{"id":18043,"date":"2013-10-14T11:14:37","date_gmt":"2013-10-14T11:14:37","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=18043"},"modified":"2013-10-14T11:14:37","modified_gmt":"2013-10-14T11:14:37","slug":"die-sammler-schiesen-wie-pilze-aus-dem-boden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=18043","title":{"rendered":"Die Sammler schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden"},"content":{"rendered":"<p>Die Regeln sind klar: Jeder darf in geringen Mengen Pilze f\u00fcr den eigenen Bedarf sammeln. Doch nicht jeder h\u00e4lt sich daran. Und so bleibt die Frage: Was ist dran an den Ger\u00fcchten einer Pilz-Mafia im deutschen Wald?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Am Samstagnachmittag pirscht sich wieder eine Gruppe durch den Stadtwald im S\u00fcden Frankfurts. Den Blick starr nach unten gerichtet stapfen sie \u00fcber den weichen Waldboden, nur ab und zu h\u00f6rt man das Knacken eines Astes. In kurzen Abst\u00e4nden b\u00fcckt sich einer der Teilnehmer und legt einen Pilz in seinen geflochtener Korb. \u00dcberall sprie\u00dfen die zur Zeit aus dem Boden. \u201eDas Pilzesammeln liegt gerade im Trend\u201c, sagt Dieter Gewalt, Pilzberater aus Dietzenbach bei Frankfurts, nachdem er seinen Zuh\u00f6rern den Unterschied zwischen Goldr\u00f6hrling und Maronenr\u00f6hrling erkl\u00e4rt hat. \u201eDie Menschen wollen sich wieder selbst darum k\u00fcmmern, was bei ihnen auf den Tisch kommt.\u201c Gewalt f\u00fchrt interessierte Sammler, um ihnen die einzelnen Arten nahezubringen und giftige von genie\u00dfbaren Pilzen zu trennen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur der Pilzberater streift mit seiner Gruppe durch die W\u00e4lder \u2013 seit ein paar Wochen schon geistert das \u201ePilz-Mafia\u201c-Ger\u00fccht durch die Medien vor allem im Westen des Landes: Gro\u00dfe Gruppen vermeintlich osteurop\u00e4ischer Sammler, die in Reihen durch die W\u00e4lder gehen und alle Steinpilze planm\u00e4\u00dfig abernten. Ende September kochte das Thema wieder hoch, nachdem mutma\u00dfliche Pilzdiebe einen F\u00f6rster angefahren hatten. Der hatte versucht, eine Gruppe von Pilzesammlern zur Rede zu stellen, weil sie gro\u00dfe Mengen an Steinpilzen aus dem Wald schaffte.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen ist allerdings nicht neu: \u201eSolche Gruppen sieht man immer wieder\u201c, sagt Hans-Ulrich Dombrowski, der Leiter des Forstamtes R\u00fcdesheim im Rheingau, das f\u00fcr den westlichen Taunus zust\u00e4ndig ist. \u201eEs sind momentan ja viele Arbeiter in der Gegend, die sich gerne vor der Weinlese etwas dazuverdienen.\u201c Und Steinpilze stehen in dieser Jahreszeit in fast jedem besseren Restaurant auf der Speisekarte. Z\u00fcchten lassen sie sich allerdings nicht. Die meisten Steinpilze, die in Deutschland auf den Markt kommen, werden aus Osteuropa importiert. Gerade bei Pilzen z\u00e4hlt aber absolute Frische. Viele Restaurants kaufen daher gerne heimische Ware. Dass auch bei der \u201ePilz-Mafia\u201c hierzulande hinter vorgehaltener Hand immer von Osteurop\u00e4ern die Rede ist, hat f\u00fcr Dombrowski einen ganz einfachen Grund: \u201eDie kennen sich einfach sehr gut aus, dort isst man Pilze wie bei uns Gem\u00fcse.\u201c<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Das Pilzesammeln ist in deutschen W\u00e4lder eigentlich auch nicht verboten. Grunds\u00e4tzlich darf jeder mit seinem Korb in den Wald gehen. Wie viele andere Waldpilze werden die Steinpilze aber durch die Bundesartenschutzverordnung gesch\u00fctzt. Die gestattet das Sammeln nur \u201ein geringen Mengen f\u00fcr den eigenen Bedarf\u201c. Gerade diese weichen Regeln stellen die Naturschutzbeh\u00f6rden jedoch vor besondere Probleme. Nicht nur, dass die illegalen Pilzsammler in den W\u00e4ldern schwer aufzusp\u00fcren sind- trifft man sie an, hat jeder nur einen Korb mit ein paar Pilzen in der Hand. Was genau \u201egeringe Mengen\u201c sind und was der \u201eeigene Bedarf\u201c, regelt das Gesetz nicht. \u201eF\u00fcr den einen ist es, was am selben Abend in der Pfanne landet, der andere geht f\u00fcr ein paar Monate im Voraus sammeln und trocknet die Pilze oder friert sie ein\u201c, sagt Dieter Stockmann vom Naturschutzamt im Landkreis Main-Spessart. In der Schweiz g\u00e4lten zumindest klare Grenzen: zwei Kilogramm pro Person und Tag. \u201eIn Deutschland l\u00e4sst der Gesetzgeber dies bewusst offen \u2013 ,in die Pilze\u2018 zu gehen ist halt eine althergebrachte Tradition.\u201c<\/p>\n<p>Um die illegalen Sammler zu \u00fcberf\u00fchren, m\u00fcssten die Aufseher sie also dann abpassen, wenn sie ihre Ware gerade in gro\u00dfen Mengen abliefern- der Eigenbedarf w\u00e4re widerlegt. Doch bis die Polizei in die W\u00e4lder kommt, um die Pilzdiebe dingfest zu machen, sind die meist auf und davon. So einfach ist das Gesch\u00e4ft, dass sich keiner die M\u00fche macht, es zu legalisieren. Denn selbst das kommerzielle Ernten von Pilzen lie\u00dfe sich durch die Naturschutz\u00e4mter genehmigen. Antr\u00e4ge gehen hierf\u00fcr aber nur selten ein. \u201eWahrscheinlich ist den das den Gruppen zu unflexibel, weil die Genehmigung dann immer nur f\u00fcr ein kleines St\u00fcck Wald gelten w\u00fcrde\u201c, sagt Dieter Stockmann.<\/p>\n<p>Es bleibt die Frage, welchen Schaden die vermeintliche Mafia in den W\u00e4ldern anrichtet. \u201eWas wir als Pilz ernten, ist eigentlich nur die Frucht\u201c, sagt Pilzberater Gewalt. Der eigentliche Pilz, das sogenannte Myzel, ist ein Geflecht aus fadenf\u00f6rmigen Zellen unter der Oberfl\u00e4che im Waldboden. \u201eWenn Sie den Fruchtk\u00f6rper ordnungsgem\u00e4\u00df abernten und den Waldboden nicht aufrei\u00dfen, tut man dem Pilz eigentlich nichts zuleide.\u201c Bei passender Witterung wachse ein neuer Fruchtk\u00f6rper schnell nach. Das zumindest scheint auch die Pilz-Mafia zu beachten. Dass die Gruppen die Pilze ausrei\u00dfen und die Moospolster zerst\u00f6ren, hat auch Gewalt noch nicht gesehen. \u201eAber man \u00e4rgert sich, dass die ganzen Best\u00e4nde abgeerntet sind.\u201c Nur f\u00fcr sehr seltenen Arten seit das fl\u00e4chendeckende Abernten eine wirkliche Gefahr, weil die Pilze weniger Sporen verteilen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Viele F\u00f6rster sehen ohnehin ein anderes Problem: Genau in der Pilzsaison von Mitte September bis Mitte Oktober kommt das Rotwild in die Brunft. In dieser Zeit sind die Waldtiere besonders empfindlich und lassen sich leicht aufscheuchen. Die Forstbeh\u00f6rden versuchen, gewisse Gebiete des Waldes f\u00fcr das Wild zu sch\u00fctzen, doch den Pilzsammlern sind selbst die Sperrungen oft reichlich gleichg\u00fcltig. W\u00e4hrend sich die meisten Freizeitg\u00e4ste auf den Nachmittag beschr\u00e4nkten, w\u00fcrden die illegalen Gruppen schon fr\u00fch am Morgen kommen und durchk\u00e4mmten planm\u00e4\u00dfig den ganzen Wald, sagt Horst-Karl Dengel, der Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Z\u00fclpicher B\u00f6rde, wo es Ende September zu dem Angriff auf den Revierf\u00f6rster kam. \u201eDie gehen dann in jeden Winkel des Waldes und treiben das Wild aus den letzten Ecken.\u201c Dengel hofft nun auf die schon winterliche K\u00e4lte: \u201eDann ist die Pilzsaison endlich zu Ende, und der Wald kommt wieder zur Ruhe.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/pilz-mafia-die-sammler-schiessen-wie-pilze-aus-dem-boden-12617615.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/pilz-mafia-die-sammler-schiessen-wie-pilze-aus-dem-boden-12617615.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Regeln sind klar: Jeder darf in geringen Mengen Pilze f\u00fcr den eigenen Bedarf sammeln. 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