Unfruchtbarkeit: Die Psyche leidet nach schwieriger Zeugung

Published 07/08/2015 in Medizin, Wissen

Ist die Mutter unfruchtbar und muss deshalb behandelt werden, haben die so gezeugten Kinder später oft psychische Störungen – das belegt eine große dänische Studie.

Nachkommen von Muttern, die Schwierigkeiten hatten, ein Kind zu empfangen, und wegen Unfruchtbarkeit behandelt wurden, haben ein signifikant hoheres Risiko, psychisch krank zu werden. Diesen Zusammenhang stellte jetzt ein Forscherteam der dänischen Krebsforschungsgesellschaft in Kopenhagen fest. Anhand der Daten von nahezu zweieinhalb Millionen Kindern, die zwischen 1969 und 2006 geboren worden waren, gelang es, fast luckenlos festzustellen, welche Mutter wegen Fertilitätsproblemen behandelt worden waren. Funf Prozent aller Kinder dieses Kollektivs stammten von solchen Patientinnen ab.

Im Mittel wurden die Diagnosen der Kinder bis ins junge Erwachsenenleben ausgewertet. Unter den psychiatrischen Erkrankungen kamen Schizophrenie, affektive Storungen wie Depressionen, die Hyperaktivitätsstorung ADHS und Abweichungen der psychischen Entwicklung deutlich häufiger vor als in der Vergleichsgruppe der Nachkommen von Muttern ohne Fertilitätsprobleme („Human Reproduction“, doi: 10.1093/humrep/dev172).

Großeres Risiko

Das Risiko dieser Kinder, wegen irgendeiner psychischen Storung aufzufallen, war im Mittel um 23 Prozent großer. Die Bandbreite der Risikoerhohung reichte von sechs bis 46 Prozent, sie betrug bei ADHS beispielsweise 36 Prozent. Hyperaktivitätsstorungen wie auch Autismus und geistige Entwicklungsverzogerungen waren bereits in fruheren Studien mit einer Behandlung wegen Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht worden.

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Allerdings waren diese Beobachtungen bisher noch nie in einem so großen Kollektiv uberpruft worden. Ob die Art und Weise der Infertilitätstherapie – bloße Hormongaben oder kunstliche Befruchtung im Reagenzglas – einen Einfluss hatte, konnte die vorliegende Studie nicht klären. Offen ist auch, ob die Unfruchtbarkeit als solche oder die Manipulationen während der Behandlung selbst fur das erhohte Risiko verantwortlich sind.

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