Amerikanische Bankaktien auf Erholungskurs

Published 23/03/2016 in Aktien, Finanzen

Amerikanische Bankaktien auf Erholungskurs
Händler an der New Yorker Börse. Bankaktien entwickelten sich zuletzt stark.

Die Prügelknaben der Wall Street stehen wieder besser da. Doch die Zinspolitik könnte den Aufschwung bremsen.

Jamie Dimon scheint ein uberaus schlauer Mann zu sein. Mitte Februar sickerte durch, dass der Vorstandsvorsitzende der großten amerikanischen Bank JP Morgan Chase Aktien seines Instituts gekauft hat. Und zwar in großem Stil: Dimon legte insgesamt 26,6 Millionen Dollar an – sein gesamtes Jahresgehalt des vergangenen Jahres inklusive Bonus. Fur den 60 Jahre alten Dimon war das weit mehr als ein weiteres Puzzlestuck fur seine Altersvorsorge. Es sollte offenbar sein Vertrauen in die Stabilität seiner Bank signalisieren – und daruber hinaus in das Wachstumspotential der amerikanischen Wirtschaft, von der JP Morgan und der ganze Bankensektor stark abhängt.

Das Signal wurde an der Borse verstanden. Der KBW Nasdaq Bank Index, ein vielbeachtetes Branchenbarometer, kletterte seit Dimons Aktienkauf um 12 Prozent. Damit wurden Banken wieder zu einer treibenden Kraft der allgemeinen Aktienkurserholung an der Wall Street. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um knapp 11 Prozent zu.

Während der S&P 500 seine Verluste aus den schwankungsreichen ersten Monaten des Jahres damit wieder wettgemacht hat, besitzen Bankaktien an der Wall Street allerdings noch weit mehr Erholungspotential. Der KBW Nasdaq Bank Index liegt im Vergleich zum Anfang des Jahres immer noch um fast 10 Prozent im Minus. Finanztitel waren in den ersten Wochen des Jahres uberdurchschnittlich stark gefallen, obwohl viele Banken das profitabelste Jahr seit der Finanzkrise hinter sich haben und auch die Prognosen fur das vierte Quartal weitgehend ubertroffen hatten.

Aber Borsianer furchteten, dass der gefallene olpreis in einer Kettenreaktion nicht nur die Erträge von olproduzenten, sondern auch die Gewinne der Banken schmälern konnte. Amerikanische Banken hatten Kredite an ol- und Gasunternehmen vergeben, die von Ausfällen bedroht schienen. Einige fuhrende Banken, darunter auch JP Morgan Chase, hatten deswegen ihre Ruckstellungen erhoht. Marianne Lake, die Finanzchefin von JP Morgan, hatte die Energiebranche als großten Stressbereich bezeichnet.

Die dunklen Wolken sind nicht vollig verzogen

Die olpreise haben sich seit Mitte Februar aber deutlich erholt, was den Druck auf die Energiebranche linderte. Die Aktienkurse der im S&P 500 abgebildeten Energieunternehmen sind seit der großen Aktienorder von Dimon um mehr als 15 Prozent gestiegen und liegen auch im Gesamtjahr deutlich im Plus. Dennoch sind die dunklen Wolken uber der Finanzbranche nicht vollig verzogen. Sorgen machen Anlegern die weiterhin niedrigen Zinsen. Die amerikanische Notenbank Fed hatte nach ihrer Sitzung in der vergangenen Woche signalisiert, dass es in diesem Jahr nur zwei anstelle der zuvor erwarteten vier Leitzinsanhebungen geben werde. Steigende Leitzinsen gelten als positiv fur Banken, weil dadurch ihre Zinsmargen, also die Differenz zwischen Spar- und Kreditzinsen, steigen.

Steigende Zinsen sind zudem ein Indiz fur einen Wirtschaftsaufschwung. Davon profitieren Banken, weil sowohl Unternehmen als auch Privatleute mehr Kredite nachfragen und auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass diese Darlehen schließlich wieder zuruckgezahlt werden. Wirtschaftswachstum und die daraus resultierende Aussicht auf wachsende Gewinne von Unternehmen schlagen sich zudem in steigenden Aktienkursen nieder. Das wiederum stutzt das Geschäft der Wall-Street-Banken, die junge Unternehmen an die Borse bringen und etablierteren Firmen helfen, mit der Emission von Wertpapieren Kapital aufzunehmen.

Die Fed hatte die Leitzinsen im Dezember leicht angehoben. Die nach der jungsten Sitzung deutlich gewordene Zuruckhaltung der Fed ist die Folge latenter Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum und die zuletzt starken Schwankungen an den Finanzmärkten. Das birgt nach den Worten der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen Risiken fur die amerikanische Volkswirtschaft.

Die Aktienkurse der Banken reagierten auf die Zinspause der Fed zunächst mit Einbußen, setzen dann aber ihren Erholungskurs fort. Skeptische Analysten fuhrten das auf Aktienruckkäufe großer Banken zuruck. JP Morgan hatte am Donnerstag ein großes Ruckkaufprogramm eigener Aktien angekundigt. Die Bank of America hat am Freitag ihre Ruckkaufpläne ausgeweitet. Marktanalystin Gina Sanchez, Vorstandsvorsitzende des Wertpapierhauses Chantico Global, glaubt deswegen nur an eine kurzfristige Erholung. „Das ist nicht langfristig, es wird nur als Handelsstrategie halten“, sagte Sanchez dem Wirtschaftssender CNBC. „Da die Fed praktisch fur eine Weile in der Warteschleife ist, ist der Aufschwung der Bankaktien schon vorbei“, meint Sanchez. Solange nicht von besseren Zinsmargen die Rede sei, werden die Aktienkurse der Banken „wahrscheinlich“ nicht mehr stark steigen.

Auch der bekannte Anleiheinvestor Bill Gross, der einen Fonds des Vermogensverwalters Janus verwaltet, warnte angesichts niedriger Zinsen vor dem Kauf von Bankaktien. „Bank/Finanz scheint entweder ein Sektor zu sein, der nach Kauf schreit, oder ein permanent geschädigtes Opfer von Abschreibungen, schärferer Regulierung und deutlich niedrigeren Margen in der Zukunft. Ich votiere fur Letzteres“, schrieb Gross. JP Morgan-Chef Dimon, der offenbar anders denkt, hat inzwischen einen Buchgewinn von rund 2,4 Millionen Dollar gemacht. Der Aktienkurs von JP Morgan, der nicht ganz so stark gefallen war wie der Rest der Branche, ist seit Bekanntwerden seines Kaufs um 9 Prozent gestiegen.

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