{"id":17904,"date":"2013-09-21T14:13:36","date_gmt":"2013-09-21T14:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=17904"},"modified":"2013-09-21T14:13:36","modified_gmt":"2013-09-21T14:13:36","slug":"was-einen-rekordlaufer-ausmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=17904","title":{"rendered":"Was einen Rekordl\u00e4ufer  ausmacht"},"content":{"rendered":"<p>Biegsames R\u00fcckgrat und schlanke Beine: Das Bewegungswunder Gepard jagt damit sogar bei Mondschein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Raubtiere auf der Jagd nach Beute m\u00fcssen sportliche H\u00f6chstleistungen liefern. Doch was hei\u00dft das f\u00fcr ihren kleinsten Vertreter, das Mauswiesel, oder f\u00fcr die Gro\u00dfen, die Afrikas Steppengebiete bev\u00f6lkern wie L\u00f6we, Leopard, Gepard oder Windhund? Drei Forschergruppen haben nun das Jagdverhalten der Raubtiere n\u00e4her untersucht und dabei \u00fcberraschende Beobachtungen machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass Wildhunde und Geparde etwa gerne bei Mondschein jagen, haben Wissenschaftler um Gabriele Cozzi von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich und Femke Broekhuis von der Oxford University bei einem Forschungsaufenthalt in Botswana herausgefunden (\u201cEcology\u201c, Bd. 93, S. 2590). Diese flinken, aber eher grazil gebauten Raubtiere galten bisher als haupts\u00e4chlich tagaktiv. Nach g\u00e4ngiger Ansicht sollten sie die Dunkelheit strikt meiden, um st\u00e4rkeren Konkurrenten nicht in die Quere zu kommen. Im Okavango-Delta zum Beispiel, einem einzigartigen Mosaik aus Sumpf und Steppe n\u00f6rdlich der Kalahari, leben Wildhunde und Geparde in enger Nachbarschaft mit L\u00f6wen und Gefleckten Hy\u00e4nen. Alle vier haben es dort auf ein \u00e4hnliches Sortiment von Beutetieren abgesehen.<\/p>\n<h2>Den Tag zur Nacht gemacht<\/h2>\n<p>Um den verschiedenartigen Raubtieren rund um die Uhr auf der Spur bleiben zu k\u00f6nnen, best\u00fcckten die Forscher jeweils einige mit kleinen Sendern und Bewegungssensoren. Diese lieferten bis zu zwanzig Monate lang kontinuierlich Informationen \u00fcber ihre Tr\u00e4ger und erg\u00e4nzten so die unmittelbaren Beobachtungen. Dass L\u00f6wen und Hy\u00e4nen vor allem nachts auf die Pirsch gehen, best\u00e4tigte sich. Die L\u00f6wen suchen sich tags\u00fcber ein schattiges Pl\u00e4tzchen, um ausgiebig auszuruhen. Hy\u00e4nen verkriechen sich in ihren Bau, der auch als Kinderstube dient. Wildhund und Gepard sind dagegen auch noch lange nach Sonnenaufgang aktiv. Selbst in der Mittagshitze, wenn sich L\u00f6wen und Hy\u00e4nen nicht aus der Reserve locken lassen, stellen sie bisweilen ihrer Beute nach. Ob sie sich daf\u00fcr in der Nacht Ruhe g\u00f6nnen, kommt auf die Mondphase an. Wenn der Mond kaum Licht ins Dunkel bringt, \u00fcberlassen Wildhund und Gepard das Terrain tats\u00e4chlich den L\u00f6wen und Hy\u00e4nen. Bei hellem Mondschein werden sie jedoch munter. Etwa 40 Prozent der t\u00e4glichen Aktivit\u00e4t verlagern sich dann auf die Nachtstunden.<\/p>\n<p><strong>Die unleidliche Konkurrenz<\/strong><\/p>\n<p>Sich unbemerkt anzuschleichen ist nachts zweifellos einfacher als am helllichten Tag. Allerdings sind Wildhund und Gepard auf halbwegs gute Sicht angewiesen, denn bei der Jagd setzen sie auf Schnelligkeit. Wildhunde hetzen ihre Beutetiere mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechzig Kilometern pro Stunde. Geparde k\u00f6nnen sogar auf mehr als hundert Kilometer pro Stunde beschleunigen. Dabei gilt es, die F\u00fc\u00dfe pr\u00e4zise zu plazieren, um fatale Fehltritte zu vermeiden. Dass in Vollmondn\u00e4chten auch L\u00f6wen und Hy\u00e4nen unterwegs sind, m\u00fcssen die flinken J\u00e4ger in Kauf nehmen. Stets auf der Hut, gehen sie den gef\u00e4hrlichen Nachbarn weitr\u00e4umig aus dem Weg.<\/p>\n<p>        \t                        \t<!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Der Wildhund ist ein geborener Langstreckenl\u00e4ufer. Der Gepard versucht dagegen, seine Beute m\u00f6glichst schnell einzuholen. Zuverl\u00e4ssige Messungen in freier Wildbahn ergaben, dass er in knapp sieben Sekunden zweihundert Meter zur\u00fccklegen kann. F\u00fcr diese Strecke braucht selbst ein Usain Bolt mehr als 19 Sekunden. Vierbeiner bleiben ebenfalls weit abgeschlagen hinter dem schnellsten S\u00e4ugetier zur\u00fcck. Und das, obwohl sich Hundez\u00fcchter gro\u00dfe M\u00fche gegeben haben, Windhunden wie den Greyhounds die Statur eines Gepards zu verleihen. Warum die eleganten Raubkatzen trotzdem viel flinker sind, haben Perry Hudson, Sandra Corr und Alan Wilson von der University of London versucht herauszufinden (\u201cThe Journal of Experimental Biology\u201c, Bd. 215, S. 2425).<\/p>\n<h2>Windhunde hecheln hinterher<\/h2>\n<p>Sie lie\u00dfen Geparde aus dem Zoo und Greyhounds, die vor kurzem noch Rennen bestritten hatten, \u00fcber Kraftplattformen sprinten. Um die Probanden auf Trab zu bringen, wurde ein verlockender Happen Huhn maschinell \u00fcber die Laufbahn gezogen. Zun\u00e4chst fiel auf, dass beide L\u00e4ufer ihr K\u00f6rpergewicht mit zunehmender Geschwindigkeit mehr und mehr auf die Hinterbeine verlagerten. Die Belastung der Vorderbeine \u00e4nderte sich kaum, w\u00e4hrend die Hinterbeine zunehmend gr\u00f6\u00dfere Sto\u00dfkr\u00e4fte auffangen mussten. Allerdings st\u00fctzen sich die Geparde stets weniger auf ihre Vorderbeine als die Windhunde. Schlie\u00dflich m\u00fcssen sie jederzeit mit einer Tatze nach der Beute schlagen k\u00f6nnen, ohne dabei aus dem Tritt zu kommen. Hunde packen ihr Opfer dagegen mit den Z\u00e4hnen, w\u00e4hrend die Pfoten f\u00fcr sicheren Stand sorgen.<\/p>\n<h2>Der perfekte Laufstil<\/h2>\n<p>Die wettkampferprobten Greyhounds legten bis zu 19 Meter pro Sekunde zur\u00fcck, wie von den Besten dieser Hunderasse zu erwarten. Zur Entt\u00e4uschung von Hudson und Corr liefen die Geparde nicht ganz so schnell. Wahrscheinlich war das Lauftraining zwar eine willkommene Abwechslung f\u00fcr sie, aber doch kein Grund, sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig ins Zeug zu legen. Geparde, die seit Generationen im Zoo leben, sind wohl weniger versiert und motiviert als ihre Verwandten, die in der afrikanischen Steppe Beutetieren hinterherjagen. Dennoch geben sie Hinweise darauf, was solche Raubkatzen f\u00fcr Spitzenleistungen pr\u00e4destiniert: Dank langer Beine und einem besonders biegsamen R\u00fcckgrat k\u00f6nnen sie mit einer geringen Schrittfrequenz auskommen. Bei einer Geschwindigkeit von 32 Kilometer pro Stunde &#8211; f\u00fcr Geparde ein gem\u00e4chliches Tempo &#8211; machen sie im Durchschnitt nur zwei Schritte pro Sekunde. Wenn Windhunde ebenso schnell rannten, waren sie durchschnittlich schon bei 3,5 Schritten pro Sekunde angelangt. H\u00f6her wurde die Schrittfrequenz der Greyhounds auch dann nicht, wenn sie ihre Geschwindigkeit verdoppelten. Die Geparde steigerten sich bei diesem Tempo dagegen auf durchschnittlich drei Schritte pro Sekunde, zwischendurch waren es auch mal vier. Mit schnelleren und l\u00e4ngeren Schritten h\u00e4tten die wohlgen\u00e4hrten Zootiere durchaus noch einen Gang zulegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Der Kleinste unter den J\u00e4gern<\/strong><\/p>\n<p>In einer ganz anderen Liga spielt das Mauswiesel, das kleinste aller Raubtiere. Wieselflink zu sein hat seinen Preis. Ob in Bewegung oder ruhend, Mauswiesel m\u00fcssen mehr Stoffwechselenergie aufbringen als bei S\u00e4ugetieren ihrer Gr\u00f6\u00dfenordnung sonst \u00fcblich. Das haben Wissenschaftler um Mark A. Chappell von der University of California in Riverside k\u00fcrzlich herausgefunden. Seit Jahren studieren sie in der Umgebung des St\u00e4dtchens Bialowieza &#8211; bekannt durch den gleichnamigen Nationalpark &#8211; freilebende Mauswiesel. Um ihre Forschungsobjekte nach Belieben orten zu k\u00f6nnen, best\u00fcckten sie einige mit Sendern. Andere wurden zeitweilig im Labor einquartiert. Dort lie\u00df sich in entsprechend konstruierten Laufr\u00e4dern der Sauerstoffbedarf messen.<\/p>\n<h2>Meister im Energie sparen<\/h2>\n<p>Selbst wenn die Mauswiesel keinen Fu\u00df vor den anderen setzten, ben\u00f6tigten sie etwa doppelt so viel Sauerstoff wie andere S\u00e4ugetiere (\u201cThe Journal of Experimental Biology\u201c, Bd. 216, S. 578). Kein Wunder, denn auffallend lang und schlank, verlieren sie \u00fcber ihre relativ gro\u00dfe Oberfl\u00e4che mehr K\u00f6rperw\u00e4rme als kompakter gebaute Tiere. Zumal sie sich, um m\u00fchelos in jedes Mauseloch schl\u00fcpfen zu k\u00f6nnen, keine isolierende Fettschicht zulegen d\u00fcrfen. Mauswiesel m\u00fcssen deshalb auch in Ruhephasen au\u00dfergew\u00f6hnlich viel Sauerstoff dazu verwenden, Stoffwechselenergie in W\u00e4rme umzuwandeln.<\/p>\n<p>Bei Bedarf k\u00f6nnen sie ihre Atmung trotzdem um das Neunfache steigern, so wie andere kleine S\u00e4ugetiere auch. Ihr Bewegungsdrang h\u00e4lt sich allerdings in Grenzen. Die mit Sendern ausgestatteten Mauswiesel streiften pro Tag durchschnittlich nur etwa zwei Kilometer umher. Artgenossen, die in ein Laufrad gesperrt wurden, legten ungef\u00e4hr dieselbe Strecke zur\u00fcck. Dagegen laufen M\u00e4use und andere kleine Nagetiere oft mehrfach so weit und lassen sich auch viel leichter zum Losrennen animieren. Anscheinend k\u00f6nnen die Mauswiesel ihren hohen Energieumsatz durch eine besonders effiziente Jagdtechnik kompensieren.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/die-welt-der-raubtiere-was-einen-rekordlaeufer-ausmacht-12577294.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/die-welt-der-raubtiere-was-einen-rekordlaeufer-ausmacht-12577294.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biegsames R\u00fcckgrat und schlanke Beine: Das Bewegungswunder Gepard jagt damit sogar bei Mondschein.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[447,429],"tags":[5348,448,449,450],"class_list":["post-17904","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-natur","category-wissen","tag-afrika","tag-botswana","tag-oxford-university","tag-universitat-zurich"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17904\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}