{"id":17983,"date":"2013-10-18T15:09:47","date_gmt":"2013-10-18T15:09:47","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=17983"},"modified":"2013-10-18T15:09:47","modified_gmt":"2013-10-18T15:09:47","slug":"keine-spur-von-exotik-bei-leberleiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=17983","title":{"rendered":"Keine Spur von Exotik bei Leberleiden"},"content":{"rendered":"<p>Leberexperten diskutieren neue Daten: Hepatitis-E-Infektionen sind viel h\u00e4ufiger als gedacht. Die \u00dcbertragung erfolgt durch Tierkontakt. Bei Hepatitis B und C gibt es Fortschritte in der Behandlung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Bislang galt die Entz\u00fcndung der Leber durch das Hepatitis-E-Virus als exotische Erkrankung. \u00c4rzte beobachteten die Krankheit allenfalls im Osten der T\u00fcrkei, in Afrika und Indien. Doch diese Einsch\u00e4tzung entspricht nicht der Wirklichkeit. Vielmehr wird die Erkrankung hierzulande meist verkannt. Die Lehrb\u00fccher der Leberkrankheiten m\u00fcssen umgeschrieben werden. So k\u00f6nnte man die Ausf\u00fchrungen Heiner Wedemeyers von der Medizinischen Hochschule Hannover im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen zusammenfassen, die vergangene Woche in N\u00fcrnberg stattfand. Oftmals verl\u00e4uft die Erkrankung unbemerkt. Bei anderen Patienten zeigt sich eine Gelbsucht, sie haben Fieber, und die Leberwerte sind erh\u00f6ht. Gef\u00e4hrlich ist die Krankheit f\u00fcr Personen mit einer Abwehrschw\u00e4che, etwa Patienten nach einer Organtransplantation, HIV-Infizierte oder Erkrankte unter dauerhafter Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem bremsen. Als besonders gef\u00e4hrdet gelten Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft. Es kann zu einem Ausfall der Leber kommen. Die Sterblichkeit soll dann bis zu zwanzig Prozent der Betroffenen betragen. Meist heilt die Entz\u00fcndung jedoch aus, nur selten entwickelt sich eine chronische Hepatitis.<\/p>\n<h2>Hohe Durchseuchung<\/h2>\n<p>Offenbar ist der Grad der Durchseuchung der Bev\u00f6lkerung hoch, wie Wedemeyer berichtete. Als Quellen der Infektion gelten Schweine, aber auch beim Kontakt mit Katzen soll es zur \u00dcbertragung kommen. Angesichts einer zunehmenden Zahl von Menschen unter Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten gemahnte er seine \u00e4rztlichen Kollegen, bei jeder unklaren Leberentz\u00fcndung an die M\u00f6glichkeit einer Hepatitis-E-Infektion zu denken. Die Diagnose wird durch den Nachweis der viralen Erbsubstanz &#8211; einer Ribonukleins\u00e4ure &#8211; im Blut der Betroffenen gestellt. Auch die Messung des bei der Reaktion des Organismus auf die Infektion entstehenden Antik\u00f6rpers vom Typ Immunglobulin M ist hilfreich.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgruppe von Heiner Wedemeyer berichtet auch erstmals \u00fcber Fortschritte bei der Therapie der Hepatitis E. Eine Behandlung mit dem Medikament Ribaverin, das als Mittel gegen Viruskrankheiten entwickelt wurde und bei Behandlung der chronischen Hepatitis C eingesetzt wird, erwies sich als erfolgreich. Wie lange behandelt werden muss, ist noch unklar. Vermutlich m\u00fcssen die Patienten \u00fcber mehrere Monate die Arznei als Tablette einnehmen. Ob der Effekt auch nachhaltig ist, bedarf noch der Beobachtung.<\/p>\n<h2>Fortschritte bei der Behandlung<\/h2>\n<p>Auch bei der Behandlung der weiter vorn im ABC der Leberentz\u00fcndungen stehenden Infektionen Hepatitis B und C wurden in j\u00fcngster Zeit \u00fcberraschende Fortschritte erzielt. Beide Infektionen gehen mit dem Risiko einer chronischen Entz\u00fcndung einher. Im Verlauf verh\u00e4rtet sich die Leber, weil Bindegewebsfasern entstehen, die das Lebergewebe ersetzen. Je nach Ausma\u00df sprechen die \u00c4rzte von Fibrose oder &#8211; im Endstadium &#8211; von Zirrhose der Leber. Bislang galt dieser Prozess, wenn er denn eingesetzt hatte, als unumkehrbar. Dieses Dogma der Lebermedizin ist jetzt gefallen. Erstmals berichteten Wissenschaftler in diesem Jahr, dass sich die Fibrose und der Grad der Zirrhose bei Patienten mit chronischer Hepatitis-B-Virus-Infektion unter Behandlung mit dem Stoff Tenofovir zur\u00fcckzubilden vermag (\u201eLancet\u201c, Bd. 381, S. 468).<\/p>\n<p>Nicht jede chronische Hepatitis B muss behandelt werden. Es h\u00e4ngt von der Zahl der Kopien des Virus im Blut ab, ob eine Therapie eingeleitet werden soll. Doch gilt es, die Patienten regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberwachen, da die Aktivit\u00e4t der Erkrankung Schwankungen unterliegt. Wichtig ist es, eine Zirrhose der Leber zu verhindern. Die Therapie der Hepatitis C erweist sich noch immer als sehr belastend f\u00fcr die Betroffenen. Neben den oft nur schlecht vertr\u00e4glichen Interferonen werden heute Hemmstoffe der f\u00fcr die Vermehrung des Virus notwendigen Proteasen gegeben. Mit Einf\u00fchrung dieser Substanzen zeitigt die Therapie zwar besseren Erfolg, doch leiden die Patienten unter Nebenfolgen, die auch lebensbedrohlich sein k\u00f6nnen. In N\u00fcrnberg wurde davor gewarnt, die Therapie zu beginnen, wenn infolge des Leberschadens das Eiwei\u00df Albumin oder die Zahl der Blutpl\u00e4ttchen, die Thrombozyten, erniedrigt sind.<\/p>\n<h2>Besser vertr\u00e4gliche Arzneimittel<\/h2>\n<p>Besser vertr\u00e4gliche Substanzen werden in naher Zukunft f\u00fcr die Behandlung zur Verf\u00fcgung stehen. Vielleicht wird auf Interferone verzichtet werden k\u00f6nnen. Eine Reihe von neuen Arzneien wurde bereits mit vielversprechendem Erfolg getestet, so Substanzen aus der Klasse der Nukleosid-Polymerasen-Hemmer, der nicht-Nukleosid-Polymerasen-Hemmer und der Hemmstoffe des f\u00fcr die Virusvermehrung unerl\u00e4sslichen Proteins NS5B. Nicht zuletzt deutsche Leberforscher waren daran beteiligt. So haben Wissenschaftler um den Leberspezialisten Stefan Zeuzem vom Uniklinikum Frankfurt am Main erst vor wenigen Wochen \u00fcber die erfolgreiche Behandlung mit zwei neuen Arzneistoffen berichtet (\u201eNew England Journal of Medicine\u201c, Bd. 369, S. 630). Die Kombination aus Faldabrevir und Daclatasvir erweis sich als gut vertr\u00e4glich. Die Patienten brauchten auch kein Interferon injizieren. Eine Interferon-freie Therapie scheint m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Leber\u00e4rzte werden schon in kurzer Zeit die Namen einer Vielzahl neuer Arzneistoffe lernen m\u00fcssen, hie\u00dft es in N\u00fcrnberg. Mit den ersten Zulassungen der Aufsichtsbeh\u00f6rden sei Anfang des n\u00e4chsten Jahres zu rechnen. Wer dar\u00fcber hinaus seiner Leber Gutes tun will, soll eine gute Tasse Kaffee trinken, meinten die Experten. Studien haben den g\u00fcnstigen Einfluss auf die Lebergesundheit belegt. Viren kann die Kaffeebohne allerdings nicht austreiben.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/leberforschung-keine-spur-von-exotik-bei-leberleiden-12618030.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/leberforschung-keine-spur-von-exotik-bei-leberleiden-12618030.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leberexperten diskutieren neue Daten: Hepatitis-E-Infektionen sind viel h\u00e4ufiger als gedacht. Die \u00dcbertragung erfolgt durch Tierkontakt. 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