
Eine exorbitant teure Gentherapie hat die Diskussion neu entflammt, ob Pharmafirmen Milliardengeschäfte mit seltenen Krankheiten machen dürfen. Mehr Transparenz wird gefordert.
Gerade wurde in den Vereinigten Staaten ein neues Medikament gegen spinale Muskelatrophie zugelassen, eine seltene Erbkrankheit, an der viele Babys innerhalb von zwei Jahren sterben. Auch in Europa könnte Zolgensma bald auf den Markt kommen. Die eilends einberufene Pressekonferenz des Herstellers Novartis hat die Diskussion neu entflammt, ob Pharmafirmen mit der Erforschung seltener Krankheiten Milliardengeschäfte machen dürfen.
Umgerechnet 1,9 Millionen Euro (2,1 Millionen Dollar) kostet Zolgensma, damit sprengt man alle bisherigen Preise für Medikamente gegen seltene Krankheiten. Kymriah beispielsweise gegen eine bestimmte Form von Kinder-Blutkrebs kostet hierzulande 320.000 Euro, Yescarta gegen Lymphdrüsenkrebs 390.000 Euro, Isotersen gegen die Stoffwechselkrankheit Amyloidose 487.000 Euro. „Pharmafirmen rechtfertigen immer wieder ihre hohen Preise damit, dass die Entwicklung der Medikamente so teuer sei“, sagt Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. „Aus Studien haben wir aber ein ganz anderes Bild. Dass sich die Pharmaindustrie zunehmend an seltenen Krankheiten bereichert, muss endlich ein Ende finden.“
