Amazon, Apple & Co.: Tech-Giganten trotzen der Krise

Published 06/05/2020 in Digitec, Wirtschaft

Amazon, Apple & Co.: Tech-Giganten trotzen der Krise
Jeff Bezos

Apple müsste man sein. Nach einem Blick auf die jüngsten Geschäftsergebnisse des Elektronikkonzerns wäre es verständlich, auf einen solchen neidvollen Gedanken zu kommen. Gewiss, Apple ist von der Corona-Krise keineswegs unberührt. iPhones verkaufen sich schlechter, in China hat das Virus nicht nur die Umsätze gebremst, sondern auch die überwiegend dort ansässigen Produktionskapazitäten schwer beeinträchtigt. Aber der Konzern ist in einer phänomenalen finanziellen Verfassung. Er hat trotz aller Widrigkeiten einen zweistelligen Milliardengewinn ausgewiesen und verfügt über ein Liquiditätspolster von fast 200 Milliarden Dollar. Und wie um zu demonstrieren, dass er vor Kraft strotzt, stockte er sein Aktienrückkaufprogramm um 50 Milliarden Dollar auf.

Apple ist nicht allein. Auch andere amerikanische Technologiegiganten wie Microsoft, Amazon.com, Facebook und die Google-Holding Alphabet stehen in diesen unsicheren Zeiten bemerkenswert robust da. Microsoft berichtete, unter dem Strich habe die Pandemie bislang „minimale Auswirkungen“ auf den Umsatz gehabt, Geschäfte wie „Cloud Computing“ hätten sogar profitiert. Amazon schaffte nicht nur in seiner Cloud-Sparte Rekordzahlen, sondern gilt im Kerngeschäft als Online-Händler ohnehin als Gewinner in der Krise. Facebook und Google leiden zwar unter einem Wegfall von Werbekunden, bleiben aber hochprofitabel.

Während sich die Entlassungsmeldungen aus der Unternehmenswelt häufen, sehen sie sich noch immer in der Lage, Personal einzustellen. Googles Mutterkonzern Alphabet leistet sich weiterhin einen ganzen Bauchladen an verlustreichen Nebenaktivitäten auf Gebieten wie dem autonomen Fahren und scheint an dieser Struktur auch inmitten der gegenwärtigen Erschütterungen nicht zu rütteln.

Anlass zum Misstrauen

Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet und Facebook waren in einer glänzenden Ausgangsposition, als das Coronavirus über die Welt hereinbrach. Ihre Dominanz und Widerstandskraft sind an der Börse abzulesen. Sie sind die fünf amerikanischen Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung und haben sich auch inmitten der Krise deutlich besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Vom kombinierten Börsenwert aller Unternehmen im Index S&P 500 stehen sie für ein Fünftel. Verglichen mit der letzten großen Wirtschaftskrise um das Jahr 2008, haben sich die Machtverhältnisse dramatisch verändert. Damals führte Exxon-Mobil die Liste der teuersten Unternehmen an. Der Ölkonzern ist heute nicht einmal mehr unter den ersten zwanzig und hat gerade seinen ersten Quartalsverlust seit Jahrzehnten gemeldet.

Die Tech-Giganten profitieren nicht nur davon, dass sie auf einem soliden finanziellen Fundament stehen. Gerade diese Krise spielt ihnen in die Hände, da sie die Digitalisierung in den Turbogang bringt. Inmitten erzwungener Isolation haben sich Arbeit, Einkauf oder Kontaktpflege weiter in die Online-Welt verlagert. Die Technologiebranche liefert dafür die Infrastruktur. Es gibt Aufsteiger wie den Videokonferenzspezialisten Zoom, aber es sind vor allem die Großkonzerne, die sich diese Entwicklung zunutze machen können. Sie sind in der Lage, weiter kräftig zu investieren, während kleinere Start-ups, die ihnen sonst vielleicht bedrohlich werden könnten, um die blanke Existenz kämpfen und kaum Investoren finden. Das kann den Etablierten nur helfen, die Konkurrenz auf Abstand zu halten.

Umso wichtiger ist es, das Verhalten der Branchenriesen unvermindert wachsam zu verfolgen. Es könnte die Versuchung bestehen, die Debatten um Macht und Datenschutzpraktiken der großen Konzerne nun in den Hintergrund rücken zu lassen, zumal manche von ihnen derzeit eifrig Reputationsmanagement betreiben. Facebook etwa inszeniert sich als Kämpfer gegen Falschinformationen rund um das Virus und versucht damit, Versäumnisse bei den letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen wettzumachen. Apple und Google arbeiten an einer „Tracing“-Technologie, die helfen soll, die Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen