Neue Taxis in Japan: Harotakushi!

Published 01/07/2018 in Motor, Technik & Motor

Neue Taxis in Japan: Harotakushi!
JPN-Taxi: Das neue Fahrzeug von Toyota im Straßenbild Japans.

Die Taxis in Tokio gehören so langsam zum alten Eisen. Mit einem neuen Modell will der Automobilhersteller Toyota Tokios Straßenbild……

Nirgends sehen die Taxen so altmodisch aus wie in Tokio. Denn seit über 20 Jahren gehören die Straßen in Shibuya oder Akihabara den kantigen Limousinen Toyota Crown und Nissan Cedric, die zwar bis weit in dieses Jahrtausend hinein produziert worden sind, im Styling aber irgendwie in den Achtzigern hängengeblieben sind. Und die Lackierung in den Farben der Pril-Blumen sowie die schneeweißen Häkeldeckchen auf Sitzen und Kopfstützen lassen sie auch nicht moderner erscheinen.

Doch langsam werden die fabrikneuen Oldtimer von Nissan und Toyota ausgemustert, und wer jetzt mit „Harotakushi“ ein Taxi ruft, steigt immer öfter in ein neues Modell, das wegen seiner universalen Bedeutung der Einfachheit halber gleich auf „JPN-Taxi“ getauft wurde. Gemeinsam entwickelt von Toyota und den großen Taxifirmen im Land, soll es spätestens bis zu den Olympischen Spielen im Sommer 2020 das Straßenbild der Hauptstadt prägen und das Gros der Retro-Limousinen ersetzt haben.

Von außen erinnert der Fünfsitzer dabei mit seiner kurzen Haube, dem hohen Dach und dem steilen Heck ein bisschen an das legendäre London Cab, räumt Projektleiter Hiroshi Kayukawa ein. Nur dass sein Entwurf den Kühlergrill des Crown zitiert und anders als das London Cab nicht „black“ ist, sondern in der vielleicht japanischsten aller Farben angeboten wird: einem tiefen, fast schwarzen Indigo Blau, wie es seit Jahrhunderten die traditionellen Kimonos ziert.

Die Parallelen kommen nicht von ungefähr, sagt der Projektleiter: Genau wie beim Original ging es ihm auch beim JPN-Taxi um größtmögliche Ergonomie und maximalen Raum auf minimaler Fläche und um die japanische Willkommenskultur: „Omotenashi“, jene offenherzige und gastfreundliche Art bei der ersten Begegnung ist deshalb ein Begriff, denn er gern benutzt, wenn der Chief Engineer zum Beispiel die breiten, natürlich elektrischen Schiebetüren oder den flachen Boden beschreibt, der von keinem Mitteltunnel unterbrochen wird. Anders als im altehrwürdigen Crown kann man im JPN-Taxi nicht nur die Beine ausstrecken, sondern auch menschenwürdig ein- und aussteigen. Selbst eine ausfahrbare Rollstuhlrampe hat er im Wagenboden untergebracht und den Zuschnitt des Kofferraums mit seinen eher mageren 401 Liter so optimiert, dass zwei große Hartschalen oder vier Golfbags hineinpassen.

Während die Passagiere neue Freiheiten genießen, müssen sich Fahrer wie Kenichiro Morioka auch weiter bescheiden. Zwar hat er eine bessere Aus- und Übersicht, erst recht mit den weit nach vorn auf die Haube gerückten Spiegeln. Und obwohl das Taxi gleich breit ist, kommt er in den engen Gassen dank der deutlich gestutzten Länge leichter voran. Doch Beinfreiheit ist Mangelware in der ersten Reihe, und so gut die Ergonomie mit dem hoch gesetzten Navigationsbildschirm, dem Taxameter und dem digitalen Cockpit auch sein mag, so billig und einfach wirkt der Kunststoff. Aber ein Taxi soll ja nicht schön sein, sondern robust, redet sich der Mittvierziger ein und trauert ein bisschen dem Luxus im legendären Crown hinterher. Immerhin sitzt er pro Schicht 20 Stunden am Stück im Auto, bevor er einen ganzen Tag frei hat. Aber was dem Interieur an Noblesse fehlt, macht Morioka mit seinem Stil wieder wett. Denn wie alle Taxifahrer in Tokio trägt er Krawatte, einen dunklen Anzug – und natürlich blütenweiße Handschuhe.

Weil der Job hinter dem Lenkrad Arbeit ist und kein Vergnügen, ist es auch mit der Freude am Fahren nicht so weit her. Wie auch, wenn Toyota für den dunkelblauen Riesen den, wie bei allen Japan-Taxen üblich, auf Flüssiggas umgerüsteten Antrieb des letzten Prius übernimmt: Ein 74 PS starker Verbrenner, ein nicht näher spezifizierter Elektromotor und eine Pufferbatterie mit Nickelmetallhydrid-Technik müssen reichen, um das Trum auf Touren zu bringen. Doch Morioka mag sich nicht beklagen. Denn erstens ist der Wagen, der auf eine Reichweite von 450 Kilometer kommt, viel sparsamer als die alten Modelle und spült seinen Chefs bei der Taxigesellschaft Nihon-Kotsu mehr Geld in die Kasse. Zweitens darf man bis auf einen kleinen Neubauabschnitt der Autobahn mit einem Tempolimit von 110 km/h nirgends im Land mehr als 100 fahren, und drittens sind die Straßen in der Stadt die meiste Zeit so dicht, dass das Team kaum mehr als gehobenes Schritttempo erreicht. Und da freut er sich eher am Elektromotor, der zumindest ein paar hundert Meter elektrischer Schleichfahrt erlaubt und für eine himmlische Ruhe sorgt in seinem Taxi.

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