Familie

Kindeswohl in Deutschland: Fast 40.000 Kinder gelten als gefährdet

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Vereinsamung, Hunger oder Gewalt: Zehntausende Kinder leiden in Deutschland unter ihren Eltern

Zehntausende Kinder werden in Deutschland missbraucht, vernachlässigt und misshandelt. Die Zahlen bleiben konstant, doch offenbar wird die Gesellschaft sensibler: Immer häufiger gehen bei Jugendämtern Hinweise ein.

Sie werden geschlagen, müssen hungern und werden eingesperrt – manche Kinder zahlen den Hass, die Überforderung und die Gleichgültigkeit ihrer Eltern sogar mit dem Leben. 2013 führten die Jugendämtern in knapp 116.000 Fällen Überprüfungen in Familien auf Kindeswohlgefährdung durch, 38.000 Kinder und Jugendliche gelten demnach als gefährdet: Bei rund 17.000 Kindern stellten die Behörden eine akute Gefährdung fest, bei 21 .000 Minderjährigen erkannten die Jugendämter eine latente Gefahr. Die Zahlen hätten sich zum Vorjahr nicht verändert, teilte das Statistische Bundesamt mit. Mädchen und Jungen sind der Statistik zufolge gleich stark gefährdet.

Zwei von drei gefährdeten Kindern werden von ihren Eltern vernachlässigt. Bei jedem vierten stellten die Behörden Anzeichen psychischer Misshandlungen oder körperlicher Gewalt fest, bei fünf Prozent sexuelle Gewalt (Mehrfachnennungen waren möglich). Die Mehrheit der überprüften Kinder waren jünger als zehn Jahre, jedes vierte Kind unter drei Jahre alt.

6500 Inobhutnahmen

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, wurden knapp 6500 Kinder aus ihren Familien heraus und von den Behörden in Obhut genommen. In den Fällen, in denen keine Kindergefährdung vorlag, leisteten Behörden bei jeder zweiten Familie Unterstützung, etwa mit Beratungsangeboten und Erziehungshilfen.

Obwohl sich die Anzahl gefährdeter Fälle zu 2012 kaum verändert hat, ist die Sensibilität für das Thema offenbar gewachsen. Die Anzahl der Überprüfungsverfahren zur Einschätzung des Kindeswohls ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent gestiegen. Am häufigsten machten Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft die Jugendämter auf eine mögliche Gefährdung aufmerksam. Knapp jeder vierte Hinweis kam von Bekannten, Nachbarn, Schulen oder Kindertageseinrichtungen. Jeder zehnte Fall wurde anonym gemeldet. Jugendämter müssen Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung nachgehen, seit 2012 werden diese statistisch erfasst.