{"id":18047,"date":"2013-10-23T11:14:43","date_gmt":"2013-10-23T11:14:43","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18047"},"modified":"2013-10-23T11:14:43","modified_gmt":"2013-10-23T11:14:43","slug":"die-einautoshow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18047","title":{"rendered":"Die Einautoshow"},"content":{"rendered":"<p>Der Fiat-Konzern probt ein Kunstst\u00fcck: Alfa Romeo hat nur ein hei\u00dfes Eisen, den neuen 4C. Fiat eins, den 500. Lancia auch nur eins, den Y. Und sonst? Leere und Hoffnung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Ein atemraubender Sportwagen sollte die Wiederkehr von Alfa Romeo auf den amerikanischen Markt starten und \u00fcberhaupt der Vorbote daf\u00fcr sein, dass die Autos der sportlichen italienischen Marke wieder in gr\u00f6\u00dferer Zahl auf die Stra\u00dfen zur\u00fcckkehren. Doch von der Wiederkehr von Alfa Romeo, von den vielen versprochenen Modellen, ist noch nicht viel zu sehen. Der neue Sportwagen 4C ist damit mehr ein Lebenszeichen daf\u00fcr, dass es die Marke \u00fcberhaupt noch gibt.<\/p>\n<p>Als Symbol daf\u00fcr, dass unter dem Namen Alfa Romeo noch Innovationen, aufregendes Design und \u00fcberhaupt Neuheiten zu erwarten sind, spielt der 4C aber eine \u00fcberzeugende Rolle. Die Italiener beweisen, dass sie zu Spitzenleistungen in der Lage sind, wenn man sie nur l\u00e4sst. 28 Monate lagen zwischen der Freigabe durch den Vorstand und der Serienfertigung, die nun mit der (ausverkauften) Start-Edition anl\u00e4uft. Der hei\u00dfe Zweisitzer verf\u00fcgt \u00fcber ein Monocoque aus Carbonfaser, wie es in der Formel 1 genutzt wird.<\/p>\n<p>Dort ist auch die Fahrwerkskonstruktion entlehnt mit ihrer direkt angelenkten Feder-D\u00e4mpfer-Einheit. Weil alles weggelassen wurde (unter anderem unter Inkaufnahme geringerer Sicherheit auch Seitenairbags), was die Di\u00e4t gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, bringt der 4C trocken nur 895 Kilogramm auf die Waage. Ein Navigationssystem gibt es nie, auch nicht als Option. Servounterst\u00fctzung f\u00fcr die ziemlich direkte mechanische Lenkung? Braucht wohl niemand. Das spartanische Radio l\u00e4sst sich ebenso abbestellen wie die Klimaanlage. Puristen frohlocken. Andere w\u00fcnschen sich etwas mehr Herzblut in der Materialauswahl im Innenraum.<\/p>\n<h2>Von 0 auf 100 km\/h in 4,5 Sekunden<\/h2>\n<p>Der Name 4C ist Programm. Tats\u00e4chlich arbeitet direkt hinter den beiden Insassen nur ein Vierzylinder, allerdings ein ziemlich vitaler. Der aus Aluminium gefertigte 1,8-Liter-Turbo entfaltet 240 PS, die sich nach mindestens dem Doppelten anf\u00fchlen und anh\u00f6ren. Mit Gebr\u00fcll schnellt die Nadel auf 6000, das automatische Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe haut die n\u00e4chste Stufe rein. Ein Inferno, welch ein Vergn\u00fcgen. Die Beschleunigung auf 100 km\/h in 4,5 Sekunden klebt die beiden m\u00f6glichen Insassen an die Lehne, die Bremse in ihrer zupackenden Art wirft den K\u00f6rper in den Gurt. 258 km\/h betr\u00e4gt die H\u00f6chstgeschwindigkeit, doch darauf kommt es gar nicht an. Wo ist die n\u00e4chste Kurve? Sie kennt fast keinen Grenzbereich mehr. Wer will, legt Pirelli-Rennreifen auf, der Alfa wird auch auf den schnellen Rundkursen dieser Welt seine Freunde finden.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Die H\u00f6lle ist rot, die H\u00e4lfe aller bisher bestellten 4C rollt so aus der Fabrik, die andere ist wei\u00df wie die Unschuld. 50500Euro werden in der Grundausstattung aufgerufen, mit das Erlebnis vervollst\u00e4ndigenden Zutaten sollten sich Interessenten auf 60000 Euro einstellen. 125 Stunden \u00fcberwiegender Handarbeit stecken in jedem Auto. Der Flaschenhals ist der Ofen, in dem die Carbonteile gebacken werden. H\u00f6chstens 3500 St\u00fcck je Jahr k\u00f6nnen die Monteure in der Maserati-Fabrik in Modena zusammenf\u00fcgen. F\u00fcr Deutschland bedeutet das nur rund 300St\u00fcck im Jahr. Vermutlich wird die Nachfrage abermals befeuert, wenn in nicht allzu ferner Zukunft eine offene Version folgt. Sie wird ein Targa-Dach tragen, das sich zusammenfalten l\u00e4sst und den Ruf der Sehnsucht noch ungefilterter in den Alfa bl\u00e4st. Seine Lebenszeichen ruft der 4C auch nach Nordamerika, dort soll mit ihm der Wiedereinstieg gelingen. Und er soll die Zeit \u00fcberbr\u00fccken, die Fans bei Laune halten, die sich mit zwei mickrigen, angegrauten Modellen begn\u00fcgen m\u00fcssen, bis endlich wieder neue Autos kommen, die nicht nur in der Nische toben.<\/p>\n<p>Aber das wird dauern. Der n\u00e4chste neue Alfa wird der mit Mazda gemeinsam entwickelte Spider sein. Wieder ein Nischenmodell. Es kommt erst Ende 2015. Die k\u00fcnftigen gr\u00f6\u00dferen Autos sollen mit Hinterradantrieb re\u00fcssieren, Gene von Maserati in sich tragen. Ein Gel\u00e4ndewagen soll kommen. Ferne Zukunft. Derweil steht sich der Mito die Reifen bei den H\u00e4ndlern platt, der Markt f\u00fcr zweit\u00fcrige Autos schrumpft schneller als Spaghettieis in der Sonne. Man mag es kaum glauben: Derzeit verkauft Alfa in etwa so viele Autos wie Lancia. Lancia? Die sind doch eigentlich schon seit Jahren klinisch tot. Was blo\u00df tun?<\/p>\n<h2>Versprochene Ziele nicht erreicht<\/h2>\n<p>Fiat-und-Chrysler-Chef Sergio Marchionne hatte vor gerade einmal drei Jahren f\u00fcr die Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia und Abarth 34 neue Modelle versprochen. Alfa Romeo sollte im neuen Modellprogramm eine besonders wichtige Rolle spielen. Den Reigen der neuen Modelle sollte schon 2012 ein neues Mittelklassemodell bilden, etwa so gro\u00df wie ein Dreier-BMW und ausgestattet mit dem historischen Namen Giulia. Der Kleinwagen Mito sollte 2012 ebenfalls aufgefrischt werden und in diesem Jahr einen viert\u00fcrigen Ableger erhalten. F\u00fcr dieses Jahr war ein neuer zweisitziger Spider angek\u00fcndigt. Und auch die Kategorie Sport Utility Vehicle sollte nicht fehlen. F\u00fcr 2012 hatte Marchionne einen Kompakt-SUV in der Gr\u00f6\u00dfenordnung des Volkswagen Tiguan angek\u00fcndigt, f\u00fcr 2014 ein noch gr\u00f6\u00dferes Modell. Daher sollte nach den ehrgeizigen Pl\u00e4nen von 2010 im laufenden Jahr die Renaissance von Alfa Romeo schon in vollem Gange sein, mit einem Absatzziel von 400.000 Autos, und mit einem Gipfelpunkt von 500.000 im kommenden Jahr.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sollte auch Lancia ein Vollsortimenter werden, mit j\u00e4hrlich 300000 Autos. Nat\u00fcrlich sollte sich auch der Umsatz von Fiat entsprechend entwickeln. Von der Zielgr\u00f6\u00dfe 51 Milliarden Euro f\u00fcr 2014 war Fiat \u2013 ohne Chrysler \u2013 mit einem Gesch\u00e4ftsvolumen von 18 Milliarden Euro f\u00fcr das erste Halbjahr 2013 weit entfernt. Fiat und der Fiat-Chef liefern nur vage und knappe Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass die einst versprochenen Ziele nicht erreicht wurden: In der Krise habe man an Investitionen gespart. Zudem sei es wenig sinnvoll gewesen, f\u00fcr teures Geld entwickelte Modelle in schrumpfenden Autom\u00e4rkten wie in Italien zu verbrennen.<\/p>\n<p>Die vergangenen Jahre haben Marchionne und sein deutscher Chefentwickler Harald Wester dennoch genutzt. Die Strategie wurde gesch\u00e4rft, ist nun weniger konventionell und sucht die Vorteile des Zusammengehens von Fiat und Chrysler noch konsequenter zu nutzen. Die sind unbestreitbar, denn Fiat bietet ein H\u00e4ndlernetz in Europa und S\u00fcdamerika, Chrysler in Nordamerika- die schwierigste strategische Frage, mit welchen H\u00e4ndlern die R\u00fcckkehr von Alfa Romeo in die Vereinigten Staaten bewerkstelligt werden solle, ist damit so gut wie gel\u00f6st. Chrysler bietet Plattformen und Bauteile f\u00fcr gro\u00dfe Autos, Jeep f\u00fcr Gel\u00e4ndewagen, Fiat f\u00fcr Kleinwagen, und auch aus der Kreuzung dieser Elemente k\u00f6nnen neue Chancen entstehen.<\/p>\n<h2>\u201eDann ist sie unkaputtbar\u201c<\/h2>\n<p>Nun hat der Konzern aber die alte Idee aufgegeben, dass jede Marke ein komplettes Modellprogramm bieten soll. Fiat soll sich auf kleine, freche und praktische Modelle beschr\u00e4nken, die von 500 und Panda hergeleitet werden. Die zuletzt mit raffiniertem Luxus definierte Marke Lancia wird mehr oder weniger aufgegeben, weil sie au\u00dferhalb Italiens wenig bekannt ist. Als Lancia gibt es k\u00fcnftig den Kleinwagen Ypsilon und Modelle von Chrysler mit italienischem Emblem. Konzentrieren will man sich auf die Entwicklung von Premiummarken mit Bekanntheit in aller Welt: Jeep und Alfa Romeo.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich stehen die zwei Worte so sehr f\u00fcr italienische Emotionen, dass die Marke nicht totzukriegen ist. \u201eWenn die Marke den Alfa Arna \u00fcberlebt hat, dann ist sie unkaputtbar\u201c, sagt ein ehemaliger Alfa-Manager. Alfa Arna war ein vier Meter langes Kompaktauto, das in den achtziger Jahren die Antwort des damaligen Staatsunternehmens auf den ersten VW Golf darstellen sollte. Das Auto, das nur drei Jahre \u00fcberlebte, war ein Nissan Cherry mit Alfa-Emblem und all den Unzul\u00e4nglichkeiten der Produktion im Alfasud-Werk bei Neapel. Doch der Name Alfa Romeo wird weiterhin nicht mit solch einem Flop identifiziert, sondern mit Rennerfolgen bis zum Anfang der f\u00fcnfziger Jahre, Design-Ikonen der Sechziger, dem zweisitzigen offenen Spider oder den eigenwillig gestylten Polizeiautos Giulia in der Krimiserie \u201eAllein gegen die Mafia\u201c.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Von dem Unternehmen \u2013 gegr\u00fcndet 1910 in Mailand unter dem Namen Anonima Lombarda Fabbrica Automobili (frei \u00fcbersetzt lombardische Autofabrik AG), 1918 \u00fcbernommen vom neapolitanischen Ingenieur Nicola Romeo, ab 1933 in Staatsbesitz und schlie\u00dflich seit 1987 Teil des Fiat-Konzerns &#8211; sind ohnehin nur wenige historische Bezugspunkte geblieben. Das alte Stammwerk in Arese bei Mailand ist l\u00e4ngst geschlossen, \u00fcbrig ist nur ein historisches Museum (derzeit ebenfalls geschlossen). Alfa Romeo kann neu erfunden werden.<\/p>\n<p>An dieser Strategie wird gefeilt. Die neue Limousine Giulia wird nun nicht mehr eine Fortentwicklung des Kompaktmodells Giulietta und seiner Frontantriebsplattform. Nun soll direkt BMW ins Visier genommen werden, mit Hinterradantriebsmodellen, die mehr gemein haben mit Chrysler und Maserati. Klein- und Kompaktmodelle wird es nicht mehr geben. Der Maserati Ghibli erh\u00e4lt ein Schwestermodell unter dem Namen Alfa Romeo, als Konkurrent f\u00fcr den F\u00fcnfer BMW. Die Giulia entsteht als kleinerer Cousin. Schlie\u00dflich liefern die Bauk\u00e4sten von Jeep noch die Grundlage f\u00fcr SUV-Modelle, etwa als Konkurrenz zum erfolgreichen BMW X3. Die Strategie, Alfa Romeo neu zu erfinden, ist gewagt. Der Fiat-Chrysler-Konzern hat zumindest die Mittel, die neue Modellpalette zu entwickeln. Deshalb sind die Sticheleien aus Wolfsburg und die \u00dcbernahmeangebote f\u00fcr den Namen Alfa Romeo im Fiat-Konzern nur zus\u00e4tzlicher Ansporn.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/fiat-die-einautoshow-12627597.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/fiat-die-einautoshow-12627597.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fiat-Konzern probt ein Kunstst\u00fcck: Alfa Romeo hat nur ein hei\u00dfes Eisen, den neuen 4C. Fiat eins, den 500. Lancia auch nur eins, den Y. Und sonst? 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