{"id":17882,"date":"2013-10-04T14:13:31","date_gmt":"2013-10-04T14:13:31","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=17882"},"modified":"2013-10-04T14:13:31","modified_gmt":"2013-10-04T14:13:31","slug":"rebensaft-fur-rabbiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=17882","title":{"rendered":"Rebensaft f\u00fcr Rabbiner"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr israelische Weing\u00fcter produzieren koscheren Wein, obwohl ihre Besitzer keine orthodoxen Juden sind. Die K\u00e4ufer dieser Weine leben meist im Ausland.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Am besten lassen Sie die H\u00e4nde in Ihren Hosentaschen\u201c, scherzt Elad Katz. Die Rebst\u00f6cke an dem sanften Abhang oberhalb des Weingutes sind l\u00e4ngst gelesen. W\u00e4hrend der Ernte musste der junge Kellermeister seine Finger von den Trauben lassen. Auch die Fermentiertanks aus Edelstahl und die 500 Eichenholzf\u00e4sser, die im Keller stehen, darf er nicht einmal ber\u00fchren, sobald sie gef\u00fcllt sind. Das \u201eCastel\u201c-Weingut in den jud\u00e4ischen Bergen westlich von Jerusalem produziert koscheren Wein. Das bedeutet, dass nur orthodoxe Juden die Trauben ernten und in Wein verwandeln d\u00fcrfen: Wer den Schabbat nicht heiligt und die j\u00fcdischen Gebote nicht einh\u00e4lt, hat auf dem Weinberg und im Keller nichts verloren. Sonst gibt es nicht den Stempel und das Zertifikat eines Rabbiners, der best\u00e4tigt, dass gl\u00e4ubige Juden den Wein der \u201eDomaine du Castel\u201c bedenkenlos trinken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Weingut, das nach einer Kreuzritterburg in der N\u00e4he benannt ist, gilt als eines der besten in Israel- seine Weine werden \u00fcberall auf der Welt getrunken. Doch dem Gr\u00fcnder Eli Ben Zaken blieb vor zehn Jahren nichts anderes \u00fcbrig, als seinen Betrieb den strengen Regeln der Rabbiner zu unterstellen. Dabei sind der Winzer und seine wichtigsten Mitarbeiter gar nicht religi\u00f6s. Aber Zaken kann auf die Kunden in Israel und in der j\u00fcdischen Diaspora nicht verzichten, die auf das \u201eKP\u201c auf den Etiketten der Flaschen Wert legen. \u201eKP\u201c bedeutet \u201eKoscher le Pessach\u201c und zeigt an, dass der Wein den h\u00f6chsten Anspr\u00fcchen gen\u00fcgt. Er darf deshalb auch am j\u00fcdischen Pessachfest getrunken werden.<\/p>\n<h2>Nur fromme M\u00e4nner d\u00fcrfen die Trauben ernten<\/h2>\n<p>Auf dem Weingut von Castel musste Zaken deshalb fromme M\u00e4nner einstellen, die eine Kippa auf dem Kopf tragen. Nur sie d\u00fcrfen die Trauben lesen, pressen und in Wein verwandeln. Frauen darf er nicht besch\u00e4ftigen. Der Weingutbesitzer Zaken wie auch sein Kellermeister Katz m\u00fcssen danebenstehen und k\u00f6nnen nur Anweisungen geben. Zudem d\u00fcrfen sie dem Wein keine nichtkoscheren Zusatzstoffe beif\u00fcgen- alle sieben Jahre m\u00fcssen die Weinberge zudem ein Sabbatjahr einlegen.<\/p>\n<p>Dem Wein hat das nicht geschadet. Seit 2008 gibt der Weinkritiker Robert Parker den drei besten Castel-Weinen mehr als 90 Punkte. Sie seien \u201eterrific\u201c, schw\u00e4rmt der Amerikaner. Der \u201eCastel Grand Vin\u201c war der erste israelische Wein, dem Hugh Johnson, der britische Herausgeber des wichtigsten Weinf\u00fchrers, vier Sterne verlieh. Er besteht aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot, Cabernet Franc und Malbec. Bis zu 24 Monaten reift er in franz\u00f6sischen Eichenholzf\u00e4ssern. Trotzdem ist er nicht schwer, sondern hat eine leichte Fruchtigkeit. Der franz\u00f6sische Einfluss ist zu schmecken- nach Frankreich exportiert Zaken auch einen gro\u00dfen Teil seiner Weine &#8211; bis zu 40 Prozent gehen ins Ausland- auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon bei ihm bestellt.<\/p>\n<p>In Israel selbst war der in der \u00e4gyptischen Hafenstadt Alexandria geborene Winzer ein Pionier im besten zionistischen Sinn. Eli Ben Zaken tr\u00e4umte immer davon, eines Tages als Bauer das Heilige Land zu bearbeiten. In Ramat Raziel pflanzte der Autodidakt zwischen seinem Wohnhaus und dem H\u00fchnerstall im Jahr 1988 die ersten Rebst\u00f6cke. Vergeblich hatte er damals nach einem guten Wein f\u00fcr sein italienisches Restaurant in Jerusalem gesucht und sich am Ende darangemacht, es selbst zu probieren. Die ersten Versuche waren so vielversprechend, dass er das Lokal aufgab und im H\u00fchnerstall die erste Weinpresse aufstellte. Heute produzieren er und seine beiden S\u00f6hne mehr als 100 000 Flaschen im Jahr und leben gut davon.<\/p>\n<p>In den Bergen rund um Jerusalem, deren Abh\u00e4nge sich von \u00fcber 900 Meter bis hinunter in die K\u00fcstenebene erstrecken, ereignet sich seit dem Ende der neunziger Jahre eine kleine Weinrevolution. Vor fast 2000 Jahren hatten auf den H\u00fcgeln Juden schon einmal Wein angebaut, der auch f\u00fcr die Opfer im Tempel von Jerusalem verwendet wurde. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die ersten Zionisten wieder damit, Rebst\u00f6cke zu pflanzen. Lange Zeit hatte dann koscherer Wein aus Israel mit dem Ruf zu k\u00e4mpfen, er sei ungenie\u00dfbar s\u00fc\u00df. Das traf vor allem auf die Weine zu, die zu rituellen Zwecken am Schabbat und an den hohen Feiertagen verwendet werden.<\/p>\n<h2>Der Wein k\u00f6nnte auch aus der Toskana kommen<\/h2>\n<p>Noch vor wenigen Jahren dominierten drei Gro\u00dfproduzenten &#8211; Carmel, Barkan und Golan &#8211; den israelischen Markt. Die Eroberung der syrischen Golanh\u00f6hen im Jahr 1967 hatte dem israelischen Weinbau neuen Schub verliehen: Auf dem Vulkangestein wachsen Trauben besonders gut. Mittlerweile machen den drei Gro\u00dfg\u00fctern aus dem Norden mehr als 200 neue \u201eBoutique\u201c-Weing\u00fcter Konkurrenz.<\/p>\n<p>Israel Flam hat jahrzehntelang in der gro\u00dfen Carmel-Kellerei gearbeitet und seinen S\u00f6hnen die Begeisterung f\u00fcr den Wein vererbt. Der 69 Jahre alte Winzer studierte als erster Israeli an der Universit\u00e4t von Kalifornien Weinbau. Sein Sohn Golan ging zum Studium nach Italien und sammelte danach erste Erfahrungen in der Toskana. Trotzdem war der Vater erst skeptisch, als seine S\u00f6hne Golan und Gilad im Jahr 1998 am Rand des Kedoschim-Waldes in den jud\u00e4ischen Bergen ihr eigenes Weingut er\u00f6ffneten. Heute ist das Flam-Weingut ein Familienbetrieb, in dem auch der Vater mitarbeitet. Den Weinen ist anzumerken, wo Golan Flam sein Winzerhandwerk gelernt hat: \u201eClassico\u201c hei\u00dft einer der Rotweine. Er ist voll im Geschmack, dabei nicht zu schwer und k\u00f6nnte aus der Toskana kommen. Am Cabernet Sauvignon, dessen Trauben aus den Weinbergen von Obergalil\u00e4a stammen, fallen die Fruchtaromen auf. Robert Parker hat einem dieser Weine schon einmal 90 Punkte gegeben.<\/p>\n<h2>Die Israelis trinken lieber Bier<\/h2>\n<p>\u201eDie israelische Nachfrage ist leider nicht mit der Qualit\u00e4t gewachsen, auch wenn Weinkarten in den Tel Aviver Restaurants einen anderen Eindruck erwecken\u201c, sagt Golan Flam. In Israel bezeichnet man Tel Aviv gerne als eine \u201eBlase\u201c, die mit dem Rest des Landes wenig gemeinsam hat, wo die Israelis lieber Bier trinken. \u201eFranzosen und Europ\u00e4er trinken zehnmal so viel Alkohol. In ganz Israel werden 50 000 Tonnen Trauben im Jahr geerntet. Diese Menge schaffen in der Toskana f\u00fcnf D\u00f6rfer\u201c, sagt Israel Flam.<\/p>\n<p>Deshalb kann auch Flam nicht ohne den Export \u00fcberleben, von dem ein gro\u00dfer Teil nach Amerika geht. Dort sind mehr als f\u00fcnf Millionen Juden zu Hause, viele von ihnen sind religi\u00f6s. So wurde auch das Weingut Flam vor drei Jahren koscher, und die s\u00e4kulare Winzerfamilie musste orthodoxe Arbeiter einstellen. \u201eWenn ein Weingut eine bestimmte Gr\u00f6\u00dfe erreicht, ist es nicht mehr so wichtig, dass der Winzer die Trauben selbst in die Presse schaufelt. Es ist besser, dass er mehr Zeit zum Analysieren und Experimentieren hat\u201c, meint Israel Flam.<\/p>\n<p>Auf der Fahrt vom Flam-Weingut in Richtung K\u00fcste werden die H\u00fcgel sanfter. Rebst\u00f6cke wachsen neben Olivenb\u00e4umen. \u201eDie kleine Provence im Herzen der jud\u00e4ischen Berge\u201c &#8211; so lautet der Werbeslogan des \u201eMony\u201c-Weingutes unterhalb des Klosters von Deir Rafat. Die Familie Artul verkauft dort nicht nur Wein, sondern auch Oliven\u00f6l und K\u00e4se. Der Wein reift in Holzf\u00e4ssern in langen Kellern, die zum Teil noch die M\u00f6nche des Klosters vor Jahrhunderten in den Fels gehauen haben.<\/p>\n<p>\u00dcber die F\u00e4sser wacht Sam Soroka. Schakib Artul, der Gr\u00fcnder von Mony, ist stolz darauf, dass er Soroka, den geb\u00fcrtigen Kanadier, von der Carmel-Kellerei abgeworben hat. Es ist wichtig, sich zu profilieren, denn auch Mony muss exportieren, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Soroka setzte schon erste Akzente- das ist wichtig, um den Export am Laufen zu halten &#8211; beispielsweise mit dem frischen und fruchtigen \u201eMony Colombard\u201c. Diese Traube hat in Israel bisher wenig Verbreitung gefunden. Das ist nicht die einzige Neuerung bei Mony, dessen Eigent\u00fcmer arabische Christen sind. Seit 2005 ist der Betrieb koscher. Es ist das einzige arabische Weingut, das sich den Regeln der Rabbiner unterwirft. \u201eAnders geht das nicht mehr\u201c, meint Schakib Artul.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/weinanbau-in-israel-rebensaft-fuer-rabbiner-12595873.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/essen-trinken\/weinanbau-in-israel-rebensaft-fuer-rabbiner-12595873.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr israelische Weing\u00fcter produzieren koscheren Wein, obwohl ihre Besitzer keine orthodoxen Juden sind. Die K\u00e4ufer dieser Weine leben meist im Ausland.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[395,379],"tags":[5347,402,403,404,405,406],"class_list":["post-17882","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-essen-trinken","category-lebensstil","tag-amerika","tag-ernte","tag-israel","tag-jerusalem","tag-toskana","tag-weingut"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17882\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}