Exklusive Umfrage: Warum die Deutschen E-Autos nicht mögen

Published 13/05/2019 in Auto & Verkehr, Wirtschaft

Exklusive Umfrage: Warum die Deutschen E-Autos nicht mögen
Im April wurden nur 4768 reine E-Autos neu zugelassen, das entspricht einem Marktanteil von 1,5 Prozent. Auch das „Model 3“, der Hoffnungsträger von Tesla, kommt auf gerade einmal 514 Stück.

Wer E-Autos glorifiziert, argumentiert an den Wünschen der Käufer vorbei. In Umfragen schneiden die Fahrzeuge dramatisch schlecht ab.

Der Fortschritt ist eine Schnecke. Das gilt nicht nur für den Berliner Flughafen, den Breitbandausbau und die katholische Kirche, es trifft auch auf den politisch ersehnten Wechsel zum E-Auto zu. Ein nüchterner Blick auf die jüngste Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes erdet die hochfliegenden Pläne. Demnach sind im April 310.715 Personenkraftwagen neu zugelassen worden, doch nur 4768 Stück davon fahren rein batteriebetrieben. Damit ist nicht einmal jeder sechzigste neu zugelassene Wagen ein reines E-Auto.

Entsprechend mickrig sind die Zulassungszahlen der einzelnen Modelle: Spitzenreiter Renault kommt mit seinem Zoe gerade einmal auf 939 zugelassene Autos, Tesla mit seinem Hoffnungsträger „Model 3“ auf 514 Stück, der viel beworbene Audi E-Tron auf 174 Exemplare. Volkswagen erreicht mit allen Modellen zusammen lediglich 643 zugelassene reine E-Autos. Die Schlüsselübergabe für diese Fahrzeuge könnte VW-Chef Herbert Diess im Alleingang stemmen. Er hätte dann für jeden Kunden 15 Minuten Zeit – und am Wochenende frei.

Etwas besser verkaufen sich Hybridfahrzeuge, die außer einem Elektromotor für die kurzen Distanzen auch einen Verbrenner für längere Strecken mitschleppen. Aber auch hier haben lediglich 16.814 Wagen einen Abnehmer gefunden. Die Steigerungsraten sehen im Vergleich zum Vorjahr mit jeweils etwa 50 Prozent zwar beachtlich aus, bei so niedrigen Ausgangswerten ist das statistisch aber keine Kunst. Außerdem hilft die Bundesregierung mit kräftigen Subventionen nach: Wer ein reines E-Auto kauft, erhält 4000 Euro „Umweltbonus“ geschenkt, für ein Hybridfahrzeuge gibt es 3000 Euro. Doch trotz dieser hohen Zuschüsse, trotz der Debatte um CO2-Steuern und teuren PR-Offensiven der Autohersteller liegt der Marktanteil an E-Autos und Hybridfahrzeugen zusammengenommen knapp unter 7 Prozent. Unter 93 von 100 neuen Motorhauben brummt nach wie vor ein Benzin- oder Dieselmotor.

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Preis und Reichweite sind entscheidend

Woran liegt das? Was stört die Kunden an den E-Autos? Die Antwort darauf gibt eine Umfrage der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners, die der F.A.S. exklusiv vorliegt. Sie ist repräsentativ für deutsche Privatkunden, die ein Auto gekauft oder geleast haben und dieses regelmäßig fahren. Die Studie definiert das als „mindestens ein Mal alle zwei Wochen“.

Bittet man diese regelmäßigen Fahrer darum, insgesamt 100 Punkte auf alle Merkmale zu verteilen, die ihnen bei einem Elektroauto wichtig sind, so zeigt sich, dass der Preis, die Reichweite und die Ladeinfrastruktur die entscheidenden Kriterien sind:

Doch gerade in diesen entscheidenden Kriterien versagen E-Autos aus Sicht der Kunden. Nur 16 Prozent der Befragten sehen die derzeitigen Preise für ein E-Auto positiv, nicht mal jeder zehnte findet, dass es genug Ladesäulen gibt, und nur knapp jeder fünfte ist mit den aktuellen Ladezyklen und der Reichweite der Modelle zufrieden. Die absolute Mehrheit der Befragten beurteilt alle diese Kern-Kriterien negativ:

Hohe Zustimmungswerte gibt es lediglich für das Design der Autos und für ihre Leistung – doch auf diese Kriterien kommt es den meisten nicht an, sie liegen in der Priorität weit hinten. Die hohe Preissensibilität der Kunden erklärt, warum nur jeder Fünfte dazu bereit ist, für ein umweltschonendes Fahrzeug mehr zu bezahlen als für ein konventionelles. „Beim Preis können die Hersteller aber fast nichts machen“, sagt Autofachmann Antoine Weill von Simon, Kucher & Partners. E-Autos würden heute mit fast keinem Euro Gewinn verkauft. „Wenn ein Hersteller mehr Marge machen will, muss er mehr Benziner oder Diesel verkaufen“, sagt er. Auch das Problem der zu langen Ladezeiten lässt sich Weill zufolge vorerst kaum lösen: „Viele Kunden sind rational und wollen keine halbe Stunde warten, bis ihr Auto aufgeladen ist.“

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Zu einem nahezu deckungsgleichen Ergebnis kommt auch eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die vor ein paar Tagen in Berlin vorgestellt wurde. Demnach geht die Mehrheit der Bevölkerung zwar davon aus, dass die Bedeutung der Elektromobilität in den nächsten Jahren zunehmen wird. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die EU-Kommission, das Europaparlament und die Mitgliedstaaten jüngst sehr strenge CO2-Vorgaben beschlossen haben. So gut wie alle Fachleute sind sich einig, dass die Hersteller sie nur einhalten können, wenn sie viele E-Autos verkaufen und so ihren Flottenausstoß senken. Andernfalls drohen hohe Strafzahlungen.

Den Kunden ist das derzeit aber egal. Die klare Mehrheit der Befragten schließt für sich persönlich den Kauf eines elektrisch angetriebenen Pkw für die nächsten Jahre aus. Nur jeder Fünfte ist grundsätzlich offen für den Erwerb. Und genau wie in der Umfrage der Unternehmensberatung monieren die Deutschen auch in der Allensbach-Umfrage den Preis, die Reichweite, die unzureichende Infrastruktur und die langen Ladezeiten. 74 Prozent der Befragten halten die Anschaffungskosten für zu hoch, 66 Prozent die Reichweite für zu gering. 60 Prozent klagen über zu wenige Ladestationen und 54 Prozent über zu lange Ladezeiten.

Interessant ist übrigens auch, wie die Befragten zu autonomen Autos stehen, in denen der Mensch während der Fahrt nicht mehr eingreifen muss. Der Automobilstudie zufolge erklären sich lediglich 28 Prozent der deutschen Privatkunden bereit, ein solches Auto zu kaufen, 40 Prozent lehnen das explizit ab. Hauptgrund dürfte mangelndes Zutrauen in die Technik sein: Nur jeder vierte Befragte erklärt, „dieser Art von Fahrzeug zu vertrauen“. Und genau wie bei den E-Autos schließen die Kunden auch bei den autonomen Fahrzeugen ihre Geldbeutel. 42 Prozent sagen „das sind Luxusautos, die ich mir nicht leisten kann“, nur jeder vierte sieht es anders.

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