{"id":17902,"date":"2013-09-30T14:13:36","date_gmt":"2013-09-30T14:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=17902"},"modified":"2013-09-30T14:13:36","modified_gmt":"2013-09-30T14:13:36","slug":"feuer-am-rande-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=17902","title":{"rendered":"Feuer am Rande der Welt"},"content":{"rendered":"<p>Aus einem Lagerfeuer wurde im August in Kalifornien ein riesiger Waldbrand. Es wird Jahrzehnte dauern, bis der Yosemite-Nationalpark sich davon erholt hat. Eine Ortsbegehung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Brian Anderluh kann es noch immer nicht fassen. Bis auf weniger als 50 Meter sei der Waldbrand seinem Hotel nahegekommen. Riesige Kiefern standen als glei\u00dfende Fackeln lodernd in Flammen. Die Feuerwehrleute h\u00e4tten das Wasser aus dem Schwimmbecken gepumpt und auf die D\u00e4cher der H\u00fctten der weitl\u00e4ufigen Hotelanlage gespritzt. Immer wieder mussten seine Mitarbeiter mit Schaufeln und Decken kleine, durch Funkenflug entstandene Nebenbr\u00e4nde l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Wer heute zur Evergreen Lodge, einem 90 Jahre alten rustikalen Hotel am Rande des Yosemite-Nationalparks in Kalifornien, will, muss durch eine tote Landschaft fahren. An manchen Stellen sieht man nur noch schwarz-braunen Boden. Das Schwarz ist die Farbe von Holzkohle zu der die B\u00e4ume im Feuer zerfielen, dunkelbraun wurde die Erde, nachdem alle brennbaren Stoffe im Humus bei Temperaturen von mehr als 100 Grad vergl\u00fchten. Anderswo recken sich nur noch die schwarz verkohlten St\u00e4mme in den blauen kalifornischen Himmel. Die \u00c4ste, die Bl\u00e4tter, das Unterholz wurden ein Raub der Flammen.<\/p>\n<p>Soweit das Auge reicht sieht man von den vielen Kurven entlang der einspurigen Stra\u00dfe zum Hotel keinen gr\u00fcnen Fleck mehr. Alles Chlorofyll, was zusammen mit dem Sonnenlicht den Pflanzen ihre Energie gab, ist verkocht. Lediglich die Evergreen Lodge \u00fcberstand jenen verheerenden Waldbrand unversehrt, der mehr als drei Wochen lang im Vorgebirge der Sierra Nevada gew\u00fctet hatte. Anderluh wird den Einsatz der Feuerwehrleute nie vergessen. Ohne sie g\u00e4be es sein historisches Hotel, das er vor 20 Jahren mit zwei Partnern gekauft und gr\u00fcndlich renoviert hatte, nicht mehr. Aber f\u00fcr die Urlauber, die noch Anfang August vom Hotel aus durch tiefgr\u00fcne W\u00e4lder in den Park wandern und in klaren Gebirgsb\u00e4chen schwimmen konnten, gibt es jetzt nur noch wenige Anziehungspunkte. Au\u00dfer den Geiern, die wie immer hoch \u00fcber dem Besucher ihre Kreise ziehen, scheint im Moment alles Leben erloschen.<\/p>\n<p>So wie in der Umgebung der Evergreen Lodge sieht es zur Zeit an vielen Stellen des Stanislaus Nationalforsts und im nordwestlichen Teil des Yosemite-Parks aus. Seit Mitte August hat dort das sogenannte Rim Fire gebrannt und sich trotz des Einsatzes von zeitweise mehr als 5000 Feuerwehrleuten zum gr\u00f6\u00dften Waldbrand der Geschichte in diesem Teil Kaliforniens entwickelt. Mehr als 1100 Quadratkilometer Wald- und Buschland \u2013 eine Fl\u00e4che knapp halb so gro\u00df wie das Saarland \u2013 fielen dem Feuer zum Opfer. Dass sich der Brand auf einer derart gro\u00dfen Fl\u00e4che ausdehnen konnte, hat mehrere Gr\u00fcnde. Im vergangenen Winter gab es in Zentralkalifornien weit weniger Niederschlag als im Durchschnitt und seit Mai hatte es \u00fcberhaupt nicht mehr geregnet. Zudem war es in den Monaten Juli und August ungew\u00f6hnlich hei\u00df. Das bisschen Feuchtigkeit, das noch in Wald und Boden zu finden war, verdampfte und schon im August wurden die Bl\u00e4tter vieler Eichen braun und fielen ab.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Diese Trockenheit allein h\u00e4tte jenen J\u00e4ger, der am 17. August im Tal des kleinen Clavey Bachs \u00f6stlich der Gemeinde Groveland auf die Pirsch ging, veranlassen sollen, besonders vorsichtig mit Feuer umzugehen. Obwohl im Sommer jegliche Lagerfeuer in kalifornischen W\u00e4ldern verboten sind, griff der Mann an diesem Tag gegen drei Uhr nachmittags zu Streichh\u00f6lzern und z\u00fcndete einige trockene Zweige an. Kurze Zeit sp\u00e4ter sahen Besucher, die am Aussichtspunkt \u201eRim of the World\u201c (Der Rand der Welt) an der Landstra\u00dfe 120 angehalten hatten, dichte Rauchwolken aus dem Tal aufsteigen. Das Lagerfeuer war au\u00dfer Kontrolle geraten und fand in dem schwer zug\u00e4nglichen Gel\u00e4nde in der N\u00e4he des Tuolumne-Flusses reichlich Nahrung.<\/p>\n<p>Zwar hatte es in fr\u00fcheren Zeiten in dieser Gegend immer wieder Waldbr\u00e4nde gegeben, zuletzt das gro\u00dfe \u201eStanislaus Complex Fire\u201c im Sommer 1987. Doch sowohl in den Staatsforsten Kaliforniens als auch in den gro\u00dfen Nationalparks der Sierra Nevada galt bis vor wenigen Jahren die Regel, jeden Waldbrand so schnell und so gr\u00fcndlich wie m\u00f6glich zu bek\u00e4mpfen. In den vergangenen Jahren sammelte sich in der Folge sehr viel Totholz auf dem Waldboden an, Unterholz und Gestr\u00fcpp konnten nahezu ungehindert wachsen. Gerade das tote Holz und der niedrige dichte Bewuchs sind f\u00fcr einen Waldbrand gefundenes Fressen. Wenn das Unterholz richtig Feuer f\u00e4ngt, lodern die Flammen hoch genug, um das Ge\u00e4st und sogar die Kronen der gro\u00dfen Kiefern und Zedern, die es in diesem Gebiet zu Tausenden gibt, in Brand zu setzen. Weil das in den B\u00e4umen enthaltene Harz und ihr Holz besonders hei\u00df brennen, werden die B\u00e4ume auf diese Weise zu jenen lodernden Fackeln, die Anderluhs Hotel bedrohten. Der von dieser Hitze ausgehende Auftrieb der Luft und die hochreichenden Flammen erzeugen einen lokalen Feuersturm, der den Brand schnell auf benachbarte Baumbest\u00e4nde \u00fcbergreifen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Obwohl den Forstwissenschaftlern mittlerweile klar geworden ist, dass die W\u00e4lder im amerikanischen Westen wegen der \u00fcber Jahrzehnte betriebenen Unterdr\u00fcckung von Waldbr\u00e4nden zu Pulverf\u00e4ssern geworden sind, bleibt den Feuerwehren meist nichts anderes \u00fcbrig, als jeden neuen Brand sofort zu bek\u00e4mpfen. \u201eWir k\u00f6nnen einen Waldbrand nicht einfach sich selbst \u00fcberlassen\u201c, sagt Ken Pimlott, der Leiter der kalifornischen Beh\u00f6rde f\u00fcr Forstwesen und Brandbek\u00e4mpfung. Das Feuer w\u00fcrde dann zwar selbst den Wald von Gestr\u00fcpp und totem Holz reinigen. Weil aber inzwischen in den Waldgebieten viele Wohnh\u00e4user und Gewerbebetriebe stehen, sei das Risiko zu gro\u00df, dass Menschen und ihr Hab und Gut dabei zu Schaden k\u00e4men.<\/p>\n<p>Und selbst wenn die Feuerwehren sich aktiv um die Waldpflege bem\u00fchen, f\u00fchrt das nicht immer zum Erfolg. So war es vor einigen Jahren am Westrand des Yosemite-Nationalparks. In den Eichen- und Kiefernw\u00e4ldern rund um den Ort Foresta hatte sich das Unterholz zu einem undurchdringlichen Dickicht entwickelt. An einem k\u00fchlen, windstillen Tag im August 2009 legten Feuerexperten in einem 36 Hektar gro\u00dfen Baumbestand einen kleinen Brand. Das Feuer sollte das Unterholz verbrennen und damit das Risiko eines gro\u00dfen Waldbrandes verringern. Mitglieder der Parkfeuerwehr hatten das Waldst\u00fcck umstellt, L\u00f6schflugzeuge standen auf nahegelegenen Flugh\u00e4fen bereit. Doch kaum hatte der Brand richtig begonnen, \u00e4nderte sich das Wetter. Der Wind frischte auf, das Thermometer kletterte auf 35 Grad und schon nach einer Stunde geriet der Brand au\u00dfer Kontrolle. In den folgenden 14 Tagen fra\u00df sich das \u201eBig Meadows Fire\u201c durch eine Fl\u00e4che von mehr als 3000 Hektar. Die Ortschaft Foresta blieb tagelang evakuiert und der nordwestliche Eingang zum Yosemite-Park blieb geschlossen. Mit dem Unterholz verbrannten auch alle gro\u00dfen B\u00e4ume in dem Gebiet.<\/p>\n<p>Der Waldbrand wurde damals gel\u00f6scht, bevor er ins Yosemite-Tal \u00fcbergreifen konnte. Nach dem Feuer sah die Landschaft rund um Foresta so aus wie der gro\u00dfe Teil jener Fl\u00e4che durch die sich vor wenigen Wochen das Rim Fire gefressen hatte: verkohlt, schwarz-braun und leblos. Wer aber heute, kurz bevor er das Yosemite-Tal erreicht, von der Landstra\u00dfe 120 auf Foresta blickt, sieht wie sich die Natur in nur vier Jahren das Brandgebiet zur\u00fcckerobert hat. Gr\u00e4ser und Wildblumen bedecken den Boden, einige niedrige B\u00fcsche sind zur\u00fcckgekehrt, und es gibt sogar wieder kleine Kiefern, jede kaum gr\u00f6\u00dfer als ein kleiner Weihnachtsbaum. Wie Mahnmale, die an den Brand erinnern, stehen noch einige der verbrannten Baumst\u00e4mme kahl und schwarz in der Landschaft herum wie ein ungeordneter Trupp von Telegraphenmasten. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sie umfallen und vermodern.<\/p>\n<p>Schon in wenigen Jahren d\u00fcrfte die heute im Rim Fire verbrannte Landschaft 20 Kilometer weiter westlich so \u00e4hnlich aussehen. In etwa 75 Jahren werden sich die Waldgebiete v\u00f6llig erholt haben, sagt Scott Stephens, ein Waldbrandexperte der Universit\u00e4t von Kalifornien in Berkeley. Dann werden die Kiefern und Zedern voll ausgewachsen sein. Wenn nicht zwischendurch das Unterholz in diesen W\u00e4ldern in kleinen Feuern verbrennt, w\u00e4re die Chance wieder sehr gro\u00df, dass abermals ein verheerender Waldbrand die Gegend heimsucht und in wenigen Wochen tausend Quadratkilometer Wald vernichtet.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/yosemite-park-feuer-am-rande-der-welt-12598182.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/yosemite-park-feuer-am-rande-der-welt-12598182.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus einem Lagerfeuer wurde im August in Kalifornien ein riesiger Waldbrand. Es wird Jahrzehnte dauern, bis der Yosemite-Nationalpark sich davon erholt hat. 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