Nikes „Plus Size“ Sportmode: Athletisch ist nicht immer dünn

Published 14/06/2019 in Leib & Seele, Stil

Nikes „Plus Size“ Sportmode: Athletisch ist nicht immer dünn
Eine Plus-Size-Schaufensterpuppe, die im Nike-Flagship-Store für Sportbekleidung wirbt.

Eine englische Journalistin kritisiert eine Schaufensterpuppe von Nike, weil diese in „Plus-Size“-Maßen die neue Sportbekleidung präsentierte – und trifft in den sozialen Netzwerken auf wenig Gegenliebe.

Die gängige weibliche Schaufensterpuppe ist nicht nur weit von Durchschnittsgrößen entfernt, sie vermittelt auch ein Bild des menschlichen Körperbaus, das mindestens ungesund ist: die Rippen scheinen größtenteils zu fehlen, die Bäuche bieten wenig Platz für Organe. Dies hat auch eine in Liverpool durchgeführte Studie belegt: Forscher untersuchten 58 Schaufensterpuppen, die alle im „medizinischen Sinne als nicht gesund“ eingestuft werden würden – auch die männlichen Puppen seien „zu muskulös“.

Inzwischen sind mehr Schaufenstern Puppen in „Plus Size“ zu sehen, zum Beispiel bei der Modekette C&A, und auch sogenannte „Curvy Models“ verzeichnen in der Modewelt zunehmend Erfolg. Was im Zuge dieser Veränderung gerne als „Diversity“ bezeichnet wird und zu einem Verkaufsrezept in der Modebranche geworden ist, könnte auch als längst überfällige Abbildung einer pluralen Gesellschaft bezeichnet werden.

Ob die Akzeptanz wirklich so groß für andere Körperbilder geworden ist, lässt eine neu entfachte Diskussion über „Plus Size“ Schaufensterpuppen zumindest in Frage stellen. Für eine britische Journalistin schien eine Grenze überschritten, nachdem der Nike-Flagship-Store in London seine neue Fitnessmode an einem Mannequin präsentierte, das „Plus-Size“-Maßen entspricht. Tanya Gold schrieb im „Sunday Telegraph“, die Puppe sei „immens, gewaltig, gigantisch“ und würde Fettleibigkeit bewerben. Gold wirft Nike außerdem Zynismus vor: „Sie kann nicht rennen. Eher befindet sie sich im Vordiabetes-Stadium und auf dem Weg zur künstlichen Hüfte.“

Diese Bemerkungen wurden nicht nur als Kritik an Nike aufgenommen, sondern auch als Beleidigung gegenüber jenen Frauen, die den Maßen der Puppe entsprechen. In den sozialen Netzwerken meldeten sich zahlreiche Frauen zu Wort, die sich von Golds Kritik betroffen fühlen. Neben der pauschalen Beurteilung, dass das Körpergewicht der Puppe im wahren Leben ungesund sei, suggeriere Gold auch, dass Frauen dieses Gewichts keinen Sport betreiben können, hieß es.

Eine Nutzerin schrieb auf Twitter: „Ich bin eine Athletin mit den Maßen des Mannequins. Ich kann rennen. Ich war so glücklich, als meine Schule einen Vertrag mit Nike machte, weil sie Sportbekleidung haben, die ich im Gegensatz zu anderen Firmen tragen kann.“ In einem anderen Tweet wies eine Nutzerin darauf hin, dass Frauen einer ständigen Beurteilung ihres Körpers ausgesetzt seien – egal ob zu dünn oder zu dick, nie werde etwas als „gesund“ bezeichnet.

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