Nike hat ein Problem: Sport, Lifestyle, Sexismus

Published 29/04/2018 in Unternehmen, Wirtschaft

Nike hat ein Problem: Sport, Lifestyle, Sexismus
Sportschuhe von Nike sind gerade angesagt, nicht nur unter Basketballspielern.

Nike hat in den vergangen Wochen mehrere Topmanager wegen sexueller Belästigung entlassen. Jetzt packen Dutzende Angestellte des Sportartikel-Herstellers aus.

„Gleichberechtigung ist kein Spiel. Aber sie zu erreichen, wird der größte Sieg sein. Deshalb sind wir verpflichtet, für den Wandel zu kämpfen, bis wir alle gewinnen.“ Diese Sätze sind Teil einer groß angelegten Werbekampagne des Sportartikelherstellers Nike aus dem vergangenen Jahr. Für manche Frauen innerhalb des Unternehmens ist die Arbeit aber offenbar die Hölle.

Die „New York Times“ hat in einer groß angelegten Recherche mit mehr als 50 aktuellen und ehemaligen Angestellten gesprochen, die über sexuelle Belästigung berichten. „Ich habe irgendwann realisiert, dass ich als Frau in dem Unternehmen keine Karriere machen kann“, sagt eine. Eine andere berichtet, auf sie seien Autoschlüssel geworfen und jemand habe sie eine „dumme Schlampe“ genannt. Mitarbeiterbesprechungen endeten in Stripclubs, ein Vorgesetzter machte in einer E-Mail Anspielungen auf die Brüste seiner Mitarbeiterin. „Viele meiner Kolleginnen und ich haben eine Kultur erlebt, die unbequem war, gestört, bedrohlich, unfair, Männer bevorteilend und sexistisch“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. „Ich hatte gehofft, dass sich etwas ändern wird, das uns wieder in Nike glauben lässt.“

Nike ist mit einem Umsatz von 36 Milliarden Dollar der größte Sportartikelhersteller der Welt und beschäftigt 74.000 Mitarbeiter, davon ist knapp die Hälfte weiblich. Aber: Je höher in der Hierarchie, desto geringer wird der Anteil an Frauen. Das trifft auf die überwältigende Mehrheit an Unternehmen zu, auch auf Nike. 38 Prozent der „Direktoren“ sind weiblich und nur 29 Prozent der höherrangigen „Vizepräsidenten“.

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Einer Gruppe Angestellte in der Zentrale im amerikanischen Beaverton reichte es irgendwann. Dem Bericht zufolge starteten sie unter ihren Kolleginnen eine interne Umfrage, ob sie schon einmal sexuelle Belästigung oder Diskriminierung erlebt hätten. Die gesammelten Fragebögen seien Nike-Chef Mark Parker Anfang März vorgelegt worden. Mindestens sechs männliche Topmanager hätten daraufhin gehen müssen – darunter auch Trevor Edwards, der als möglicher Nachfolger Parkers an der Unternehmensspitze gehandelt wurde, sowie Jayme Martin, zuständig für das Auslandsgeschäft. Das Unternehmen habe außerdem verpflichtende Trainings für Manager eingeführt und interne Formen des Berichts überarbeitet.

Eine Sprecherin sagte gegenüber der Zeitung, es handele sich um eine „singuläre Gruppe von Topmanagern, die sich gegenseitig beschützt und weggeguckt haben. Das ist nichts, das wir dulden werden.“ Nike-Chef Parker schrieb: „Es hat mich geschmerzt zu hören, dass es Bereiche unserer Firma gibt, in denen Verhaltensweisen nicht mit unseren Werten übereingestimmt haben, und dass diese manche Angestellte davon abgehalten haben, sich respektiert zu fühlen und ihr Bestes bei der Arbeit zu geben.“

Schon im vergangenen Jahr löste laut Bericht eine Marketingkampagne für den „VaporMax“, einen Damenschuh, Aufregung aus. Die britische Sängerin FKA Twigs spielte die Hauptrolle in einem Spot, gedreht wurde in Mexiko City. Vom Schuh sah man wenig, stattdessen mutet der Spot eher wie ein Striptease an. Die Kampagne wurde gestoppt, das Desaster kostete Nike mehrere Millionen Dollar. Die Sprecherin dazu: „Wir verschieben traditionell die Grenzen im Marketing, ebenso in der Produktplatzierung. Wir produzieren viel Material, das später nicht verwendet wird.“

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