Amerika in der Corona-Krise: So übel ist Trump nicht

Published 03/05/2020 in Wirtschaft

Amerika in der Corona-Krise: So übel ist Trump nicht
Der amerikanische Präsident Donald Trump

Wer die Welt durch die Brille der „New York Times“ oder anderer amerikanischer Qualitätsmedien sieht, der bemerkt zwei exponierte Figuren im globalen Kampf gegen die Pandemie. Die eine, Donald Trump, gibt den Versager: dumm, ignorant und pompös. Die andere, Angela Merkel, ist die Erfolgreiche: klug, bescheiden und effizient. Die Zuschreibungen werden zu zweifelhaften Narrativen entwickelt. Merkels Besonnenheit wird zum Grund stilisiert, dass Deutschland so erfolgreich ist. Trumps Ignoranz dagegen hat in dieser Deutung dem Virus die Pforte geöffnet für sein tödliches Wirken. Die Welt der zugespitzten Darstellungen lässt wenig Raum für Nuancen und keinen Platz für einen der wichtigsten Einflussfaktoren auf Zeitläufte: das plumpe Glück.

Niemand kann zum Ergebnis kommen, dass Trump sich als Krisenmanager bewährt. Doch die kritischen Medien übertreiben: Nein, Trump hat nicht die Masseninjektion von Chlorbleiche empfohlen. Er hat bescheuert dahergeredet über die durchaus faszinierende Wirkung von UV-Licht und Bleichmitteln auf die Viren im Freien. Trump wird auch seine Unterstützung für Chloroquin, ein altes Anti-Malaria-Mittel, als Therapie gegen die Krankheit als unverantwortlich angekreidet. Dabei gibt es Hinweise, dass das Mittel erfolgreich sein könnte, bei bekannten Nebenwirkungen. War es nicht einen Versuch wert im Kampf gegen eine tödliche Krankheit? Statt guter Gründe suggeriert die „New York Times“ private finanzielle Motive. Kein Zweifel: Alles Böse wird Trump zugetraut.

Freisprechen kann man Trump nicht

Den Beweis, dass Trump für Berliner Beamte vorgesehene Schutzmasken nach Amerika umdirigiert hat, ist die Berliner Stadtregierung schuldig geblieben. Hat Trump heimlich die deutsche Impfstoff-Firma Curevac übernehmen und deren Impfstoffe exklusiv für Amerika reservieren wollen? Die Firma dementiert. Das Pentagon hat übrigens einen großen Teil ihrer Forschung finanziert.

Von schweren Verfehlungen freisprechen kann man Trump nicht. Er hat die Pandemie verharmlost und damit lebenswichtige Zeit vergeudet. Die Beschaffung medizinischer Güter hätte eine höhere Dringlichkeit bekommen, wenn er ihr mehr Nachdruck verliehen hätte. Den Mangel an Tests redet Trump bis heute klein. Er blieb aber nicht tatenlos. Amerika testet inzwischen mehr Leute als jedes andere Land. Die Zulassung von hoffnungsvollen Therapien hat sich dramatisch beschleunigt. Zum fairen Bild gehört auch, dass Trump früh die Einreise aus China und später aus Europa beschränkt hat, was das Virus gebremst haben dürfte. Von den kritischen Medien erntete er dafür Kritik – bis EU-Länder selbst dichtmachten.

Die Bewährungsprobe kommt noch

Steht Deutschland wirklich so viel besser da, weil Angela Merkel das Land so brillant durch die Krise führt, wie die amerikanische Presse suggeriert? Merkels Rhetorik ist angenehm unkriegerisch. Es spricht die nüchterne Politikerin, die mit dem Wissenschafts-Prozess vertraut ist. Sie weiß, wovon sie spricht, weil unter ihrer Führung die G-7-Länder nach der Ebola-Krise neue Pandemie-Konzepte erarbeiteten. Gemessen daran ist das deutsche Gesundheitswesen ziemlich unvorbereitet in die Krise gestolpert. Zahlreiche Ärzte, Schwestern und Altenpfleger erfüllten ihre Pflicht ohne Schutzkleidung. In manchem Seniorenheim herrschen schlimme Zustände.

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