Donald Trump schimpft: „Holzköpfe“ in der amerikanischen Zentralbank

Published 11/09/2019 in Uncategorized

Donald Trump schimpft: „Holzköpfe“ in der amerikanischen Zentralbank
Donald Trump attackiert die Zentralbank schon länger.

Der amerikanische Präsident schlägt wieder zu: Ihn ärgern wachsende Zinsbelastungen. Er macht klar, wer daran aus seiner Sicht schuld ist.

Präsident Donald Trump hat einmal mehr die amerikanische Notenbank und deren Chef Jerome Powell öffentlich scharf angegriffen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verlangte er, die Federal Reserve solle die Leitzinsen auf Null oder sogar niedriger setzen – und verband damit den Wunsch, so die amerikanische Staatsverschuldung einzuhegen. „Wir sollten dann beginnen, unsere Schulden zu refinanzieren.“

Die Zinskosten der Regierung könnten deutlich gesenkt und die Laufzeiten der Kredite verlängert werden, schrieb Trump. Die Vereinigten Staaten sollten stets die niedrigsten Zinsen bezahlen. Allein die Naivität von Jerome Powell und der Federal Reserve verböten Amerika das zu tun, was andere Länder längst praktizierten, befand Trump. Amerika verpasse eine im Leben einmalige Gelegenheit wegen der „Boneheads“ in der Zentralbank – Übersetzungsdienste bieten für „Bonehead“ die deutschen Begriffe Armleuchter, Holzkopf oder Trottel an.

Trump attackierte in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach die Notenbank. Er warf ihr Verschiedenes vor, darunter etwa auch, ihn in seiner Auseinandersetzung mit China nicht genügend zu unterstützen. Einmal wünschte er sich dabei sogar den demnächst ausscheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, an die Spitze der Fed – anstelle Powells.

Der neuerliche Twitter-Ausbruch folgt hingegen wachsenden Sorgen im Weißen Haus über die Abschwächung der Konjunktur, die steigende öffentliche Schuldenlast und das wachsende Haushaltsdefizit. Wie häufig folgen Trumps Twitterattacken einem sorgfältigen Timing: Am Donnerstag veröffentlicht das Finanzministerium die offizielle Haushaltsbilanz und –prognose, die nicht positiv ausfallen dürfte: Nach Berechnung der Rechnungsprüfer des Kongresses wird das Defizit im am 30. September endende Haushaltsjahr 960 Milliarden Dollar betragen, also nur knapp unter der eine-Billion-Dollar-Grenze liegen. Die Prognosen der Prüfer liegen regelmäßig sehr nahe bei den Zahlen des Finanzministeriums.

Trump besorgt dabei offenkundig, dass gerade auch die Zinslast der Bundesregierung in diesem Jahr besonders stark gestiegen ist. Für die ersten elf Monate des Ende September endenden Haushaltsjahres ermittelten die Rechnungsprüfer des Parlaments um 14 Prozent oder um 48 Milliarden Dollar gestiegene Ausgaben für Zinsen.

Sie begründen diese Entwicklung damit, dass die kurzfristigen Zinsen dieses Haushaltsjahr deutlich höher lagen als im vergangenen. Im Juni bezahlte die Bundesregierung im Schnitt 2,576 Prozent Zinsen für ihre Ausleihungen nach 2,492 im Jahr 2018. Außerdem sind die Schulden jetzt größer als vor einem Jahr.

Entspannung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Vom kommenden Jahr an erwarten die Rechnungsprüfer eine jährliches Defizit von 1,2 Billionen Dollar im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2029. Das entspricht etwa 4,7 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung (BIP), während die Schulden sich bis 2029 auf 95 Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen – soviel wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Idee, die Zinskosten durch Umschuldung zu drücken, treibt auch das Finanzministerium in Washington um: Es erwägt die Ausgaben von Anleihen mit 100 Jahren und mit 50 Jahren Laufzeit. Das bestätigte Finanzminister Steven Mnuchin kürzlich in einem Interview.

Die Anleger an den Finanzmärkten zeigen sich derweil noch wenig beindruckt von den steigenden Staatsschulden und wachsenden Haushaltsdefiziten der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Renditen gerade lang laufender Anleihen sind in den vergangenen Monaten merklich gesunken – das deutet darauf hin, dass Investoren diese Titel sogar stärker nachfragen.

Print article

Leave a Reply

Please complete required fields