So sichern sich Anleger gegen Inflation ab

Published 10/06/2016 in Finanzen, Fonds & Mehr

So sichern sich Anleger gegen Inflation ab
Rohstoffe werden wieder teurer: Der Ölpreis hat sich seit Januar fast verdoppelt.

Viele Rohstoffe sind teurer geworden. Fondsmanager deuten dies als Vorboten einer moderat höheren Inflation. Steigen damit auch die Verbraucherpreise?

Am Donnerstag war sie erst einmal zu Ende, die wochenlange Rally von ol und anderen Rohstoffen. Die Preise gaben wieder etwas nach, ol der Nordseesorte Brent fiel um 0,9 Prozent auf 52,02 Dollar. Gleichwohl vertraten Analysten die Ansicht, die Rohstoffpreise hätten bereits zum Jahresanfang ihre Tiefstände gesehen. Der olpreis beispielsweise hat sich seit Januar fast verdoppelt. Besonders auffällig unter den Metallen ist Zink, dessen Preis zum Jahresbeginn unter 1500 Dollar je Tonnen stand und jetzt bei mehr als 2000 Dollar notiert. Aber auch Kupfer ist in diesem Zeitraum teurer geworden, von etwa 4300 auf 4590 Dollar je Tonne.

Die ersten Fondsmanager deuten das nun als Vorboten einer hoheren Inflation. Auch wenn sie nicht daran glauben, dass nun unmittelbar ein dramatischer Anstieg der Verbraucherpreise bevorsteht – schließlich kämpft die Europäische Zentralbank sogar explizit noch immer mit negativen oder extrem niedrigen Inflationsraten – so konnte doch auch schon eine leicht hohere Inflation zum Jahresende und im nächsten Jahr Auswirkungen haben, die Anleger fur die Strukturierung ihres Portfolios berucksichtigen sollten.

„Wir rechnen damit, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte in Amerika und Europa anzieht“, sagt Stefan Keller, Stratege fur die Asset Allocation bei der Fondsgesellschaft Candriam in Luxemburg. Das Unternehmen verwaltet ein Vermogen von etwa 94,5 Milliarden Euro. ähnlich hatte sich Hans-Jorg Naumer vom Vermogensverwalter Allianz Global Investors geäußert (F.A.Z. vom 28. Mai).

Verfall der Rohstoffpreise

„Ein rein rechnerischer Grund fur das Ansteigen der Inflation ist der Basiseffekt beim olpreis“, sagt Keller. In der ersten Hälfte des Jahres 2015 war der olpreis noch vergleichsweise hoch, deshalb macht sich bei den Inflationszahlen im Augenblick der jungste Anstieg des olpreises uber 50 Dollar noch nicht so stark bemerkbar. In der zweiten Hälfte 2015 ist der olpreis dann erheblich gesunken, so dass dieses Jahr in der zweiten Jahreshälfte die Inflationsrate schon etwas anziehen musste, wenn der olpreis einfach nur das derzeitige Niveau hält – und umso mehr, wenn er sogar noch weiter steigen sollte.

„Rohstoffe insgesamt haben zu Beginn des Jahres ihre Tiefstände bereits gesehen und erleben jetzt eine Rally“, sagt Keller. Ein Hintergrund sei, dass der Verfall der Rohstoffpreise im vorigen Jahr auch mit ängsten zu tun gehabt habe, die Konjunktur in China konnte stärker einbrechen und die Weltwirtschaft mitreißen. „Die Sorgen vor einer Abkuhlung in China waren ubertrieben“, meint Keller. „Das ist ein Grund, warum die Rohstoffpreise jetzt anziehen.“ Ein anderer Grund sei der vergleichsweise schwächere Dollarkurs. Als die Finanzmärkte im vorigen Jahr mit den Ankundigungen von Amerikas Notenbankchefin Janet Yellen fur Zinserhohungen beschäftigt waren, hatte der Dollar zugelegt, im Gegenzug waren die Rohstoffpreise gefallen. Das hing auch damit zusammen, dass Rohstoffe zum Teil in Dollar gehandelt werden und damit in vielen Ländern außerhalb Amerikas teurer werden, wenn der Dollar stärker wird. Die Preise einiger Rohstoffe profitierten zuletzt von der wieder etwas schwächeren amerikanischen Währung. Anfang des Jahres bekam man fur einen Euro nur etwa 1,06 Dollar, inzwischen sind es mehr als 1,13 Dollar – wenn auch weiter mit starken Schwankungen. Je nach Rohstoff spielten auch Kurzungen der Fordermengen fur die Preisentwicklung eine Rolle.

Print article

Leave a Reply

Please complete required fields