Wall Street wettet auf Ölkonzerne

Published 01/04/2017 in Aktien, Finanzen

Wall Street wettet auf Ölkonzerne
Arbeiter auf einem Ölfeld in Texas

Der Einfluss der Energiebranche auf die Regierung Trump hat sich noch nicht ausgezahlt. Doch angesichts der zurückgegangenen Kurse empfehlen zahlreiche Analysten, Aktien von amerikanischen Energiekonzernen zu kaufen.

Die Energiebranche hat einige Fürsprecher in der neuen amerikanischen Regierung. Außenminister Rex Tillerson war vorher Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns Exxon Mobil. Mike Catanzaro, im Nationalen Wirtschaftsrat für Energiefragen zuständig, war davor Lobbyist für den Branchenverband der petrochemischen Industrie und vertrat zudem die Interessen einzelner Ölproduzenten in Washington. Und der New Yorker Hedgefondsmanager Carl Icahn, der Präsident Donald Trump informell in Regulierungsfragen berät, ist an einer Energiefirma beteiligt, die direkt von regulatorischen änderungen profitieren könnte.

An der Entwicklung der Aktienkurse spiegelt sich dieser Einfluss aber bisher nicht wider. Mit Ausnahme von Icahns CVR Energy, einem kleineren Raffinerieunternehmen, hängen die Aktienkurse der Energietitel dem breit gefassten Aktienindex S&P 500 seit der Präsidentschaftswahl im November 2016 hinterher. Das Branchenbarometer S&P 500 Energy liegt nach herben Verlusten in diesem Jahr im Vergleich zum Wahltag nur noch um 3 Prozent im Plus. Der S&P 500 ist im gleichen Zeitraum dagegen um fast 14 Prozent geklettert. Die Ursachen für den Aufschwung der Aktienkurse, der an der Wall Street als „Trump-Rally“ bezeichnet wird, müssten eigentlich auch die Aktien vor Energieunternehmen beflügeln. Trump versprach Steuersenkungen für Unternehmen, Lockerung von Regularien und Investitionen in Infrastruktur, um den wirtschaftlichen Aufschwung zu forcieren.

Der jüngste Bremsklotz für Energieaktien war jedoch der Ölpreis. Terminkontrakte auf die amerikanische Sorte WTI sackten in diesem Jahr um mehr als 10 Prozent ab. Nach einer leichten Erholung in der vergangenen Woche wurden die Kontrakte zuletzt um 50 Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt.

Vermögensverwalter rechnen mit steigenden Ölpreisen

Zahlreiche Analysten an der Wall Street halten Energieaktien angesichts der zurückgegangenen Kurse nun für eine günstige Kaufgelegenheit. „Wir erwarten deutliche Kursgewinne für Energietitel“, schrieb Savita Subramanian, die Aktienmarktstrategin von Bank of America Merrill Lynch ihren Klienten. Die Analysten der Bank rechnen bis Juni mit einem Anstieg der Ölpreise auf 70 Dollar je Barrel. Das ist die Grundlage der Aktienempfehlung von Subramanian.

Auch andere Vermögensverwalter rechnen wegen der im vergangenen Jahr beschlossenen Produktionskürzungen der Opec-Länder sowie der erwarteten zunehmenden Nachfrage aufgrund eines amerikanischen Wirtschaftsaufschwungs mit steigenden Ölpreisen. Rob Bartenstein, der Vorstandschef des Vermögensverwalters Kestra Private Wealth Service, empfiehlt konservativen, langfristig orientierten Anlegern daher den Kauf von Exxon-Mobil-Aktien auf dem aktuell niedrigen Niveau. Es sei eine gute Gelegenheit, einen „Standardwert“ zu erwerben, der seit 34 Jahren die Dividenden erhöht habe, meint Bartenstein.

Der selbständige Vermögensverwalter Louis Navellier (Navellier & Associates) beteiligte sich nach eigenen Angaben zuletzt an unabhängigen, auf Fracking spezialisierten Öl- und Gasproduzenten wie Devon und Pioneer Natural Resources. Diese Fördermethode, bei der Schiefergestein aufgebrochen wird, ist teurer als die traditionelle Methode der Erdölgewinnung. Fracking-Unternehmen machten daher umgehend Verluste, als der Ölpreis im vergangenen Jahr auf zeitweilig unter 30 Dollar abgestürzt war. Für Devon und Pioneer avisiert Navellier für dieses Jahr aber eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Icahn liegt trotz Verlusten im Plus

Der Aktienkurs von CVR Energy, an dem Icahn 82 Prozent der Anteile hält, liegt trotz Verlusten in diesem Jahr seit dem Wahltag um mehr als 50 Prozent im Plus. Die Rolle Icahns, der von Trump beauftragt wurde, als „Sonderberater“ übertriebene Regularien zu minimieren oder abzuschaffen, hat schon eine Debatte um mögliche Interessenkonflikte ausgelöst. Icahn will eine kaum bekannte Richtlinie der Umweltschutzbehörde EPA ändern, die für CVR im vergangenen Jahr Kosten von mehr als 200 Millionen Dollar verursacht hat. Die EPA verlangt von Raffinerieunternehmen, sicherzustellen, dass dem hergestellten Benzin der Biokraftstoff Ethanol beigemischt wird.

Da kleinere Raffinerieunternehmen im Gegensatz zu Großkonzernen wie Exxon keine Tankstellen besitzen, die die Kraftstoffe in der Regel mischen, müssen die Unternehmen eine Art Gutschrift erwerben, um den Auflagen gerecht zu werden. „Sie rauben Raffinerien aus, damit Tankstellenbesitzer Zufallsgewinne machen können“, schimpft Icahn. Er will diese Regel nun ändern und hat nach der Wahl von Trump, den er schon im Wahlkampf unterstützt hatte, einen wesentlich größeren Zugang zur amerikanischen Regierung. Icahn wurde von Trump sogar beauftragt, Kandidaten für die EPA zu prüfen. Den Posten bekam schließlich Scott Pruitt, der ehemalige Generalstaatsanwalt des ölreichen Bundesstaates Oklahoma, der Icahn versichert hatte, dass er die Ethanol-Regelung ebenfalls für „absurd“ hält und sie wenn möglich „umgehend“ ändern würde.

Icahns Pläne stießen aber auf Widerstand anderer einflussreicher Verbände, darunter Vertreter von Ethanolherstellern aus anderen Bundesstaaten. Den Vorwurf eines Interessenkonfliktes weisen Icahn und das Weiße Haus zurück. Das Argument: Icahn sei nicht formell Teil der Regierung. „Er ist einfach ein Bürger, dessen Meinung der Präsident respektiert und mit dem der Präsident ab und an spricht“, sagte ein Sprecherin des Weißen Hauses.

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