Grenzschließung der Türkei: Das Virus als gesichtswahrender Ausweg für Erdogan

Published 19/03/2020 in Ausland, Politik

Grenzschließung der Türkei: Das Virus als gesichtswahrender Ausweg für Erdogan
Türkische Sondereinsatzkräfte patrouillieren in einem Schnellboot auf dem Fluss Mariza entlang der griechisch-türkischen Grenze

Die Türkei hat von Donnerstag an alle Landgrenzen mit den Nachbarstaaten für den Personenverkehr geschlossen. Laut einer Anordnung des Innenministeriums seien „vorübergehend“ für die Einreise wie für die Ausreise auch die Grenzübergänge mit Griechenland und Bulgarien geschlossen worden.

Begründet wird Maßnahme mit dem Coronavirus. Das gilt auch für für die zuletzt geschlossenen Grenzübergänge nach Griechenland und Bulgarien, was der Türkei einen gesichtswahrenden Ausweg aus der jüngsten Migrationskrise gibt, die sie am 29. Februar mit der Erklärung ausgelöst hatte, dass die Grenzen nach Europa offen seien. Vor allem am Grenzübergang Pazarkule hatten seither mehrere Tausend irreguläre Migranten versucht, sich teilweise gewaltsam Zutritt nach Griechenland zu verschaffen.

Die Lage in Pazarkule hatte sich bereits in den vergangenen Tagen entspannt. Der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Einwanderung und Integration, Atay Uslu (AKP), hatte nach einem Besuch in Pazarkule am 4. März gesagt, vor dem Grenzzaun hätten sich 5000 Migranten versammelt. Bereits am vergangenen Wochenende hatte eine freiwillige Rückkehr von Migranten nach Istanbul und Ankara begonnen. Migranten, die das Lager bei Pazarkule verlassen haben, schätzen, dass nur noch jeder Vierte weiter an der Grenze sei und darauf hoffe, doch noch nach Griechenland zu kommen.

Viele entschieden sich für die Rückkehr ins Landesinnere

Die Rückkehrer benutzten für ihre Rückfahrten Busse der privaten Fernbuslinien. Der Fahrpreis wurde ihnen erlassen. Vom Regen, der Kälte und der Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens verzweifelt, hatten sie sich für die Rückkehr ins Landesinnere entschieden. Da die verbliebenen Migranten an der Grenze das abgesperrte Lager nicht verlassen dürfen und sie keine Möglichkeit haben, die Akkus ihrer Mobilfunkgeräte aufzuladen, ist eine Kontaktaufnahme mit ihnen nicht mehr möglich.

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