Heute kaufe ich mir mal Kinder

Published 11/04/2016 in Familie, Gesellschaft, Gesundheit, Medizin, Mensch & Gene, Menschen, Wissen

Heute kaufe ich mir mal Kinder

Die in Deutschland (noch) verbotene Leihmutterschaft ist ein einziges Minenfeld – ethisch, rechtlich und sogar medizinisch. Von Holm Schneider

Drillinge im Brutkasten, die ohne Körperkontakt mit ihrer Mutter heranwachsen; Klinikpersonal, das der Frau, die sie geboren hat, jede Auskunft über die Kinder verweigert – diese Begleiterscheinungen eines aktuellen Rechtsstreits in Kalifornien sorgen im milliardenschweren globalen Kinderwunsch-Markt für Irritationen.

Melissa Cook war 47, als sie zum zweiten Mal einen Leihmuttervertrag unterschrieb. Die alleinerziehende Mutter von vier eigenen Kindern brauchte Geld. Eine Agentur hatte ihr den Kunden vermittelt: C.M., einen alleinstehenden 50-jährigen Postangestellten aus Georgia, der für die Geburt eines Stammhalters 33 000 US-Dollar zahlen würde. Man wolle Eizellen einer jungen Spenderin in einem Glasschälchen mit seinem Samen befruchten und drei ausgewählte, männliche Embryonen in Cooks Gebärmutter einsetzen, hieß es. Sollte sich mehr als ein Embryo einnisten, bekäme sie 6 000 US-Dollar für jedes weitere geborene Kind. Der Vertrag – aufgesetzt von Rechtsanwalt Robert Walmsley – umfasste 75 Seiten.

Cook, die in Los Angeles (Kalifornien) lebt, traf weder mit C.M. zusammen, noch sprachen sie miteinander. Um die Schwangerschaft vereinbarungsgemäß zustande zu bringen, nahm sie zunächst Kontrazeptiva, gefolgt von täglichen Injektionen eines Hormonsuppressors, der ihren Zyklus mit dem der anonymen Eizellspenderin synchronisierte. Danach erhielt sie spezielle Hormonpräparate. Am 17. August 2015 wurden von Dr. Jeffrey Steinberg am Fertility Institute in Los Angeles drei sechs Tage alte Embryonen in ihre Gebärmutter eingebracht. Verstieß ein solcher Embryotransfer bei einer 47-Jährigen nicht gegen medizinische Standards? Steinberg sah keinen Grund dafür.

In den folgenden Wochen erfuhr Cook, dass ihre Krankenkasse für Komplikationen der Leihmutterschaft nicht aufkommen würde, auch nicht für die Kosten eines Schwangerschaftsdiabetes, eines der häufigsten Probleme bei Schwangerschaften in fortgeschrittenem Alter. Schon im September, so ist in Gerichtsdokumenten zu lesen, habe C.M. mitgeteilt, dass er Cooks wöchentliche Arztbesuche nicht länger finanzieren könne, weil er „kein Geld mehr auf der Bank“ habe und sein Job nicht genug einbringe. Als feststand, dass Cook tatsächlich Drillinge erwartete, sei deutlich geworden, dass der Vater in spe damit nicht zurechtkommen werde. Die Bezahlung der Kinderwunsch-Agentur, der Eizellspenderin, des Reproduktionsmediziners und der weiteren Beteiligten habe seine gesamten Ersparnisse aufgezehrt. Ob der bei seinen Eltern lebende, schwerhörige Mann überhaupt in der Lage wäre, mehrere Kinder großzuziehen, sei von niemandem geprüft worden. In einer E-Mail an Cook verlangte C.M., eines der drei Kinder abzutreiben – zu „reduzieren“, wie es im Jargon der Fortpflanzungsingenieure heißt. Cook weigerte sich. „Ich bin für das Leben und werde keine Schwangerschaft abbrechen lassen. Jedem dieser Babys geht es gut“, schrieb sie zurück. C.M. verwies auf eine Klausel im Vertrag. So etwas sei allein seine Entscheidung. Es stehe ihm zu, auf eine „selektive Reduktion“ zu dringen.

Da er wohl nicht nur das höhere Risiko für seine Söhne scheute, das Drillingsschwangerschaften mit sich bringen, sondern schlicht kein Geld für drei Kinder hatte, bot Cook an, das „überzählige“ Baby zu adoptieren und selbst großzuziehen. Darauf habe C.M. geantwortet: „Hast du den Verstand verloren? Ich werde doch meine Kinder nicht trennen!“

Als Schadensersatzforderungen für ihre Weigerung ins Spiel kamen, ging die bedrängte Leihmutter damit an die Öffentlichkeit. Nach kalifornischem Recht ist eine Abtreibung – mit Ausnahme von Situationen, in denen Lebensgefahr für die Schwangere besteht – nicht mehr erlaubt, sobald die Feten außerhalb des Mutterleibes lebensfähig wären. Mitte November, in der 16. Schwangerschaftswoche, blieb also für die Tötung eines der Drillinge nur noch wenig Zeit. Der Vater verstehe zwar, akzeptiere jedoch nicht, dass seine Auftragnehmerin dies ablehne, schrieb Anwalt Robert Warmsley am 20. November 2015 an Cook. Er zählte die Rechtsfolgen auf, die ihr Verhalten für sie haben könnte, darunter der Verlust aller finanziellen Ansprüche aus dem Leihmuttervertrag, Schadensersatz in Bezug auf die künftige Betreuung der Kinder und die Kosten eventuell erforderlicher medizinischer Zusatzleistungen. Cook appellierte an C.M., ihr doch zu erklären, weshalb er drei Embryonen einsetzen ließ, wenn er nur zwei Kinder wollte. Am 24. November erhielt sie einen weiteren Brief von Warmsley, der von ihr verlangte, bis zum Ende des Tages den Termin für eine „selektive Reduktion“ zu vereinbaren. Cook schwankte, hielt aber – mit beachtlicher medialer Unterstützung – an ihrem Entschluss fest, das Lebensrecht der Drillinge zu verteidigen, auch wenn sie nur die Leihmutter war.

Später, als C.M. sich durchgerungen hatte, alle drei Kinder zu akzeptieren, wollte Cook nicht mehr. Die Schwangere bat ihren Anwalt, vor Gericht ihre Anerkennung als rechtmäßige Mutter der Drillinge zu erstreiten, weil diese in ihrem Leib heranwuchsen und von ihr zur Welt gebracht werden würden. „Ich sehe Leihmutterschaften nicht mehr so positiv, wie ich das bisher getan habe“, sagte sie. „Kinder ziehen nämlich besonderen Nutzen aus der Beziehung zur Mutter.“

C.M. bemühte sich derweil beim Familiengericht in Los Angeles um offizielle Anerkennung seiner Vaterschaft. Dort entschied man, beide Seiten anzuhören. C.M. tat nun kund, er sei daran interessiert, alle drei Kinder zu schützen. Nach wie vor sorge er sich auch um die Gesundheit und das Wohlergehen der Leihmutter und er habe den Wunsch, ihr unnötigen, durch einen öffentlichen Auftritt verursachten Stress zu ersparen.

Cook bezeichnete ihre Leihmutterschaft als Minenfeld – ethisch, rechtlich und auch medizinisch. Ihr Vertrag verbiete ihr zum Beispiel, Nagellack zu benutzen oder sich in die Nähe junger Katzen zu begeben, er schreibe vor, wieviel Koffein sie zu sich nehmen dürfe und reduziere sie, kurz gesagt, zu einem „Zuchttier“, das komplett der Willkür von C.M. ausgeliefert sei und weder während der Schwangerschaft noch danach mitzureden habe. Mit Hilfe zweier Anwälte zog sie gegen das kalifornische Leihmutterschaftsgesetz zu Felde – mit schlagkräftigen Argumenten, die einer der beiden Rechtsbeistände, Harold Cassidy, so zusammenfasste: „Dass ein Mann von einer Schwangeren fordern kann, eines der Kinder in ihrem Bauch töten zu lassen, und finanziellen Schadensersatz beanspruchen kann, wenn sie dies ablehnt, ist grausam gegenüber der Mutter. Die Vorstellung, dass im Falle einer Mutter, die anbietet, das von dem Mann zur Tötung freigegebene Kind großzuziehen, die es liebt und die sein Leben gerettet hat, dieser Mann darauf besteht, das Kind einem Fremden anzuvertrauen, ist grausam gegenüber dem Kind.“ Folglich müsse durch eine einstweilige Verfügung verhindert werden, dass Verwaltungsbeamte eine Geburtsurkunde ausstellten, auf der nicht Cook als Mutter der Kinder eingetragen sei.

Als die Drillinge am 22. Februar 2016 zur Welt kamen, wurden sie Melissa Cook sofort weggenommen. Ein Richter hatte inzwischen dem Vater das Sorgerecht zugesprochen. Man gestattete der Leihmutter nicht, die Kinder auf der Frühgeborenen-station zu besuchen. Sie habe vom Klinikpersonal weder das genaue Gewicht erfahren noch über das Gedeihen der Babys Auskunft erhalten, berichtete Cassidy. Doch die Leihmutter, die sich wie eine echte Mutter verhielt, sorgte für Diskussionen. Darf man einer Frau nach der Geburt wirklich sagen, das, was mit den Kindern geschieht, gehe sie nichts an? War eine solche Erfahrung mit der Bezahlung abgegolten? War ein derartiger Vertrag eigentlich verfassungskonform? Cook focht den Richterspruch an. Das kalifornische Berufungsgericht entschied, der Vater, der Tausende von Kilometern entfernt bei seinen betagten Eltern lebt, dürfe die Kinder nicht mitnehmen, solange in dieser Sache kein abschließendes Urteil ergangen sei. Rechtsanwalt Cassidy bewertet dies als Teilerfolg. Ärzte und Pflegepersonal der Klinik sind verunsichert. Der Ausgang ist völlig offen.

Aber betrifft ein solcher Streit in den USA uns überhaupt? In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. „Die Mutter eines Kindes ist die Frau, die das Kind geboren hat“, steht im Bürgerlichen Gesetzbuch. Doch so eng wollen es viele heute nicht mehr sehen. Immer mehr deutsche Paare versuchen sich ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter im Ausland zu erfüllen, meist in der Ukraine, in Indien oder Kalifornien. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit einer Grundsatzentscheidung ein homosexuelles Paar aus Berlin als rechtliche Eltern eines Kindes anerkannt, das der Samenspender und sein Partner durch eine unverheiratete kalifornische Leihmutter austragen ließen. Die Leihmutter habe keine Elternstellung, urteilte der BGH. Sechs Juraprofessoren aus München und Augsburg, die 2013 den Entwurf eines „zeitgemäßen Gesetzes für Fortpflanzungsmedizin“ vorlegten, befürworten Leihmutterschaft und halten das deutsche Embryonenschutzgesetz für überholt. Das ukrainische Reproduktionsmedizinzentrum BioTexCom beruft sich auf seiner Internetseite gar auf einen „ersten Fall der Leihmutterschaft“, der im Alten Testament (Genesis 16) dokumentiert sei. Schon Abraham habe seine Dienerin Hagar, die ihm Ismael gebar, als Leihmutter benutzt. Die künstliche Befruchtung, vom 2013 verstorbenen Nobelpreisträger Robert Edwards ersonnen, um Ehepaaren in einer Ausnahmesituation zu helfen, hat sich inzwischen zu einer Lifestyle-Technologie für jedermann entwickelt, ohne dass die persönlichen und gesellschaftlichen Folgen bis zum Ende bedacht worden wären. Denn in der Politik ist es heute unüblich, beispielsweise auf Bischöfe zu hören, die um solches Nachdenken bemüht sind, stattdessen geht es mehr und mehr um die Abarbeitung maßloser Wunschzettel des 21. Jahrhunderts.

Leihmutterschaft ist und bleibt eine Form der Ausbeutung von Frauen, auch wenn diese viel Geld dafür bekommen. Darin ist sich die katholische Kirche sogar mit Alice Schwarzer einig. Doch auch diejenigen, die mittels Samen- und Eizellspende gezeugt werden, suchen irgendwann nach ihrer Identität. Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff ging in ihrer Dresdner Rede 2014 so weit, solche Kinder als „Halbwesen“ zu bezeichnen. Das sind sie sicher nicht. Aber sie sind zu einer Ware geworden, die man für Geld einkaufen kann.

Können wir damit leben? Und falls nicht: Wo bleibt unser Protest dagegen?

 

Quelle: http://www.die-tagespost.de/politik/Heute-kaufe-ich-mir-mal-Kinder;art315,168523

Print article

35 KommentareKommentieren

  • Joschi - 14/04/2016 Antworten

    Und dies gescheht in den Zeiten und im Land, wo sich die ungewollte Kinderlosigkeit zu einer stillen Volkskrankheit entwickelt hat. Wo jedes Jahr (nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums) über 200000 Männer und Frauen fortpflanzungsmedizinischen Rat in Anspruch nehmen. Bei rund zehn Prozent aller Paare erweist sich mindestens ein Partner als unfruchtbar!
    Kinderlosigkeit gilt gemeinhin nicht als Krankheit, und es gibt kein Recht auf ein Kind. Genau dieser Argumentation hat sich 2004 der Gesetzgeber weitgehend angeschlossen, als er den Zugang zur Zeugung im Labor erschwerte. Seitdem werden Kinderwunsch-Paare stärker zur Kasse gebeten als jede andere Patientengruppe. Die Reproduktionsmedizin ist zu einer Heilkunst für Wohlhabende geworden.
    Mittlerweile liegen Hunderte Klagen von unfruchtbaren Paaren gegen die finanziellen Belastungen vor.
    80 Millionen Euro im Jahr sollen die Krankenkassen durch die Eigenbeteiligung der ungewollt Kinderlosen sparen. Doch die Rechnung geht nur kurzfristig auf. Denn die Zuzahlungen hatten nicht nur weniger Behandlungen zur Folge, sondern auch einen Einbruch bei den IVF-Geburten. Rund 8000 Kinder fehlen seitdem in Deutschland – und damit 8000 künftige Beitragszahler der Sozialkassen, die jährliche Neugeborenenzahl einer deutschen Großstadt. Dies ist die Statistik.
    Wie lange noch werden unsere kinderlosen Eltern gezwungen, die Entwicklung der osteuropäischen Reproduktionsmedizin mitzufinanzieren? Wir persönlich haben unser Geld z.B. beim Kiewer Biotexcom-Zentrum „investiert“, wie brutal dies auch klingen mag, vor einem Jahr sind wir Eltern geworden

  • Estrid - 14/04/2016 Antworten

    Was Sterilität von Krankheit unterscheiden soll, ist rätselhaft. Ihre Ursachen liegen sehr wohl in körperlichen Defiziten: verwachsene Eileiter, Hormonstörungen, fehlende Spermien. Die Weltgesundheitsorganisation definiert ungewollte Kinderlosigkeit deshalb als Krankheit!!!!!!
    Insofern liegt der Verdacht nahe, dass hier eine Patientengruppe zur Kasse gebeten wird, von der aus Scham kein Protest zu erwarten ist. Nur wenige Paare machen ihre Krankheit in Deutschland öffentlich. Die Betroffenen hätten wohl Angst, dass ihr Makel publik würde.
    Ist das nicht gewollte Kinderlosigkeit auf dem staatlichen Niveau?

    PS Die deutschen Gesetze sind zu streng. Und die ukrainischen nicht. Wer fragt sich warum? Übrigens herzlichen Glückwunsch zum Baby

  • Mimi - 24/04/2016 Antworten

    Von der WHO wird Unfruchtbarkeit als Krankheit eingestuft. Andere Krankheitskosten werden auch von der Allgemeinheit bezahlt, die weitaus „privater“ sind und manchmal auch teurer. Dazu ist unverständlich, dass gleichzeitig die sinkende Geburtenrate moniert wird und es genügend „willige“ Paare gäbe, die ein eigenes Kind haben wollen, aber halt nicht so einfach bekommen. Es ist bekannt, dass gerade bei Männern die Zeugungsfähigkeit in den letzten 40 Jahren rapide gesunken ist (z. B. wegen Weichmacher, Hormone in Trinkwasser/Essen). Es wird propagiert, dass Frauen eine gute Ausbildung haben sollen, damit sie halt nicht durch ein Kind in die Armutsfalle tappen, was ja leider häufig passiert.

    Wie schwierig es ist, heute den Mund mit diesen Thesen aufzumachen, stelle ich erst jetzt fest. Denn jetzt kommt die Aussage von der anderen Seite: Ja, mit dem richtigen Partner hätte es bestimmt geklappt! Auch wenn ich meine „Behinderungen“ (als solche sehe ich Unfruchtbarkeit an) erkläre, bleibt diese These stehen, weil sie der anderen Seite zu keiner Position nötigt und die Stimmung (egal, welche Meinung der andere zu KiWu-Behandlungen hat) harmonisch bleibt.

    Ich habe aufgehört, über dieses Thema zu diskutieren, weil es für mich nicht mehr so wichtig ist. Weiterhin gehe ich offen damit um, dass ich den Weg in der Kiewer Biotexcom-Klinik gegangen bin. Es gibt so viel Leid in dieser Gesellschaft, weil es so viel Ignoranz gibt. Andererseits brauche ich auch immer Abstand, um nicht von dem Leid überschwemmt zu werden.

    Das Tabu gibt es nur in unseren Köpfen und es bedarf Mut, sich entgegen dieses inneren Tabus anders zu verhalten. Ich habe mich gegen dieses Tabu entschieden und spüre gerade eben wie glücklich ich bin, dass ich dadurch zu mir gestanden habe und mich nicht ständig versteckt/verraten habe.

    Eines ist natürlich ganz wichtig: Ein Unbeteiligter will nicht in irgendwelche chaotischen Beziehungsstrukturen hineingezogen werden. Ich finde es sehr unangenehm, wenn jemand mit mir die „Schuldfrage“ diskutieren will und ich Partei für eine Seite ergreifen soll. Denn jeder hat subjektiv gesehen Recht und zugleich Unrecht. In einem sehr emotionalen Thema wäre viel Sachlichkeit auf beiden Seiten nötig, aber doch genügend persönliches Engagement.

  • Elmale - 24/04/2016 Antworten

    In 2003 habe ich kräftig darum gekämpft, dass die KiWu-Behandlungen weiterhin zu 100% von der Krankenkasse bezahlt werden. Ich habe dafür Unterschriften gesammelt und Bundes-/Landespolitiker aller Parteien angeschrieben und ermutigende Post zurück erhalten. Da ich zeitgleich 3 (!) KiWu-Behandlungen hatte (inkl. 1 Fehlgeburt), habe ich mich dadurch wohl auch etwas übernommen. Von einem anderen Forum aus fand sogar eine Demo in Berlin statt – allerdings war mir die Anreise dafür zu weit (und mein Mann unterstützte mich schon damals nicht). Im Endeffekt waren es vielleicht 10 Paare, die daran teilnahmen – zu wenig, dass eine Straße gesperrt wurde. Es hat mich ziemlich ernüchtert, als ich später über den Vermittlungsausschuss in der FAZ (sinngemäß) las: Wäre in allen Punkten wie in der Sache der Finanzierung der KiWu-Behandlungen eine so schnelle Einigung erzielt worden, wäre die Sitzung schnell beendet gewesen. Ich fühlte mich von den Politikern (damals Seehofer) verraten und verkauft. Immerhin kam noch die 50%-ige Finanzierung heraus – sie wollten die Finanzierung vorher ja voll streichen. Aber vielleicht wäre das gleiche Ergebnis erzielt worden, wenn wir damals nicht gekämpft hätten. Ich schrieb einen Leserbrief, der in einer Zeitung auch abgedruckt wurde, und bekam einen unangenehmen Brief. Wir sind immer sehr offen mit dem Thema umgegangen, weil wir nicht in der Schamecke sitzen wollten. Allerdings war der Gegenwind sehr heftig – sogar aus der eigenen Familie (meine Schwester und sogar meine Tante, die selbst lange Zeit auf ein Wunschkind gewartet hatte und letztendlich Mutter von einem EZS-Sohn dank den Kiewer Biotexcom-Ärzten geworden ist).

  • Tomke - 24/04/2016 Antworten

    Viele Menschen übernehmen populäre Meinungen anderer – ohne selbst ihren Verstand einzuschalten. Die Welt ist so komplex, dass auch ich mich häufig überfordert fühle und die eine oder andere Meinung auch ungefragt übernehme – nicht schön und doch Realität. Es gibt auch Menschen, die absichtlich verletzend in Foren auftreten. Sie bekommen dadurch auf jeden Fall eine Rückmeldung – etwas, was sie vielleicht im „normalen Leben“ nicht bekommen. Die Vielzahl an verschiedenen Meinungen macht manchen Menschen auch Angst – sie wehren sich dagegen, damit sie im Gleichgewicht bleiben. … Es gibt bestimmt noch viele Gründe mehr, warum solche Meinungen publik werden.

    Natürlich ist es besonders ärgerlich, wenn sie von Menschen in machtvollen Positionen vertreten werden, die eine gewisse Vorbildfunktion erfüllen. Und leider fehlen auf „unserer Seite“ solche (populären) Menschen, die sich zu ihrer KiWu-Behandlung „outen“. Meist sind Prominente aber auch in einer ganz anderen finanziellen Situation und es trifft sie nicht so hart. Ich denke da noch vor Jahren an eine Talkrunde, in der es allgemein um die Leistungseinschränkungen in der gesetzlichen Krankenversicherung ging und die Moderatorin am Ende fragte, wer von den Anwesenden überhaupt in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sei … Keiner!!! So theoretisch diskutiert es sich gleich viel einfacher …

    Es kommt darauf an, ob ich mich stark genug fühle, diesen Vorurteilen entgegen zu treten. Dann antworte ich auch auf solche Beiträge, um (den hoffentlich Interessierten) eine andere Perspektive zu zeigen. Ansonsten schalte ich ab (TV, Radio, etc.) oder besuche die Seite eine zeitlang nicht mehr. Ich habe die Wahl, ob ich mich dadurch verletzen lasse oder nicht …

    Vielleicht können wir auch glücklich sein, dass sich Menschen für das Thema interessieren – sonst würde es doch nicht diskutiert werden. Es kommt wieder mal Bewegung in die Sache und wir können unseren Beitrag dazu tun (wenn wir dazu bereit sind), dass sich in den Köpfen etwas ändert (bei denen, die es zulassen).

    Für mich ist es schmerzhaft zu sehen, dass an einigen Argumenten tatsächlich auch „etwas dran“ ist. Zwingen wir der Natur nicht wirklich dazu, dass wir ein Kind bekommen – also „vergewaltigen“ wir uns nicht selbst dadurch …? Ist es „normal“ eine 66-jährige zu Mutter zu machen? Statt Adoption würde auch ein Pflegekind gehen – und davon gibt es viele. Warum bin ich nicht dazu bereit? Wie groß ist mein Kinderwunsch wirklich und was verbirgt sich dahinter? Kinder kosten insgesamt viel: Wenn ich die KiWu-Behandlung nicht finanzieren kann, kann ich mir dann überhaupt ein Kind leisten? Und dann gäbe es auch noch die spirituelle Frage: Muss ich in meinem Leben erst eine Aufgabe bewältigen, um ein Kind zu bekommen oder ist die Kinderlosigkeit die Aufgabe, die mir das Leben stellt? Tatsächlich kann man nicht alles im Leben haben … Es kann sehr interessant sein, sich auf eine tiefere Art und Weise mit diesen Behauptungen auseinander zu setzen …

  • Iris - 24/04/2016 Antworten

    ich würde gerne auch etwas dazu schreiben.

    Zuerst mal, ich würde meinen Mann auch nicht an den Pranger stellen und öffentlich bekanntgeben, dass ER Schuld ist, das ich keine Kinder haben kann und uns deswegen im Biotexcom-Zentrum behandeln lassen, ich weiß nicht, das ist mir zu privat irgendwie. Es geht niemanden etwas an, finde ich persönlich. Und es ist bloß stellen für mich und kann eine harte Zeit für den Mann geben, voller Kränkungen usw., ein Spießruten lauf eben. Sowas gehört nicht in die Öffentlichkeit….ich lass die Öffentlichkeit ja auch nicht an meinem Zyklus teilhaben, wann ich meinen ES habe, wann Sex usw.

    Teilweise wird sich beschwert das wir Deutschen regelrecht ausspioniert werden, hier und da Kameras und was weiß ich nicht noch alles…….aber mit so etwas privatem wie, an wem es liegt das der Kinderwunsch nicht erfüllt wird, wird an die Öffentlichkeit gegangen.

    Auch ich finde das man überlegen sollte wie weit man gehen kann beim Kinderwunsch, es ist nunmal ein Eingriff in die Natur und etwas künstlich herbeigeführtes, wenn der Körper nicht in der Lage ist auf natürlichem Weg zu empfangen, sollte man ihn dann zwingen?

    Nicht falsch verstehen bitte, ich verstehe wirklich die Betroffenen und versuche auch sehr mich hinein zu sehen. Ich finde es auch gut wenn es kein Tabu Thema mehr wäre, die Frage ist nur wie weit kann man gehen?

    Ich muss manchmal fest stellen wie viel mit der Medizin heutzutage schon erzwungen wird und manchmal denke ich mir….wo ist die Natur, sie weicht immer mehr der Medizin. Es gibt leider manchmal Dinge im Leben, die kann man nicht ändern, die sind von der Natur her vorgesehen.

    Wir Menschen sind nicht Gott…aber wir führen uns so auf. Wir nehmen der Natur immer mehr den Lauf, entscheiden immer mehr über Leben und Tod, versuchen Dinge zu beeinflussen, weil wir immer mehr erreichen wollen, immer weiter ,immer höher…und nie werden wir zufrieden sein.

  • Moominmutter - 24/04/2016 Antworten

    es ist eine sehr philosophische Frage, inwieweit wir in die Natur eingreifen sollen/dürfen. Aber mal ganz ehrlich, wenn man den Gedanken von Dir so weiterverfolgt, dann dürfte es so viele Menschen nicht mehr geben auf der Welt, weil z.B. ja auch ein künstliches Hüftgelenk oder eine Herz-OP ja ein Eingreifen in die Natur und den Verlauf jedes einzelnen Menschen geht. Es ist aber immer das Bestreben der Menschen gewesen, das Leben zu verlängern und z.B. Krankheiten zu vermeiden und die Behandlung einer Kinderlosigkeit ist eine Heilbehandlung.

    Also wer schon mal eine oder mehrere Kinderwunschbehandlungen durchgemacht hat, der weiß, dass das alles kein Spaß ist und mein Gott, was würde man dafür geben, dass nicht machen zu müssen. Aber ja, es geht nicht anders und ja, man würde es nicht anders machen, wenn man die Chance sieht, dass ein sehnlichster Wunsch in Erfüllung geht. Es geht hier nicht darum, ob das Kind ein Junge oder Mädchen ist oder ob es grüne oder blaue Augen hat. Es geht um ein persönliches Grundbedürfnis, dass man spürt. Und ehrlich gesagt – wenn Du noch nie eine Kinderwunschbehandlung hast durchführen lassen müssen, kannst Du Dir gar nicht vorstellen, wie das ist und nur schwer dich in diese Menschen hineinversetzen.

    Wenn man mit der Vorstellung einer eigenen Familie aufgewachsen ist, dann ist Kinderlosigkeit wirklich etwas, was einen sehr hart trifft. Ein Ideal, ein Traum, ein Wunschbild kann nicht gelebt werden, ein Teil von einem selbst wird nie erlebt werden und das Menschen dafür viel auf sich nehmen, ist einfach verständlich.

    Früher habe ich auch die Nase über Promis gerümpft, die z.B. durch eine Leihmutterschaft sich den Wunsch eines Kindes erfüllt haben. Ich fand das auch unmoralisch, jetzt aber in meiner Situation würde ich das, wäre es legal und hätte ich das Geld machen. Auch wenn ich eigentlich Skrupel habe, dass jemand anders mein Kind austrägt und der Handel sozusagen Geld gegen Kind ist.
    Aber es würde mich glücklich machen – nur geht es nicht. Es geht auch nicht darum Grenzen zu überschreiben, wie z.B. Robert de Niro (68), der mit seiner 58 Jährigen Frau jetzt ein 2. Kind bekommen hat per Leihmutterschaft. Das finde ich absurd. Genau wie all die Männer, die gerade Ende 60 sind und mit ihren jüngeren Frauen Kinder bekommen oder alleinstehende Spinnerin mit 66 mit Vierlingen Mutter wird. Finde ich persönlich unverantwortlich gegenüber den Kindern, die Greise als Väter haben, wenn sie das überhaupt noch erleben werden. Aber da soll es in Ordnung sein, weil die Natur das ja zulässt? Ich weiß nicht.

  • Hamsa - 24/04/2016 Antworten

    Und was das Private angeht. Also erst kürzlich habe ich mit einer Bekannten geredet über das Thema Kinderlosigkeit und die wiederum hat eine Schwester, die in Paris lebt und mir erzählt, dass ihre Schwester es merkwürdig findet, in Frankreich würde das Thema überhaupt kein Tabu sein. Da spricht man darüber, wie lange man es schon versucht, ob man eine künstliche Befruchtung durchführt, wie oft man die schon gemacht hat, bei wem das Problem liegt. Also ein komplett anderer Umgang als in Deutschland. Hier ist es einfach so, dass man sich schämt, dass man glaubt man habe versagt, weil es nicht klappt. Und wenn einer sich in Osteuropa behandeln lässt, wird das wie eine kriminelle Tat verschwiegen.

    Es ist also eine kulturabhängige Sache, ob man das Thema anschneidet -was hier Tabu ist, ist woanders überhaupt kein Thema und gehört einfach zum Leben dazu.

    Ob man oder Frau schuld sind, ist unerheblich, wobei mittlerweile deutlich mehr Männer die Verursacher sind, allein schon durch die vielen Weichmacher.
    Solange eine riesen öffentliche Debatte darüber herrscht, wie viele Kinder die Deutschen (Schweizerinnen, Österreicherinnen) kriegen bzw. zu wenige, ob die Frau nun jetzt in den Verwaltungsrat gehört oder an den Herd, dass die Kinder falsch erzogen seien und darum die böse Jugend an allem schuld etc. – solange ist das Private nun mal eben Politisch.
    Es ist auch die Politik die die Gesetze zur künstlichen Befruchtung macht – ob sie nun restriktiv sind (weil man der Natur nicht zu sehr ins Handwerk pfuschen soll) oder eben doch einiges zulassen (weil die Medizin eben helfen kann).
    Und darum gehört auch durchaus unser Privatleben, in die politische Diskussion.

  • Schremmy - 24/04/2016 Antworten

    … aber Gott uns Menschen anscheinend die Fähigkeit/das Wissen gegeben, „künstlich“ Kinder zu erzeugen. Ist es nicht dadurch auch wieder „natürlich“? Ja, es ist eine philosophische Frage, auf die es wohl keine abschließende Antwort geben wird.

    Tatsächlich ist der momentane Trend doch eher Richtung Öffentlichkeit und weg von dem Privaten – ob „Talentshows“ oder Facebook … Jeder muss für sich das persönliche Maß dazu finden. Ich empfehle dazu das Buch „Vom Zauber des Privaten“, weil ich auch denke, dass das Private zu wenig Schutz genießt und wir dadurch ein Stück unserer Selbst verlieren, wenn wir weiter so grenzenlos uns zur Schau stellen.

    Wir alle machen die Meinung, weil wir sie äußern und weil wir sie konsumieren. Wir sind uns meist nicht dieser Macht bewusst und nutzen sie dadurch nicht, was eigentlich schade ist.

    Als ich 2015 die letzte Biotexcom-Behandlung machen ließ, war ich von den Baumaßnahmen der Praxis schockiert. Sie hatten sehr viel Geld investiert und ich fragte mich, ob ich wirklich so viel Luxus überall und in einem Wartezimmer brauche? Meine Antwort war ganz klar: Nein! Die KiWu verdienen insgesamt sehr gut (Habe damals nicht gedacht, so einen großen Überfluss an Patienten in Kiew zu finden), mehr als die meisten Frauenärzte. Und nicht nur in der Ukraine. In Deutschland geht’s denen genauso. Ist das gerecht und kann man da vielleicht verstehen, dass die Krankenkassen das nicht immer weiter finanzieren wollen? In diesem Moment kam ich mir noch einmal verkauft vor – diesmal von den Reproduktionsmedizinern, die uns Patienten in 2013 zum „gemeinsamen Kampf“ gegen die Einschränkungen aufgrund der Gesundheitsreform ermutigt hatten. Haben die Ärzte auch auf etwas verzichtet? Es sieht eher nach einem Kompromiss zwischen Krankenkassen und Patienten aus.

    Wahrscheinlich bin ich etwas vom Thema abgekommen – sorry!

  • Schreck - 24/04/2016 Antworten

    „Es gibt leider manchmal Dinge im Leben die kann man nicht ändern, die sind von der Natur her vorgesehen.“
    Doch diese „Dinge“ können doch aufgrund einer oder mehrerer Behandlung behoben werden? Wieso sich gleich damit abfinden, wenn die Chance auf eine Schwangerschaft besteht? Wenn eine Frau z.B. wegen verklebter Eileiter nicht schwanger wird, ist doch lediglich der Zugang versperrt. Sonst ist sie doch gesund? Es werden Organe verpflanzt, Bypässe gelegt, sollen diese Leute lieber sterben? Schließlich wäre das auch von der Natur so vorgesehen.
    „Wir Menschen sind nicht Gott…aber wir führen uns so auf. Wir nehmen der Natur immer mehr den Lauf, entscheiden immer mehr über Leben und Tod, versuchen Dinge zu beeinflussen, weil wir immer mehr erreichen wollen, immer weiter ,immer höher…und nie werden wir zufrieden sein.“
    Diese Aussage gilt vllt für Menschen, die an Gott glauben. Allerdings verstehe ich dann eins nicht: wenn es diesen Gott gibt, dann hat er doch genauso den Mediziner erschaffen? Die deutschen genauso wie die ukrainischen?

  • Ariel - 24/04/2016 Antworten

    Nun, ich denke, es wird keiner mehr diesen Thread lesen, aber zu zwei Dingen möchte ich doch gern meine Meinung sagen.

    1. Kein Reproduktionsmediziner kann einen Menschen schaffen. Er kann nur die Voraussetzungen optimieren. Und leider, leider klappt es auch bei manchen unter super-Voraussetzungen nicht.

    2. Ja, ich denke auch, dass Repromediziner mehr verdienen als ein normaler Gyn. Soviel ich weiß, ist er auch höher qualifiziert. Erstens muss er normaler Gyn sein, zweitens Repromediziner und drittens Endokrinologe. Außerdem verdient er auch deshalb mehr, weil viele Patienten halt Selbstzahler sind, man also privat (oder fast) abrechnet. Auch die gesetzlichen Patienten sind zu 50 % Selbstzahler, das ist für den Repromediziner natürlich vorteilhaft. Daran ist dann aber die Politik schuld, würden die Versuche 100%-ig übernommen, würden die Ärzte nicht so viel verdienen (es sei denn, es würden dann weniger Versuche stattfinden). Und den Überfluss in der Biotexcom-Klinik kann man leicht durch die dummen deutschen Gesetzen erklären, die die Repromedizin angehen.
    Meistens sind die Praxen recht groß, d.h., vier oder mehr Ärzte haben sich zusammengeschlossen. Da ist es dann auch leichter, den Patienten mal einen Kaffee zu spendieren.

  • Claudia - 01/05/2016 Antworten

    Da ich an MRKH-Syndrom leide, ist es ja klar, dass ich nicht in der Lage bin, schwanger zu werden und das Kind zu gebären. Aber da wir uns so sehr das Baby wünschten und uns von diesem Wunsch in gar keinem Fall verabschieden wollten, haben wir uns für die Leihmutterschaft entschieden. Und ich würde sagen, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Jetzt bin ich eine echt glückliche Frau, da ich die Mutter allerschönsten Mädchens dank der Biotexcom-Klinik bin.

  • mausimi - 01/05/2016 Antworten

    Ich wollte meine ein bisschen wirren Gedanken mitteilen. Es geht um meine KiWu-Erfahrungen.
    Also nach 6 Jahren KiWu mit allen möglichen Behandlungen und 3 MA weiß ich nicht mehr weiter. Mal sehe ich langsam sogar ein Leben ohne Kinder nicht mehr ganz so ausweglos wie früher, mal bin ich am Boden zerstört beim Gedanken daran, mal denke auch ich an die Leihmutterschaft-Möglichkeit bei der Biotexcom-Klinik.
    Es macht mich noch immer völlig fertig, wenn schon wieder xy schwanger ist oder Kind soundsoviel bekommt. Ich bin dann traurig, aber auch neidisch und vor allem so enttäuscht vom Leben. Ich kann einfach nicht damit klar kommen, wieso andere keine Probleme haben und wir nichts außer Problemen (schon das schwanger werden war nicht immer so ganz problemlos, aber dann es 3 mal wieder zu verlieren…). Ich kenne viele der so oft beschriebenen Frauen, die sich erst um ihre Karriere gekümmert haben und dann mit 38, 39 Jahren problemlos SS wurden. Wir haben mit 31 angefangen.
    Ich kenne Leute, die ihre ungewollten Kinder abtreiben lassen, weil sie einfach nicht gewollt sind.
    Ich komme einfach nicht klar, mit dem Gedanken, warum wir so leiden und andere ihr Glück nicht mal sehen, oder noch schlimmer- denken, es wäre ihr Verdienst Mutter zu werden!
    Wir stehen vor der Entscheidung kinderlos, ein weiterer Versuch mit eigenen EZ oder EZSP und nicht zuletzt aufgrund der völlig unterschiedlichen Arztmeinungen schwanke ich fast täglich hin und her.
    Ein Leben ohne Kinder will ich aber einfach noch nicht wahr haben. Aber ich merke, wie mich das alles langsam auffrisst und verbittert.

  • Humblebee - 01/05/2016 Antworten

    Hey Mausimi,

    erstmal will ich dir sagen, dass es mir Leid tut, dass du so viel durchmachen musstest. Da sind deine Gedanken von Wut, Neid, Trauer doch ganz normal.
    Einen Rat oder eine Meinung zu deiner Situation kann ich dir nicht schreiben. Denn ich denke, es gibt keine Pauschalantworten beim Kinderwunsch. Jede Frau hat ihre eigene Belastungsgrenze und ihren eigenen Weg.
    Aber ich will dir gerne schreiben, wie es bei mir nach sechs erfolglosen Behandlungen (und im Alter deutlich jenseits der 40) aussieht. Wir hatten schon vor meiner 6. Behandlung beschlossen, dass es die letzte sein wird. Als sie (im April!) negativ war, wusste ich, dass wir kinderlos bleiben. Über Adoption haben wir mal nachgedacht, aber das ist nicht unser Weg. Eizellenspende kam für uns nie in Frage.
    Dennoch habe ich noch das ganze letzte Jahr drüber nachgedacht, ob es vielleicht doch noch einen Versuch geben könnte oder doch EZSP…? Auf der anderen Seite wusste ich im Innern, der Weg aufzuhören, ist für mich der richtige. Ich kann und will keinen weiteren Versuch mehr durchhalten.
    Ich will damit sagen, dass ich relativ lange hin und her gerissen war, auch jetzt noch manchmal schwanke, aber die Entscheidung getroffen ist. Nur ist sie eben nicht leicht.
    Und ich denke, es werden immer wieder solche Gedanken kommen. Es werden auch immer wieder Neidgefühle, Wut auf andere und Versagensgefühle usw. da sein. Vor allem dann, wenn ich Schwangere oder Babys treffe ist es schwer und wird immer schwer sein.
    Lies doch mal hier im Forum – ich glaube der Abschied ist ein Prozess und der Schmerz wird immer Teil unseres Lebens sein. Mir war nur immer wichtig, selbst zu entscheiden, wann Schluss ist mit den Behandlungen und nicht bitter zu werden. Das erste hab ich geschafft, das zweite schaffe ich hoffentlich auch.
    Ich denke, nur du selbst (bzw. ihr beide) kannst entscheiden, was dein (euer) Weg ist.
    Ich habe glücklicherweise kinderlose Paare im Bekanntenkreis und stelle immer wieder fest, diese Ehen sind nicht die unglücklichsten. Das macht mir Mut. Andererseits wenn ihr schon an die Leihmutterschaft gedacht habt, warum den Kinderwunsch auf diese Weise nicht erfühlen? Mindestens sich bei der Biotexcom-Klinik kannst du dich beraten lassen. Wer weiß, welche Überraschungen das Leben für euch auf Lager hat. Ich wünsche euch, dass das alles Gute Überraschungen sind. Ihr habt das verdient!

    Ich wünsch dir die richtige Entscheidung für dich und dass ihr glücklich werdet, egal welchen Weg ihr geht.

  • Scharon - 01/05/2016 Antworten

    mmmmhhhh – dass andere Leute keine Probleme haben, nur weil sie nicht kinderlos sind, halte ich für ein Gerücht. Ich kenne zwar nicht viele Leute und kommen aus einem kleinen Dorf, trotzdem kann ich ganz spontan das aufschreiben:
    – drei gescheiterte Ehen mit 2/2/1 Kind(ern) wegen wiederholter Untreue des Ehemannes
    – massive Geldsorgen in einer Familie mit zwei Kindern (Mann verdient nicht gut, Frau findet einfach keinen Job)
    – eine Familie mit totem Kind (Fahrradunfall mit knapp 6 Jahren ==> die Eltern werden sicherlich nie mehr froh)
    – eine Familie mit zwei toten Kindern (Sohn direkt nach Geburt gestorben, Tochter Autounfall mit 18)
    – zwei Familien mit schwer behinderten Kinder gepaart mit massiven Geldsorgen, da Behinderung teuer und Frau nicht mehr wirklich mitarbeiten kann)
    – eine Familie mit autistischem Kind, was dazu führt, dass sie kaum noch aus dem Haus gehen kann, weil Sohnemann dann komplett durchdreht
    – dauernd drohende Arbeitslosigkeit und damit verbunden viele schlaflose Nächte bei meiner Freundin und ihrem Mann (2 Kids)
    – wohnen in einer Bauruine ohne Aussicht, aus der Nummer wieder herauszukommen bei einer anderen Bekannten (1 Kind)
    – ca. 80 kg Übergewicht mit beginnender Diabetes bei einer guten Freundin (1 Kind) – alles versucht an Diäten etc., selbst eine Magenverkleinerung hat nicht wirklich was genutzt. Die ist sooooooooo unglücklich!!
    – Single trotz Partnerwunsch bei meiner Bürokollegin – alle Männer verlassen sie ständig

    Ich will damit Dein Problem nicht herunterspielen – natürlich ist es ein großes Problem, ungewollt kinderlos zu sein. Dass alle anderen glücklich sind, „nur“ weil sie Kinder haben, ist aber schlichtweg falsch. Sie sind genauso glücklich oder unglücklich wie ihr, nur aus anderen Gründen.
    Und an eigenem Glück kann man auch arbeiten. Den Gedanken an die Leihmutterschaft in Kiew kann ich schon als einen Schritt in diese Richtung bewerten. Daher viel Erfolg euch auf dem Weg zu eurem Glück!!!

  • Kimberly - 01/05/2016 Antworten

    Gott!!! Kein einfaches Problem … Besonders was die deutschen Politiker angeht und die deutschen Gesetze angeht. Das letzte Mal, dass sich unsere Politiker von den Psychologen bezüglich der Leihmutterschaft-Probleme in Deutschland haben beraten lassen, liegt im Jahr 2014. Damals wollte der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Kindern von Leihmüttern und aus privaten Samenspenden („Becherspenden“) mehr Rechte geben, da das jetzige Recht sorge für „Inkonsequenzen und Wertungswidersprüche“ sorge. Es habe nur „das Familienbild männlicher Elternteil, weiblicher Elternteil und Kind vor Augen“, auf die moderne Fortpflanzungsmedizin hingegen „zum Teil keine Antwort“:((((
    Vor allem für das „Zusammenwirken“ lesbischer und schwuler Paare „zu Zeugung und anschließend gemeinsamer Erziehung eines Kindes“ sind nach Ansicht des Ministers neue rechtliche Antworten erforderlich.
    Es wurde viel geplant und vereinbart. Nun hat man das Jahr 2015 und muss sich nach wie vor Leihmütter in der Ukraine suchen. Und die Homosexuelle haben sogar die Möglichkeit nicht, für die kommen die USA infrage. Viel zu teuer, aber was kann man da anderes erwarten, wenn das Treffen mit den Worten „Die Leihmutterschaft lehnen wir ab“ beendet wurde.

  • Loly - 01/05/2016 Antworten

    Wenn wir schon um psychologische Probleme der Leihmutterschaft reden, dürfen wir die Leihmutter selber nicht vergessen. Es kommt durchaus immer wieder vor, dass die Leihmutter sich mit der Containerrolle nicht zufriedengeben kann und will, d.h. nicht sich von dem Kind nach der Geburt trennen kann. Deswegen sollten interessierte Wunscheltern die Auswahl der Leihmutter gründlich am besten vor Ort und persönlich treffen. Also ihre Leihmutter mindestens kennenlernen. Leider ist das in verschiedenen Ländern, wo die Leihmutterschaft erlaubt ist, nicht gleich geregelt. Wenn zum Beispiel in der Ukraine die Leihmutter kennenzulernen ein Muss ist, lassen manche asiatischen Länder solche „psychologische Kleinigkeiten“ außer Sicht. Um mögliche Konflikte zu vermeiden, werden in den USA von seriösen Agenturen vermittelte Leihmutterschaften alle medizinischen Untersuchungen auch von psychologischer Seite betreut. Anzuraten ist außerdem, auch nach der Geburt des Babys den Kontakt zur Leihmutter zu halten, um dem Kind später das Problem aufgrund seiner Herkunft zu ersparen. Das gilt auch, wenn aufgrund einer zusätzlichen Eizellenspende drei „Mütter“ im Spiel sind. Denn letztlich sind die psychischen Konsequenzen einer Leihmutterschaft für den Menschen noch nicht erforscht, da diese Möglichkeit noch zu den neueren Formen der Familienplanung gehört:))))

  • Evyyyyy - 01/05/2016 Antworten

    Also wie die Ukraine und die USA die psychologischen „Kleinigkeiten“ zu regeln versuchen, ist natürlich lobenswert. Aber genau in diesem Bereich wird noch so viel Arbeit von Forschern gebraucht (und nicht nur Psychologen). Da wenn eine Frau sich schon in der Rolle der Leihmutter probiert, geht sie immer ein Risiko ein. In manchen sogar europäischen Ländern sieht der übliche Vorgang so aus: Die Eizellen werden der bei Vollnarkose entnommen, und um gleich mehrere aufs Mal heranreifen zu lassen, muss sie sich im Vorfeld einer Hormonbehandlung unterziehen. Viele Spenderinnen machen das 10 bis 15 Mal. Und wenn der Embryo nistet sich nicht gleich beim ersten Mal ein, was ziemlich oft vor kommt? Da kann das Prozedere bis zu anderthalb Jahre dauern!
    Wer kann heutzutage genau erklären, wie sich das langfristig bezüglich Krebsrisiko, eigener Fruchtbarkeit und Menopause auswirkt?
    Und bei der Geburt riskieren die Frauen schließlich ihr Leben!
    Sollte vielleicht die Leihmutterschaft besser gänzlich verboten werden? So wie in Deutschland?
    Die Einstellung „Die Leihmutterschaft lehnen wir ab“ finde ich grundsätzlich falsch. Wir brauchen noch enorm viel wissenschaftliche Arbeit, um die Fragen der modernen Fortpflanzungsmedizin zu beantworten.
    Also an die Arbeit, liebe Forsche! Damit kein Minister sich in der Zukunft mit dem Unwissen blamiert und wir alle vernünftige Gesetze in diesem Bereich bekommen:))))

  • Caro - 01/05/2016 Antworten

    Völlig einverstanden! Alles verbieten und dabei sagen, dass wir auf manche Fragen keine Antworten haben, ist keine Lösung! Die Antworten suchen! Nicht gleich ablehnen sondern forschen!
    Aber nicht nur auf dem medizinischen Gebiet haben wir noch viele Fragezeichen.
    Vor allem rechtlich muss man hier dringend etwas unternehmen. Am besten wäre es vielleicht eine verbindliche internationale Regulierung des Leihmuttermarktes.
    Klar gibt es keine Frau, die das aus Nächstenliebe macht, sondern aus ökonomischen Zwängen und finanziellen Notlagen heraus. Beispielsweise weil sie sich gerade getrennt haben, ohne Arbeit sind oder Schulden bezahlen müssen. Also die brauchen Geld. Dabei kümmern die sich oft nicht so sehr um die rechtliche Seite des Prozesses und verzweifelte Wunscheltern sind häufig bereit, fast alles zu geben, um ein Kind zu bekommen. Deswegen sind Leihmütter und Wunscheltern so leicht auszubeuten. Um diese Ausbeutung zu vermeiden, haben einige Länder schon das rechtliche Problem klar geregelt (z.B. totale Transparenz zwischen Deutschland und Ukraine). In einigen dagegen ist es noch möglich, sogar keinen Vertrag zwischen Agentur und Leihmutter, beziehungsweise Agentur und Auftragseltern, aufzusetzen und zu unterschreiben (z.B. Mexiko). Also können die Frauen somit am Ende sogar noch um ihr Geld gebracht werden.
    Also das ganze Business lieber nicht kommerziell, sondern rechtlich regeln, so wie z.B. die Haager Konvention bei den internationalen Adoptionen unterschrieben wurde. Mit verbindlichen Rechten und Lebensversicherungen für die Leihmütter und mit einer Krankenversicherung, die gesundheitliche Probleme deckt. Aber auch mit klareren Verfahren für die Wunscheltern.

  • Julike - 01/05/2016 Antworten

    Hallo Jungs:)))
    Zur Psychologie der Frauen (prominenten Frauen), die behaupten, dass man ohne Kinder Mutter sein kann. Also dass mehr und mehr Frauen in der ganzen Welt nur für sich selber leben und sich mit Kindern nicht belasten wollen, wusste ich schon lange her. Aber dabei sich Mutter zu nennen, das war mir neu. Und es sieht so aus, als ob die gestrige Aussage von Kim Cattrall (Sex and the City) nicht nur mich bestürzt hat. Über die wird heute von Medien sehr lebhaft diskutiert. Die Schauspielerin hat das zwar im Sinne gemeint, dass sie ihre Nichten und Neffen hat, über die die sich liebevoll kümmert. Außerdem hilft sie gerne jungen Schauspielern und Schauspielerinnen. Ohne dabei biologisch Mutter zu sein oder ein Kind zu adoptieren. Aber… Wenn man biologisch keine Mutter sein darf (Gott, warum?), alle erdenkliche Hilfsmittel nicht nur bei deutschen, sondern bei ukrainischen Ärzten sucht, taucht dieses Aber auf. Oder nur bei mir?

  • Lili - 01/05/2016 Antworten

    Ich kann die Position von Frau Cattrall durchaus gut verstehen. Ich meine bei jeder Äußerung kann man was zum widersprechen finden und ein gewisses Aber taucht da bei jeder Meinungsverschiedenheit auf, was auch ein Antrieb zu einer gesunden Diskussion sein kann. Ich meine, wenn man nicht alles gleich so zu Herzen nimmt und nicht so stark emotionell reagiert… Ok, wenn man schon verzweifelt nach allen erdenklichen Mitteln sogar in der Ukraine gesucht hat und Herrn Gott nach der Gerechtigkeit fragt, dann ist das vielleicht was anderes. Aber wenn man schon bedenkt, dass man die total harmlose Äußerung von Kim Cattrall (die Frau wollte sicher keinen beleidigen, weder die Frauen, die Mutter sein wollen und nicht können, noch die, die bereits Mütter sind) ein bisschen metaphorisch versteht. Mütterliche Gefühle für diejenige haben, die man lieb hat, ist doch ganz normal. Besonders wenn man biologisch keine Mutter geworden ist sowie keine Kinder adoptiert hat. Außerdem war das ein Interview und die Frau Cattrall ist eine Schauspielerin. Da gehört ein bisschen Schau dazu:)))) Und die Künstler, die denken schon etwas breiter, als normale Menschen.
    Eine interessante Frage, wenn man in der heutigen Gesellschaft als Mutter bezeichnen kann und wer als Mutter bezeichnet wird. Dass immer mehr Frauen sich so emanzipiert fühlen, dass die ihre Freiheit nicht durch die Mutterrolle (im Falle der biologischen Schwangerschaft oder der Adoption) beschränken wollen, ist kein Geheimnis mehr. Froh nach der Entwicklung der Verhütungsmittel nicht mehr biologisch gezwungen zu sein, überhaupt Kinder zu gebären. Befreit von gesellschaftlichen Klischees, mit denen man die Frau erst als ein Fortpflanzungsmittel der Gesellschaft akzeptiert hat. Wunderlich ist nicht die Tatsache, dass solche emanzipierte Frauen sich meistens in hochentwickelten Ländern befinden, wo vom Staat alles für das Kinderkriegen gemacht wird, sondern dass solche Frauen sich selber doch ohne Kinder als Mutter bezeichnen wollen. Ist das nicht paradox? Und die Äußerung von Kim Cattrall ist in diesem Sinne exemplarisch, denke ich, nicht metaphorisch. Gleichzeitig steigt die Zahl diejenigen Frauen, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können, sich aber welche unbedingt wollen. Dabei bezeichnen die ihren Kinderwunsch als Ruf der Natur, Mutter zu sein. Und die letzte Frage: Kann man auch diejenigen Frauen, die ihren Körper (irgendwo in Indien, Georgien, Ukraine u.s.w.) an zahlreiche kinderlosen Paare als Leihmutter verkaufen, im Zeitraum der Leihschwangerschaft auch Mutter nennen?

  • Steffi - 01/05/2016 Antworten

    Da wir unsere Zwillinge von einer ukrainischen Leihmutter erwarten, interessiert mich das Thema bezüglich der Partnerschaft in der Familie. Ich selber kenne einige Paare, deren Beziehung während (oder infolge?) der Leihmutterschaftszeit in Brüche gegangen ist. Im Internet gibt es haufenweise Beitrage darüber, wie die Paare einen totalen sozialen Rückzug genommen haben, um den Bekannten und Verwandten zu verheimlichen, dass sie eine Leihmutter beauftragt haben. Manche schirmen sich von der Welt ab aus Angst stigmatisiert zu werden. Manche aus Scham oder anderen Gründen. Da auch die Paare während dieser Zeit viele Ängste und Sorgen haben, nimmt auch die sexuelle Zufriedenheit manchmal deutlich ab. Bei uns ist es so, dass wir dagegen enger zusammenhalten, seit wir den Verfahren angefangen haben. Natürlich haben auch wir unsere Sorgen und vor allem Befürchtungen, aber die Aussicht auf eine glückliche Familie mit Kindern hilft uns nach vorne zu blicken und positiv zu denken. Wie ist es bei euch?

  • Janine - 30/05/2016 Antworten

    Ein echt brenzliges Thema, das die Bevölkerung spaltet.
    Mir tun einfach nur die Babys bzw. Kinder leid, wenn es auch noch um den heißen Brei gehen sollte, wenn sie größer und älter sind.
    Ich persönlich stehe dem Thema Leihmutterschaft auch eher kritisch gegenüber. Natürlich ist es schade und traurig, wenn ein Paar keine Kinder kriegen kann – ganz gleich ob es sich dabei um ein homo- oder heterosexuelles Paar handelt. Es gibt doch auch die Alternative Adoption – was meiner Meinung eine viel bessere Lösung ist.
    Ich verstehe die Welt nicht mehr – auf der einen Seite werden Millionen von Kindern abgetrieben, auf der anderen Seite kann jeder, der genug Geld hat sich einen Mutterleib mieten und sich ein Kind mehr oder weniger produzieren lassen. Schöne neue Welt, wo man in die Ukraine pilgern und von der Biotexcom-Klinik sich ein Kind holen kann.
    Aber wie sagt man so schön: Jedem das Seine!

  • Brummbaer - 30/05/2016 Antworten

    In Deutschland nicht erlaubt, eröffnet die Leihmutterschaft im Ausland (vor allem den USA) Single-Vätern und schwulen Paaren die Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Alles, was man benötigt, ist das eigene Sperma, eine Eizellspenderin und eine Leihmutter, welche die Kinder austrägt. Und natürlich eine Menge Geld, um die Behandlung zu bezahlen.
    Die Ü40 kinderlosen Auftraggeber aus Deutschland dringend Nachwuchs wünschen sich dringlich Nachwuchs. Nichts einfacher als das: Eine junge Eizellspenderin rasch gefunden, die Eizellen befruchtet, die besten Embryonen ausgewählt und in die Gebärmutter transferiert.
    Die künstliche Befruchtung in den USA kostet schnell mal 20.000 Dollar, insbesondere, wenn dann noch männliche Embryonen mit Hilfe der PID (genetische Untersuchung des Embryos) ausgewählt werden. Hinzu kommen die Kosten für die Leihmutter (ca. 30.000 Dollar). Deswegen googelt man schnell Leihmutterschaft in Europa, bekommt Ukraine Biotexcom-Klinik als einer der ersten Links, kalkuliert den Unterschied und bucht Tickets nach Kiew. Erledigt.

  • Basti - 30/05/2016 Antworten

    Vielleicht sage ich jetzt nur so, weil ich mit so einem Problem nicht konfrontiert bin, aber von einer Idee das Kind durch Leihmutter zu bekommen wird mir irgendwie peinlich. Selbst wenn genetisches Material der unfruchtbaren Frau und ihrem Mann gehört und die Leihmutter nur eine Rolle „des Brutapparats“ so zu sagen annimmt, lebt und entwickelt sich das Baby neun Monate lang in ihrem Bauch und unter ihrem Herz… Biologische Mutter kann das Kind erst nur nach ein paar Tagen nach der Geburt sehen, was bestimmt der Mutter-Kind Beziehung schaden wird. Hier kann sogar das Angebundenheitsgefühl fehlen, da das Baby von der anderen Frau geboren wurde.
    Eine sehr heikle Frage, würde ich sagen. Wahrscheinlich treffen die Menschen eine solche Entscheidung aus Aussichtslosigkeit. Kann nur mitleiden… Besonders wenns um solche Länder wie Indien oder die Ukraine geht. Ich glaube gerne, dass in solchen Kiwus wie z.B. Biotexcom-Klinik in Kiew guten Service geleistet wird, aber dabei stelle ich mir immer die armen Leihmütter, auf deren Kost das alles gescheht und jemand profitiert.

  • Amber - 30/05/2016 Antworten

    Bei der Leihmutterschaft sehe ich gar nichts Peinliches. Die Frauen, die ihre Einwilligung erteilen, das Kind für andere Menschen auszutragen, fassen diese Entscheidung ja freiwillig und werden dafür bezahlt. Warum soll man die „armen“ Biotexcom-Leihmütter bemitleiden, verstehe ich überhaupt nicht.
    Betreffs des Mutterinstinkts – bei der Frau ist er entweder vorhanden oder bloß nicht, und es ist hier ganz egal, ob die Frau selbst das Baby gebärt oder nicht. Nämlich sind unfruchtbare Paare schon seit langem mit Liebe zum Kind erfüllt und warten nur auf den Moment, um sie zu bezeigen.

  • Flumflöh - 30/05/2016 Antworten

    Mit der Frage „Adoption oder Leihmutterschaft“ geht gleich eine andere einher: “Wo?“ Also wenn Adoption in Deutschland erlaubt ist, ist Leihmutterschaft bei uns gesetzlich verboten. Dann geht die Fragerei weiter: „Deutschland oder Ukraine (USA, Indien, Belgien usw.)?“ Dann googelt man „Adoption Deutschland“ und bekommt haufenweise Beiträge der Mitbürger, die sich als Adoptionsbewerber über manchmal total unüberwindbare Schwierigkeiten der Adoption in der Heimat beklagen. Darüber berichten, dass es überraschenderweise schwer ist, sogar ein Kind aus Kenia oder Malawi zu adoptieren. Selbstverständlich kosten die beiden Optionen viel Geld, Geduld und Nerven. Also wäre ich da persönlich vor der Wahl gestellt, hätte ich bestimmt die Leimutterschaft genommen. Bei dieser Möglichkeit kann man mindestens mit Genen sicher sein, wenn alles andere so kompliziert ist. Übrigens habe noch nie im Netz Beschwerden oder Klagen der „armen“ Biotexcom-Leihmütter gesehen. Also warum denn Mitleid???

  • manni - 30/05/2016 Antworten

    Wäre das nur so einfach: es gibt so viele Kinder im Kinderheim, nehmen wir uns eins und damit ist unser Problem mit der Kinderlosigkeit gelost. Weißt du zufällig warum hat sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der Adoptionen in Deutschland insgesamt mehr als halbiert? Im Jahr 2012 kam es in Deutschland nur noch zu 3.886 Adoptionen. Ich bin kein Soziologe, aber wenn man bedenkt, dass für das ganze Land in der Regel weniger als 1.000 Kinder und Jugendliche jährlich für eine Adoption vorgemerkt sind. Damit kommen in Deutschland auf ein Kind rund zehn Bewerber. Und die Wartezeit für die Paare, die sich für eine Adoption bewerben, drei bis fünf Jahren beträgt. Krass! Habe ich gleich gesagt, als wir an die Adoption-Möglichkeit gedacht haben. Dabei sind aber die heutigen Bedingungen bei weitem nicht so kompliziert als früher! Ursprünglich diente die Adoption Kinderlosen zur Beschaffung eines Erbens beziehungsweise zur Daseinssicherung im Alter. Dementsprechend war ursprünglich ein Mindestalter der Adoptiveltern von über 50 Jahren vorgesehen. Dieses Alter wurde aber sukzessive weiter abgesenkt bis auf den aktuellen Stand von 25 Jahre. Mit der Möglichkeit der Minderjährigen-Adoption und dem damit einhergehenden Erwerb der vollen Stellung als eheliches Kind auf allen Rechtsgebieten wurde die Grundlage für den gegenwärtigen status quo gelegt. Ausländische minderjährige Kinder beispielsweise erhalten dadurch die deutsche Staatsangehörigkeit wie ihre adoptierenden Eltern. Im Jahr 2004 wurden diese Möglichkeiten auch auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausgedehnt.
    Wenn man sich heute bedenkt, was das alles früher verboten und unmöglich war, und was noch verkompliziert geblieben ist. Also wir haben die Adoptionsmöglichkeit verworfen und den Leihmutterschaft-Weg genommen. Dies ist unsere Wahl. Und nicht aus psychologischen Gründen, sondern aus ganz praktischen. Ich bin mir sicher, dass ein adoptiertes Kind wir als unser eigenes hätten lieben können, aber jetzt frohen uns jetzt auf unsere Biotexcom- Zwillinge. Die sollen im Dezember zur Welt kommen.

  • deab - 30/05/2016 Antworten

    Als ein kinderloses Paar ein Kind in Deutschland zu bekommen ist alles andere als einfach, das stimmt. Und wenn die Möglichkeit mit der Leihmutterschaft absolut verboten ist, heißt das nicht, dass die andere Möglichkeit, nämlich der Adoption, mit menschlichen Kräften zu bewältigen ist. Obwohl die Bedingungen tatsächlich humaner geworden sind (jetzt ist es sogar erlaubt gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften Kinder zu adoptieren), trotzdem bleiben es noch so viele amtlichen und bürokratischen Hürden zu nehmen: In Deutschland nehmen die Jugendämter die Aufgabe der Adoptionsvermittlung wahr. Sie überprüfen die Eignung der Bewerber für eine Adoption. Dabei werden im Wesentlichen die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Wohnsituation und bestimmte psychologische Eignungskriterien, wie beispielsweise die Stabilität der Partnerschaft, überprüft. Darüber hinaus müssen Bewerber ein polizeiliches Führungs- und ein Gesundheitszeugnis beibringen. Kinder können in Deutschland von ihren Eltern frühestens acht Wochen nach der Geburt zur Adoption freigegeben werden. Hierzu bedarf es einer notariellen Einwilligungserklärung. Liegt diese vor, kann eine Adoption nicht mehr rückgängig gemacht werden. Auch das Kind muss einer Adoption zustimmen. Bei unter 14jährigen geschieht dies durch den bestellten Vormund beziehungsweise bei Amtsvormundschaft durch das entsprechende Jugendamt. Bei groben Verstößen gegen die elterlichen Pflichten kann ein Betreuungsgericht die Möglichkeit einer Adoption auch ohne elterliche Einwilligung beschließen. Diese Ausnahme griff in den letzten Jahren allerdings lediglich bei nur knapp fünf Prozent der Adoptionen. Bei der Adoption von Minderjährigen unterscheidet der Gesetzgeber die sogenannte Inkognito-Adoption, sowie die halboffene und offene Adoption. Die Inkognito-Adoption sieht einen einseitigen Schutz der Adoptivfamilie insbesondere vor dem Zugriff durch die biologischen Eltern vor, um so eine Störung der Beziehungen des Kindes zu seinen Adoptiveltern zu vermeiden. Diese Form der Adoption findet allerdings kaum noch statt, höchstens in den Fällen, in denen die leiblichen Eltern insgesamt anonym geblieben sind, weil die Kinder anonym zur Welt gebracht oder in eine sogenannte „Babyklappe“ gelegt wurden. Letztendlich haben adoptierte Kinder spätestens ab dem 16. Lebensjahr das Recht auf Einsicht ihrer Geburtsunterlagen und damit auf alle Fälle den Namen der leiblichen Mutter zu erfahren. Bei halboffenen Adoptionen besteht der mittelbare Kontakt zwischen Kind und leiblichen Eltern beispielsweise in Briefform über die vermittelnden Stellen beziehungsweise Jugendämter, während bei der offenen Adoption unmittelbarer Kontakt zwischen leiblichen Eltern und Adoptiveltern sowie dem entsprechenden Kind existiert. Die häufigste Art der Adoption in Deutschland ist aber nach wie vor die Stiefkindadoption. Sie machen rund die Hälfte der Adoptionen aus. Dabei ist der Annehmende mit einem leiblichen Elternteil des zu adoptierenden Kindes verheiratet. Auch hierzu ist allerdings die Zustimmung beider leiblicher Elternteile notwendig. Der einfachste, nicht aber unbedingt der schnellste Weg, sich den Kinderwunsch doch noch erfüllen zu können, ist die Auslandsadoption. In einigen Ländern fordern die dortigen Behörden einen schriftlichen Nachweis zur rechtlichen Adoptionsfähigkeit ein. Dieser kann bei der Bundeszentrale für Auslandsadoption beantragt werden. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Eignungsbescheinigung, sondern nur um eine Bestätigung, dass die beantragenden Personen die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen.
    Ich weiß, dass der Wille Berge versetzen kann, aber ich habe keine Lust und Laune Berge zu versetzen. Wir denken auch an die Leihmutterschaft in Kiew. Dieser Weg scheint uns einfach nicht so steinig und düster.

  • Sonnenschein - 30/05/2016 Antworten

    Tja, warum finden sich immer weniger Freiwillige, Kinder zu adoptieren, obwohl das in Deutschland erlaubt ist, und die Anzahl diejenigen, die im Ausland eine Leihmutter beauftragen, steigt. Die zweite Möglichkeit, die dazu auch teuerer ist als die erste, gewinnt langsam aber unaufhörlich an Popularität. Obwohl in diesem Fall muss berücksichtigt werden, dass die gesetzliche Situation von den deutschen Gerichten sehr strikt durchgeführt wird. Es häufen sich die familiengerichtlichen Urteile, die hierzu klare Aussagen treffen. Insbesondere muss beachtet werden, dass ausländische Verträge, ausländische Urkunden über die Elternschaft der so genannten Sorgeeltern und andere denkbare Dokumente im Zweifel von deutschen Gerichten nicht anerkannt werden.
    Es muss also tatsächlich davon ausgegangen werden, dass die genetische Mutter nur dann eine rechtliche Mutter werden kann, wenn einer Adoption nach deutschem Recht möglich ist und durchgeführt wird. Es wird also notwendig sein, dass eingangs geschilderte Adoptionsverfahren zu durchlaufen.
    Selbstverständlich besteht darüber hinaus das große Risiko, dass die austragende Mutter mitwirken muss. Sofern sich diese an eine mögliche Leihmuttervereinbarung nicht hält, gibt es nach deutschem Recht keinerlei Möglichkeit, die genetische Mutter zur rechtlichen Mutter zu machen. Denn die Zustimmung der Mutter zur Adoption ist wie gesagt Voraussetzung nach deutschem Recht.
    Es ist nicht schlecht, das zu wissen, bevor ihr euch auf die Suche nach einer passenden Leihmutter z.B. in der Ukraine macht. Gruß an die Biotexer aus Kiew!!

  • Pineva - 02/03/2018 Antworten

    ich bin der Meinung, Leihmutterschaft die Würde des Kindes verletzt, da sie das Kind zum Gegenstand eines Vertrages, zu einer Ware, macht. Ebenso verletzt sie die Würde der Mutter, selbst wenn ihre Beteiligung freiwillig erfolgt, da sie sie zur „Miet-Gebärmutter“ macht. Die meisten Paare, die eine Leihmutter einschalten, um zu einem Kind zu kommen, sind finanziell gut gestellt und haben bereits beachtliches Geld für Versuche der In-Vitro-Fertilisation ausgegeben. Andersgesagt, sie haben Geld und zwar die Möglichkeit, ein Kind zu kaufen. Die Bereitschaft unfruchtbarer Paare, beträchtliche Geldsummen zu bezahlen, hat einen direkten Einfluss auf das Zunehmen der Zahl von Frauen, die sich nach der Möglichkeit von Eizellspenden erkundigen, um damit ihre Ausbildung zu finanzieren. Noch eina Beweisung, dass Leihmutterschaft ein Geschäft ist und Punkt. Gibt Nachfrage, gibt Angebot.

  • Ralf - 06/03/2018 Antworten

    Mit anderen Worten heißt das „das Kind auf Bestellung“. Diese unmenschliche Situation um Drillinge in Kalifornien zeigt nun, dass die Leihmütter nicht immer genug vom Gesetz geschützt sind. Drei Babys, die erfolgreich eingepflanzt wurden, sind wahrscheinlich dem werdenden Vater zu viel. Ich meine, dass es sinnvoll ist, solche „Kinderbesteller“ ähnlich wie Adoptionsbewerber zu checken.

    • Marta - 22/05/2018 Antworten

      Ich stimme dir zu. Etwas schockierte mich dieser Vater. Auf den ersten Blick sieht die Situation um Drillinge in Kalifornien sehr traurig. Der Vater sollte bisher denken, wie viele Kinder er wollte. Viele kinderlose Wunscheltern sind die Patienten der Kinderwunschkliniken in der Ukraine, in USA…Da das Problem der Unfruchtbarkeit der ganzen Welt berührt, ist die Leihmutterschaft eine gute Lösung solches Problems.

  • CoolesKind - 20/12/2018 Antworten

    Leihmutterschaft heißt nicht, sich Kinder zu kaufen – es heißt einen legalen Weg zu finden, um den Kinderwunsch zu erfüllen. Das Embryonenschutzgesetz erlaubt die Samenspende ABER verbietet die Spende der Eizellen. Also die Wunscheltern sind daraus gezwungen, nach Ausland in die Länder zu verreisen, in denen Eizellspende und Leihmutterschaft erlaubt sind. Aus einer Sicht, ist es ein kommerzielles Geschäft. Sowie die Reproduktionskliniken, als auch Leihmütter Geld für ihre Tätigkeit verdienen – aber was kann man heute als nicht-Kommerz beschreiben?

    • SabineW. - 20/12/2018 Antworten

      Man muss aber zugeben, dass es auch eine Arbeit ist, und so wie jede andere Art der Tätigkeit, sie muss bezahlt werden! Und zwar diese muss ganz gut gefördert werden. Ich habe natürlich von sogenannten freiwilligen Leihmüttern in Kanada gehört, aber die Nachfrage nach ihnen ist viel viel größer, als dass es nach den potentiellen Leihmüttern nur in Kanada reichen könnte. Die Frage bleibt aber WIE VIEL sie verdienen, was selbstverständlich von jedem Land abhängig ist. US und England zählen zu den teuersten, und osteuropäische Länder beispielsweise haben ziemlich billige Pakete anzubieten. So wie die Klinik Biotexcom in der Ukraine: da bekommt eine Leihmutter zwischen 4.000 und 8.500 – und zwar manche Pakete sichern den Wunscheltern den erfolgreichen Schwangerschaftsablauf. Also Kommerz? Ja! Faires Geld? Nicht immer, aber trotzdem wieder ja!

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen