{"id":18073,"date":"2013-10-10T12:31:11","date_gmt":"2013-10-10T12:31:11","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18073"},"modified":"2013-10-10T12:31:11","modified_gmt":"2013-10-10T12:31:11","slug":"gefeiert-von-der-welt-angefeindet-zu-hause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18073","title":{"rendered":"Gefeiert von der Welt, angefeindet zu Hause"},"content":{"rendered":"<p>Die 16 Jahre alte Pakistanerin Malala Yousafzai erh\u00e4lt in diesem Jahr den Sacharow-Preis des EU-Parlaments. Im Westen hat sie den Status einer Ikone und gilt als Vork\u00e4mpferin f\u00fcr Schulbildung und Emanzipation. Nun hat sie schon eine Autobiographie vorgelegt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Sie wolle nicht das M\u00e4dchen sein, \u201edas von den Taliban angeschossen\u201c wurde. Das sei nicht sie. Nein, sie wolle das M\u00e4dchen sein, \u201edas f\u00fcr Bildung k\u00e4mpft\u201c, schreibt Malala Yousafzai in ihrem am Dienstag erschienenen Buch \u201eIch bin Malala\u201c. Doch dar\u00fcber, wer Malala ist, hat die 16 Jahre alte Pakistanerin l\u00e4ngst die Deutungshoheit verloren. Die Vereinten Nationen haben sie zur Vork\u00e4mpferin f\u00fcr eine weltweite Bildungskampagne erkoren. Westliche Stars wie Madonna und Beyonc\u00e9 stilisieren sie zur Ikone einer islamischen Frauenemanzipation. Und jetzt wird sie sogar f\u00fcr den Friedensnobelpreis empfohlen.<\/p>\n<p>Auch ihre Autobiographie, die sie mit Hilfe der britischen Journalistin und Buchautorin Christina Lamb geschrieben hat, ist streckenweise ein Zugest\u00e4ndnis an die Erwartungen eines westlichen Publikums. Interessant wird es immer dann, wenn das M\u00e4dchen Malala Kind sein darf und sie die Taliban als \u201eM\u00e4nner mit merkw\u00fcrdig langen Haaren und B\u00e4rten\u201c beschreibt. Wenn sie nicht der ganzen Welt erkl\u00e4ren muss, warum \u201ewir Paschtunen\u201c die von den Briten gezogene Grenze zu Afghanistan nicht anerkennen und welche Fehler der Milit\u00e4rherrscher Zia-ul-Haq lange vor ihrer Geburt gemacht hat. Das Buch erz\u00e4hlt von der m\u00e4dchenfeindlichen Gesellschaft im Nordwesten Pakistans, wo V\u00e4ter bei der Geburt einer Tochter bemitleidet werden- davon, wie der Hassprediger Maulana Fazlullah zun\u00e4chst \u00fcber Radioprogramme islamistisches Gedankengut im Swat-Tal verbreitete, wo die pakistanischen Taliban von 2007 an M\u00e4dchenschulen angriffen und ein Terrorregime etablierten, bevor sie 2009 durch eine Milit\u00e4roperation zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<h2>\u201eMein Vater hat mir gesagt, ich muss Politikerin werden\u201c<\/h2>\n<p>In dieser Zeit, als Elfj\u00e4hrige, wurde Malala in Pakistan und international bekannt, weil sie in Interviews und in einem Blog f\u00fcr die BBC die Greuel der Talibanherrschaft beschrieb. Damals wurden auch andere M\u00e4dchen interviewt. Deren Eltern verbaten es ihnen aber, schreibt Malala, als sie in die Pubert\u00e4t kamen. Malalas Vater dagegen, ein Aktivist und Direktor einer privaten M\u00e4dchenschule, erkannte schnell, dass seine Tochter mit ihren Medienauftritten viel mehr bewirken konnte als er selbst. \u201eIch m\u00f6chte \u00c4rztin werden, das ist mein eigener Traum, aber mein Vater hat mir gesagt, ich muss Politikerin werden\u201c, sagte das M\u00e4dchen 2009 in einem Dokumentarfilm des Amerikaners Adam B. Ellick. In seinem neuesten Video \u201eThe Making of Malala\u201c sagt der Filmemacher: \u201eDie Art und Weise, wie ihr Vater Malala dr\u00e4ngte, sich dem Kampf anzuschlie\u00dfen, erinnerte mich an Eltern, die ihre Kinder zum n\u00e4chsten Tennisstar machen wollen.\u201c Am Ende stellt er die Frage, ob der Vater sowie er selbst als Journalist das M\u00e4dchen durch zu viel \u00d6ffentlichkeit in Gefahr gebracht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Vor einem Jahr bestiegen zwei bewaffnete M\u00e4nner den Schulbus, in dem Malala sa\u00df, und stellten jene Frage, mit dem das M\u00e4dchen nun auch mit ihrem Buch antworten will: \u201eWer (von den M\u00e4dchen) ist Malala?\u201c Nur durch viel Gl\u00fcck, durch die Intervention britischer \u00c4rzte und der Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate, die ihr Privatflugzeug f\u00fcr den Patiententransport zur Verf\u00fcgung stellte, \u00fcberlebte sie. Mit dem Angriff und ihrer Behandlung in Gro\u00dfbritannien beginnt Malalas unfreiwilliger Aufstieg zum Medienstar.<\/p>\n<p>An ihrem 16. Geburtstag h\u00e4lt sie vor gro\u00dfem Publikum eine Rede auf einer Jugendtagung der Vereinten Nationen. W\u00e4hrend sie Gratulationen aus der ganzen Welt erh\u00e4lt, rumort es in pakistanischen sozialen Netzwerken. Viele Landsleute werfen ihr vor, sich zum B\u00fcttel des Westens zu machen, ruhms\u00fcchtig zu sein oder gar den Angriff der Taliban nur vorget\u00e4uscht zu haben, um im britischen Birmingham ein Luxusleben zu f\u00fchren. Die Kommentare sprechen B\u00e4nde \u00fcber den verworrenen Geisteszustand Pakistans.<\/p>\n<h2>\u201eOkay, erschie\u00df mich, aber h\u00f6r mir erst zu.\u201c<\/h2>\n<p>Es geh\u00f6rt zu den St\u00e4rken des Buches, dass es diese Widerspr\u00fcche anspricht, wenn auch nur oberfl\u00e4chlich. \u201eAuf Twitter und Facebook konnte ich sehen, wie meine eigenen pakistanischen Br\u00fcder und Schwestern sich gegen mich wendeten\u201c, schreibt die Autorin und erkl\u00e4rt die Kommentare mit der Entt\u00e4uschung ihrer Landsleute \u00fcber Politiker, die immer viel versprochen und wenig gehalten h\u00e4tten. Bisweilen ist das Buch erfrischend ehrlich. Etwa dann, wenn Malala erz\u00e4hlt, ihr Vater habe dem Pr\u00e4sidenten Asif Ali Zardari nicht den Besuch an ihrem Krankenbett verwehren k\u00f6nnen, da seine Regierung schlie\u00dflich die Behandlungskosten bezahlt habe.<\/p>\n<p>Das Buch ist ein Spagat zwischen den naiven Gedanken einer Jugendlichen, die ihren Attent\u00e4tern zurufen m\u00f6chte: \u201eOkay, erschie\u00df mich, aber h\u00f6r mir erst zu. Was du tust, ist falsch. Ich bin nicht gegen dich pers\u00f6nlich, ich will nur, dass jedes M\u00e4dchen zur Schule geht\u201c, und den hohen Erwartungen des Publikums, das in ihr eine Friedensbringerin sieht. Man ist geneigt, ihr zu w\u00fcnschen, dass sie den Friedensnobelpreis nicht bekommt, f\u00fcr densienominert ist.. Damit sie das M\u00e4dchen sein kann, \u201edas f\u00fcr Bildung k\u00e4mpft\u201c.<\/p>\n<p>Einen Preis aber wird sie in jedem Fall empfangen: F\u00fcr ihren Kampf f\u00fcr Schulbildung wird sie in diesem Jahr den Sacharow-Preis des EU-Parlaments erhalten. Darauf haben sich die Fraktionsvorsitzenden im EU-Parlament an diesem Donnerstag in Stra\u00dfburg nach Angaben eines Sprechers geeinigt. Ihre Mitbewerber in der Endauswahl waren der ehemalige amerikanische Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden und drei Menschenrechtsaktivisten aus Wei\u00dfrussland, darunter der inhaftierte Ales Beljatzki. Der Preis wird am 20. November \u00fcberreicht.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/malala-yousafzai-erhaelt-sacharow-preis-gefeiert-von-der-welt-angefeindet-zu-hause-12609269.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/malala-yousafzai-erhaelt-sacharow-preis-gefeiert-von-der-welt-angefeindet-zu-hause-12609269.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 16 Jahre alte Pakistanerin Malala Yousafzai erh\u00e4lt in diesem Jahr den Sacharow-Preis des EU-Parlaments. 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