Direktkredite als Alternative zur Staatsanleihe

Published 22/03/2016 in Finanzen, Fonds & Mehr

Direktkredite als Alternative zur Staatsanleihe
Auch die Firma ACT Lighting – hier eine Installation von 2012 – ist Kreditnehmer von Alcentra.

Auch Großinvestoren sind auf der Suche nach Zinseinnahmen. Eine Alternative sind Direktkredite an Unternehmen. Fonds bündeln das Geschäft.

Patrick Ordynans ist Geschäftsfuhrer bei der Vermogensverwaltung Alcentra. Seine Aufgabe: die Vergabe von Unternehmenskrediten. Mithin ein Geschäftsbereich, bei dem gern von „Schattenbanken“ die Rede ist. Ordynans wehrt sich gegen die Bezeichnung. „Der Begriff ist abwertend und suggeriert etwas von dunklen Geschäften. Wir unterliegen als Vermogensverwalter aber einer umfassenden Regulierung. Außerdem hat etwa die Bafin kurzlich Ihre Position geändert, dass es in der Zukunft nicht unbedingt einer Banklizenz bedarf, um Kredite zu vergeben.“

Das Interesse an der Kreditaufnahme bei den von Alcentra aufgelegten Fonds sei derzeit groß. Ordynans erklärt dies zum einen damit, dass die Banken aufgrund der verschärften Regulierung immer noch zuruckhaltender bei der Kreditvergabe seien als in fruheren Zeiten. „Das gilt besonders bei der Finanzierung von ubernahmen, vor allem, wenn es um grenzuberschreitende Transaktionen geht.“ Zum anderen eroffne die Hinzunahme eines Direktkredits den Unternehmen die Chance, ihre Finanzierungsstruktur zu optimieren.

Im Gefolge von Private Equity

Zielgruppe sind mittelständische Unternehmen bis zu einem Unternehmenswert von 500 Millionen Euro. Denen bietet Alcentra eine maßgeschneiderte Finanzierung. Typischerweise ist diese endfällig, läuft uber sechs bis sieben Jahre mit einer Finanzierung von zwei bis drei Prozentpunkten uber einer Bankfinanzierung. ublicherweise werden die Zinsen laufend bezahlt, seltener am Ende der Laufzeit.

„Die Strategie ist derzeit weitgehend von Private-Equity-Transaktionen getrieben“, sagt Ordynans. Diese Investoren bevorzugten eine flexible Direktfinanzierung, um ihre Wachstumsstrategien umzusetzen. Beim klassischen Mittelständler sei es schwieriger. „Man muss hier Vertrauen aufbauen und zeigen, dass die Direktfinanzierung eine erwägenswerte Alternative zum Hausbankkredit ist.“ Allerdings wurden mittelständische Unternehmen fur solche Finanzierungsformen offener, meint Ordynans. „Der klassische Patriarch, der hochstens die Hausbank hinter die Kulissen schauen lässt, ist auf dem Ruckzug.“

Prufung auf Herz und Nieren

Offenheit und Transparenz auf Unternehmensseite sind zentral fur eine Direktfinanzierung. Denn auf dem Selektionsprozess liegt viel Gewicht. „Bei Direktfinanzierungen muss man noch mehr Sicherheit schaffen als bei Private Equity“, erklärt der Fondsmanager. Zu diesem Zweck befasse man sich intensiv mit dem Kreditnehmer, hole Wirtschaftsprufer mit ins Boot, zapfe Netzwerke an, rede mit dem Management.

Nach der Kreditvergabe erhält man Monatsberichte, gibt es quartalsweise ein Treffen – alles, um auf der sicheren Seite zu sein. Noch einen großen Vorteil sieht Ordynans darin, dass der Fonds als alleiniger Kreditgeber auftritt. „Wir erstellen die gesamte Dokumentation und bestimmen allein uber Verzugsklauseln.“

Die Fonds sind analog zu Private-Equity-Fonds als geschlossene Fonds konstruiert, ublicherweise mit einer Investmentphase von drei und einer Erntephase von vier Jahren. Die Zielrendite beträgt 8 Prozent netto. Mit einer Mindestanlagesumme von 5 Millionen Dollar richten sie sich an Großinvestoren, im Wesentlichen also an institutionelle Anleger. Häufig sind dies Pensionskassen. „Diese suchen konservative Produkte, die keine Marktvolatilität aufweisen und Ausschuttungen bieten. An den Anleihemärkten finden sie kaum noch akzeptable Renditen“, sagt Ordynans zur Lage der Investoren.

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