitungen fielen in das Jahr 1943. Unter dem Dach von Heeresamt und Ersatzheer bildete sich im Bendlerblock die Berliner Zentrale f\u00fcr den Umsturz heraus, w\u00e4hrend die Feldmarsch\u00e4lle trotz der vielen Verbrechen und trotz der erwarteten Niederlage Hitler die Treue hielten. Eine Chronologie.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,21],"tags":[698,292,699,700,266,5350,701,702],"class_list":["post-18125","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-gegenwart","category-politik","tag-berchtesgaden","tag-berlin","tag-casablanca","tag-charkow","tag-deutschland","tag-italien","tag-japan","tag-joseph-goebbels"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18125"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18125\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}