{"id":17900,"date":"2013-10-08T14:13:36","date_gmt":"2013-10-08T14:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=17900"},"modified":"2013-10-08T14:13:36","modified_gmt":"2013-10-08T14:13:36","slug":"fur-uns-ist-der-weinberg-der-held","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=17900","title":{"rendered":"\u201eF\u00fcr uns ist der Weinberg der Held\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Aus Neuseeland kommen interessante Weine. Wir trinken mit dem geb\u00fcrtigen \u00d6sterreicher Rudi Bauer, der sich mit Pinot noirs einen Namen gemacht hat, und seinem Winzerkollegen Michael Herrick Sp\u00e4tburgunder aus Alter und Neuer Welt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\"><strong>Herr Bauer, Sie sind \u00d6sterreicher, leben und arbeiten aber seit 25 Jahren in Neuseeland. Was hat Sie ans andere Ende der Welt verschlagen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Am Anfang hatte ich nur eine Arbeitsgenehmigung f\u00fcr sechs Monate. Aber daraus sind irgendwie 25 Jahre geworden &#8211; wohl auch, weil ich mich nicht nur in das Land, sondern auch in eine wundersch\u00f6ne Frau verliebt habe. Der Rest ist Geschichte.<\/p>\n<p><strong>F\u00fchlen Sie sich inzwischen als Neuseel\u00e4nder?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer: <\/strong>Nein, nein, ich bin \u00d6sterreicher. Daran wird sich nat\u00fcrlich auch nichts \u00e4ndern. Aber meine Frau und meine Kinder, die sind klassische Kiwis.<\/p>\n<p><strong>Neuseeland ist in Deutschland in erster Linie f\u00fcr sein Lammfleisch und als Kulisse f\u00fcr die \u201eHerr der Ringe\u201c-Filme bekannt. Neuseel\u00e4ndische Weine sind noch nicht sehr verbreitet. Was ist das besondere an diesen Tropfen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Ihre Reinheit, ihre Klarheit und der enorm pr\u00e4zise Ausdruck der Rebsorten. Das macht unsere Weine so besonders. Ich habe hier meinen Quartz Reef Bendigo Estate Pinot noir von 2011, mein bester Lagenwein. Probieren Sie, dann wissen Sie, was ich meine.<\/p>\n<p><strong>Hm, viel dunkle Frucht, Kr\u00e4uter und Heu in der Nase und im Mund sehr komplex, voll und fruchtig.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Ja, es ist dieser Ausdruck von s\u00fc\u00dfer Frucht und Gew\u00fcrzen, der den Pinot noirs aus Neuseeland ihren besonderen Charakter verleiht und sie so trinkbar macht. Das gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr alle andere Traubensorten, die wir kultivieren.<\/p>\n<p><strong>Mr. Herrick, was sagen Sie: Was zeichnet die Weine Ihrer Heimat aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Sie alle haben eine intensive Ausstrahlung und eine Lebendigkeit, die typisch f\u00fcr Neuseeland ist. Aber Pinot noir hat dar\u00fcber hinaus die F\u00e4higkeit, dem Land, auf dem er w\u00e4chst, einen Ausdruck zu verleihen, dem Terroir, wenn Sie so wollen. Und Rudis Bendigo Estate spiegelt unsere Region, Central Ortago, perfekt wider.<\/p>\n<p><strong>Wie sind Sie denn auf dieses Gebiet gesto\u00dfen? Vor Ihnen gab es dort doch praktisch keinen Weinbau, nur ein paar Goldsch\u00fcrfer vor 150 Jahren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer: <\/strong>Ach, es war die unglaubliche Sch\u00f6nheit der Landschaft, und irgendwie haben mich als \u00d6sterreicher nat\u00fcrlich auch die Berge angezogen. Au\u00dferdem kommt meine Frau aus der Gegend. Und so habe ich von 1989 bis 1992 meine ersten Weine f\u00fcr Rippon und andere Weing\u00fcter gemacht und dann 1996 Quartz Reef gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>Und wann sind Sie dazu gekommen, Herr Herrick?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Wir haben Mount Difficulty 1992 gegr\u00fcndet und die ersten Reben gepflanzt.<\/p>\n<p><strong>Sie haben bei null angefangen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Ja, die ganze Gegend war praktisch eine kalte W\u00fcste mit sch\u00e4bigen B\u00fcschen und jeder Menge Kaninchen.<\/p>\n<p><strong>Und warum haben Sie ausgerechnet dort Reben gepflanzt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Die Leute dachten, wir sind verr\u00fcckt. Aber f\u00fcr uns wirkte das Land einfach wie die perfekte Umgebung, um temperamentvolle, komplexe Pinot noirs zu keltern. Und wir hatten damit recht. Bei Mount Difficulty experimentieren wir allerdings inzwischen auch mit anderen Sorten: Chardonnay, Riesling, Pinot gris und Chenin blanc. Rudi hat sogar Gr\u00fcnen Veltliner gepflanzt.<\/p>\n<p><strong>Was soll man als \u00d6sterreicher auch sonst tun!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Ja, aber f\u00fcr Merlot, Cabernet Sauvignon oder Syrah ist es bei uns einfach zu trocken und zu kalt.<\/p>\n<p><strong>Diese Rebsorten werden ohnehin kaum angebaut. Laut Statistik w\u00e4chst in Neuseelands Weinbergen zu 75 Prozent Sauvignon blanc und zu zehn Prozent Pinot noir.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Das stimmt, aber im Grunde ist Neuseeland als Weinland au\u00dfergew\u00f6hnlich facettenreich, und es gibt praktisch auch alle anderen Rebsorten. Die beiden Inseln erstrecken sich \u00fcber 2000 Kilometer, und die klimatischen Bedingungen in den verschiedenen Regionen sind so unterschiedlich wie Europa zwischen Innsbruck und Casablanca. Allerdings ist unser Land von Wasser umschlossen und hat dadurch ein in allen Aspekten moderateres Klima als viele Regionen in Europa hat.<\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Alle neuseel\u00e4ndischen Weinbaugebiete liegen mehr oder weniger an der K\u00fcste, nur Central Ortago liegt in der Mitte der S\u00fcdinsel und hat ein kontinentales Klima.<\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Das absolut perfekt f\u00fcr unseren Pinot noir ist.<\/p>\n<p><strong>Damit haben Sie sich f\u00fcr eine Sorte entschieden, die als Diva gilt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Ich w\u00fcrde sagen, es war andersherum: Die Diva hat sich f\u00fcr uns entschieden. Und wenn Sie einen Schluck von unserem Mount Difficulty Long Gully von 2010 nehmen, dann verstehen Sie, was ich meine: Der Wein hat viel Struktur und Tiefe, ist komplex und gro\u00dfz\u00fcgig.<\/p>\n<p><strong>Und doch ein typischer Pinot noir.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Bendigo und Long Gully sind Single-Vineyard-Weine, also Lagenweine, die sehr gut zeigen, wohin unsere Reise gehen soll: hin zu Tropfen, die nicht nur die Region, sondern den einzelnen Weinberg, die Lage repr\u00e4sentieren. Denn f\u00fcr uns ist der Weinberg der Held, nicht der Winzer. Ich w\u00fcrde sagen, 95 Prozent unserer Arbeit dreht sich darum, im Weinberg alles richtig zu machen.<\/p>\n<p><strong>Beide Ihre Weine haben einen Schraubverschluss. Gibt es in Neuseeland keine Korken?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Nicht mehr. Wir haben zu schlimme Erfahrungen gemacht.<\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Rund um die Jahrtausendwende war es eine absolute Katastrophe. Wir haben von den Jahrg\u00e4ngen 1999, 2000 und 2001 bis zu 20 Prozent unserer Produktion durch Korkfehler verloren.<\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Schon bis 2003 haben dann 98 Prozent aller Winzer in Neuseeland auf Schraubverschl\u00fcsse umgestellt, und die Verbraucher haben das sehr schnell akzeptiert.<\/p>\n<p><strong>Das ist auch so, weil Neuseeland ein recht junges Weinland ist, ja?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer: <\/strong>Sicher. Es ist ein klassisches Beispiel daf\u00fcr, dass wir nicht den ganzen Ballast der Tradition mit uns herumschleppen m\u00fcssen und dadurch viel flexibler und schneller sind. Allerdings m\u00fcssen wir auch ehrlich sein und deutlich sagen, dass wir erst am Anfang unserer Reise stehen.<\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Ich denke, wir haben von diesem Status als Newcomer sehr profitiert, weil wir viel experimentieren und ausprobieren konnten und nicht durch alte Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten und Gepflogenheiten eingeschr\u00e4nkt wurden.<\/p>\n<p><strong>Aber als Newcomer muss man sich auch erst einmal auf dem Markt etablieren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Ja, man muss nat\u00fcrlich einen eigenen Weg finden und den dann gewisserma\u00dfen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck freischlagen. Aber das kann sehr aufregend sein. Neuseeland ist ein kleines Land mit nur vier Millionen Einwohnern, wir k\u00f6nnen also unseren Wein gar nicht allein trinken und exportieren deshalb zirka 60 Prozent unserer Produktion, vor allem nach Australien, Gro\u00dfbritannien und Amerika.<\/p>\n<p><strong>Das trifft sich gut. Ich habe hier einen Wein aus Kalifornien: Arroyo Seco Pinot noir 2009 von Scott Familiy Estate. Wie finden Sie den?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Der hat eine enorme W\u00e4rme, was wahrscheinlich auch mit dem hohen Alkoholgehalt von 15 Prozent zu tun hat.<\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Ja, er hat eine tolle Nase und ist am Gaumen sehr saftig und voll. Sehr attraktiv. Ein klassischer Kalifornier, ein guter Pinot.<\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Und er w\u00e4re noch besser, wenn er ein bisschen k\u00fchler w\u00e4re. Pinot Noir ist n\u00e4mlich extrem sensibel in Sachen Temperatur.<\/p>\n<p><strong>Welche ist ideal?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Kellertemperatur, 14 bis 16 Grad.<\/p>\n<p><strong>Herr Bauer, Sie kommen eigentlich aus der Alten Welt. . .<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer: <\/strong>Ja, und ich bin nicht der einzige europ\u00e4ische Weinmacher in Neuseeland. Es gibt einen enormen Wissensaustausch, und das ist l\u00e4ngst keine Einbahnstra\u00dfe mehr. Die Zeiten, in denen die europ\u00e4ischen Winzer Angst vor den Kiwis hatten und dachten, sie wollten ihnen irgendetwas wegnehmen, die sind vorbei.<\/p>\n<p><strong>Vielleicht sollten wir dann mal eine Flasche aus der Alten Welt \u00f6ffnen. Ich habe einen Bourgogne Pinot noir 2011 von Beno\u00eet Ente mitgebracht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Oh, dieser Wein verk\u00f6rpert mit seiner Fruchtigkeit eher einen Neue-Welt-Ansatz als die klassische Burgunder-Philosophie. Er ist modern und spricht das gleiche Publikum an wie unsere Weine.<\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Ja, aber er ist wirklich nicht mein Fall. Wobei man ihm zugestehen muss, dass er kein Lagenwein ist, sondern ein einfacher Burgunder.<\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Vielleicht kann man es so beschreiben: In Neuseeland wollen wir klare, reine, makellose Weine machen, w\u00e4hrend Tropfen wie dieser voller Macken sind. Aber nicht im Sinne von Fehlern. Es ist vielmehr das Alte-Welt-Verst\u00e4ndnis von einem gro\u00dfen Wein mit Charakter. Wir dagegen wollen puren, sauberen Geschmack.<\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Inzwischen gibt es bei uns in Neuseeland allerdings Winzer, die ihre Weine bewusst mit solchen Macken ausstatten, um ihnen Charakter und ein bisschen mehr Funk zu verleihen.<\/p>\n<p><strong>Dann bin ich aber mal gespannt, was Sie zu diesem Wein von der Ahr sagen: Sp\u00e4tburgunder JS 2009 von Jean Stodden. Hat der auch Macken?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herrick:<\/strong> Oh, ein k\u00f6stlicher Wein mit gro\u00dfer Balance und sch\u00f6ner Aromatik, sehr elegant.<\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Ja, ein sehr ausgewogener Tropfen. Kein Wunder, dass man die Ahr auch als das Burgund Deutschlands bezeichnet. Dieser Winzer wei\u00df, wie man mit der Diva umgeht. Und der Wein hat sicher viel Reifepotential.<\/p>\n<p><strong>Haben das Ihre Weine auch?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Aus meiner Sicht ist Pinot noir aus der Neuen Welt am besten trinkbar im Alter zwischen sechs und neun Jahren. In diesem Alter hat er immer noch viel Prim\u00e4rfrucht, beginnt aber langsam seine Reifeentwicklung. Sicher kann man diese Tropfen auch l\u00e4nger liegen lassen, aber der Trend geht meiner Meinung nach weg von uralten Weinen, auch im Burgund und sogar im Bordeaux.<\/p>\n<p><strong>Herrick: <\/strong>Die meisten Leute haben doch auch gar keinen anst\u00e4ndigen Keller, um solche Weine zu lagern. Sie trinken die meisten Tropfen deshalb in den ersten ein oder zwei Jahren. Und da haben unsere Weine einen riesigen Vorteil: Sie sind von Anfang an sehr zug\u00e4nglich und m\u00fcssen nicht reifen, um trinkbar zu werden.<\/p>\n<p><strong>Herr Bauer, Sie machen inzwischen auch Schaumweine.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer:<\/strong> Ja, zwei Cuv\u00e9es aus Pinot noir und Chardonnay und einen Ros\u00e9 aus Pinot noir in traditioneller Flascheng\u00e4rung. Wollen wir ein Schl\u00fcckchen nehmen?<\/p>\n<p><strong>\u00c4hm, k\u00f6nnen wir uns das vielleicht f\u00fcr unser n\u00e4chstes Treffen aufsparen? Nach den f\u00fcnf Pinots mangelt es mir, ehrlich gesagt, ein wenig an Konzentration.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bauer: <\/strong>Abgemacht. Wir sehen uns in Neuseeland.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/weine-aus-neuseeland-fuer-uns-ist-der-weinberg-der-held-12605251.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/weine-aus-neuseeland-fuer-uns-ist-der-weinberg-der-held-12605251.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Neuseeland kommen interessante Weine. 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