
Der Berliner Clanchef Arafat Abou-Chaker soll Familienmitglieder angestiftet haben, Anschläge auf die Rapper Bushido, Farid Bang und Kollegah zu verüben. Die Ermittlungsakte der Polizei zeigt aber, wie schwierig die Beweisführung wird.
Für Arafat Abou-Chaker scheint klar zu sein, wer für die jüngsten Vorwürfe gegen ihn verantwortlich ist. Auf Instagram veröffentlichte der Berliner Clanchef den Screenshot eines Artikels der „Bild“-Zeitung mit der Überschrift: „Wollte Abou-Chaker Farid Bang und Kollegah töten lassen?“ In dem Text steht, dass Abou-Chaker Familienmitglieder angehalten haben soll, Anschläge auf die beiden Rapper zu verüben. Deswegen werde gegen ihn wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag ermittelt. Abou-Chaker unterstrich in dem Artikel die Quellenangabe „V-Leute aus der Szene“, von denen Ermittler entsprechende Hinweise bekommen haben sollen, und schrieb: „Wer kann wieder so eine Lüge machen“. Seine Antwort gab er im nächsten Foto. Darauf verlinkte er: Bushido.
Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu dem Bericht. Aber in Ermittlungsakten der Berliner Polizei, die der F.A.Z. vorliegen, heißt es tatsächlich, dass Abou-Chaker und mehreren Familienmitgliedern vorgeworfen wird, Gewalttaten gegen Bushido, dessen Vertrauten Veysel K., Farid Bang und Kollegah angeregt zu haben – auch mit einer scharfen Schusswaffe. Bei Veysel K., Farid Bang und Kollegah soll dabei der Tod in Kauf genommen worden sein. Und bei Bushido? Der sollte, so die Vorwürfe, mit Gewalt dazu bewegt werden, die Geschäftsbeziehung mit Abou-Chaker nicht zu beenden, sondern weiter einen Teil seiner Einkünfte an den Clanchef abzuführen. Deswegen sollen Abou-Chaker und seine Brüder Bushido Anfang 2018 auch in einem Büro eingeschlossen, bedroht und tätlich angegriffen haben. Im März 2018 gab Bushido trotz alledem die Trennung von Abou-Chaker bekannt. Danach eskalierte der Streit. Bushido steht unter Polizeischutz und äußert sich nicht mehr öffentlich.
