DJ aus dem All: Völlig losgelöst von der Erde

Published 08/06/2019 in Gesellschaft, Menschen

DJ aus dem All: Völlig losgelöst von der Erde
Der Astronaut und ISIS-Kommandant Luca Parmitano lässt sich von DJ Le Shuuk (bürgerlich Chris Stritzel) in ein DJ-Pult einweisen.

Galaktische Musik: Im August soll von der Internationalen Raumstation erstmals ein DJ-Set gestreamt werden. Verkündet wird die Neuigkeit beim Auftakt des World Club Dome Festivals.

Gott ist ein DJ, behauptet ein Hit der britischen Band Faithless, und wenn dem so ist, bespielt Gott seinen Himmelsclub bis jetzt exklusiv. Am 13. oder 14. August dieses Jahres wird es mit dieser Exklusivität allerdings vorbei sein. Dann soll erstmals ein DJ aus dem Weltall Musik auf die Erde schicken, genauer gesagt auf ein vor Ibiza liegendes Kreuzfahrtschiff, das in jenen Augusttagen als Partyschiff dient. Das etwa 20 Minuten dauernde DJ-Set wird dabei von der Internationalen Raumstation (ISS) gestreamt. Der Mann an den Reglern, der auch in Filmaufnahmen zu sehen sein wird, soll der Kommandant der ISS-Expedition 61 selbst sein, der 42 Jahre alte italienische Testpilot und Astronaut Luca Parmitano.

Verkündet wird Parmitanos ungewöhnliche Mission am späten Freitagabend im Frankfurter Waldstadion bei der Eröffnung des World Club Dome, eines dreitägigen Festivals für elektronische Musik, das in diesem Jahr im Gedenken an die Mondlandung vor 50 Jahren unter dem Motto „Space“ steht. Zu diesem Zweck ist das Fußballstadion im Stil einer Raumstation dekoriert worden, auf der Hauptbühne steht sogar der detailgetreue Nachbau einer Ariane-5-Trägerrakete. Für Authentizität soll am Freitagabend der Auftritt der Astronauten Matthias Maurer und André Kuipers sorgen, die beide für die European Space Agency (Esa) im Einsatz sind.

Der Zusammenarbeit der Festivalveranstalter Carina und Bernd Breiter mit der Esa ist auch Parmitanos galaktisches DJ-Set zu verdanken. Bernd Breiter hatte die Raumfahrtbehörde schon vor Jahren auf der Suche nach außergewöhnlichen Orten für seine Musikveranstaltungen kontaktiert und war tatsächlich auf Interesse gestoßen. Weil gemeinsame Aktionen wie etwa ein Club in der Schwerelosigkeit nicht zuletzt in den sozialen Medien Aufsehen erregten, gilt die Kooperation mit der Esa nun als geeignetes Marketinginstrument, um ein großes Publikum für die Raumfahrt und ihre Arbeit zu interessieren.

Ihre Astronauten zu DJs auszubilden gehört allerdings noch nicht zum Training vor einer Expedition ins All. Im Fall von Parmitano hat das der Stuttgarter DJ Chris Stritzel unternommen, der unter dem Namen Le Shuuk auftritt. Als Parmitano im Januar in Köln beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt war, um mit dem Columbus-Modul zu üben, wies ihn Stritzel in Aufbau und Funktionsweise eines DJ-Pults ein. Diese Ausrüstung hat allerdings auf der Raumstation keinen Platz, weshalb Parmitano die Software auf einen Tablet-Computer gespielt bekommt, dessen Oberfläche die Regler nachbildet. Für den Mix sorgt der Kommandant dann selbst.

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