Konkurrenz für Zentralbanken: Nichts ist so diskret wie Bargeld

Published 28/01/2020 in Unternehmen, Wirtschaft

Konkurrenz für Zentralbanken: Nichts ist so diskret wie Bargeld
EZB-Präsidentin Christine Lagarde muss das staatliche Monopol über das Geld verteidigen. Deshalb prüft sie einen digitalen Euro.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seinen Libra-Plänen ist es zu verdanken, dass sich die Notenbanken mit digitalen Geldformen befassen müssen. Sie kämpfen um das staatliche Monopol über das Geld, das sie nicht an Facebook&Co. verlieren wollen. Geld dient als Zahlungsmittel, zur Wertaufbewahrung und zur Wertmessung. Wesentlich sind Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung, also Sparen. Tauschmittel können auch Hosenknöpfe oder Kieselsteine sein, wenn sie Marktteilnehmer akzeptieren.

Schnelle und günstige Überweisungssysteme

Doch zur Wertaufbewahrung scheiden Hosenknöpfe oder Kieselsteine aus. Denn sie können auf Dauer keinen stabilen Gegenwert in Waren oder Dienstleistungen sichern. Der Bedarf an Hosenknöpfen und Kieselsteinen schwankt und damit ihr Tauschwert. Im Vergleich dazu ist das Geld einer vertrauenswürdigen Notenbank stabil. Das gilt auch für Gold, aber die schwierige Teilbarkeit in kleine Einheiten steht der Eignung als Tauschmittel entgegen.

Ob der digitale Euro, den die Europäische Zentralbank (EZB) prüft, wirklich benötigt wird, hängt auch davon ab, wie schnell und verlässlich die neuen Überweisungssysteme arbeiten. Dem Verbraucher dürften schnelle und günstige Überweisungssysteme vorerst reichen. Dagegen rufen Banken und Industrie nach einem von Zentralbanken herausgegebenen Digitalgeld, um im Internet der Dinge (Industrie 4.0) die Wertschöpfungsketten mit automatisierten Zahlungssystemen effizient und rechtlich sicher gestalten zu können.

Inzwischen beschäftigen sich neben der EZB fast alle wichtigen Notenbanken mit digitalem Geld, eine der ersten war die chinesische. Die Notenbanken betreten Neuland. Viele Fragen sind noch offen. Entscheidend ist der Vertrieb: Stellt die EZB den digitalen Euro direkt Unternehmen und Haushalten bereit, umgeht sie die Geschäftsbanken.

Als Bar- oder Buchgeld, in Bits und Bytes: Geld ist Vertrauenssache – erst recht im digitalen Zeitalter. Seit längerem sorgen digitale Vermögenswerte privater Anbieter wie zum Beispiel die auf Computer-Rechnerkapazitäten beruhenden Bitcoin oder die vom Internetkonzern Facebook geplante Digitalwährung Libra für breites Aufsehen.

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