Finanzmärkte glauben nicht an Ansteckungsgefahr

Published 29/06/2015 in Eurokrise, Griechenland, Wirtschaft

Der Anleihenmarkt reagiert negativ auf die Zuspitzung der griechischen Krise. Die Kurse südeuropäischer Anleihen fallen. Doch von Sorgen um eine Ansteckung ist nicht viel zu sehen.

Der europäische Anleihenmarkt reagiert deutlich auf die Zuspitzung der griechischen Krise. Nordeuropäische Anleihen sind gefragt, Papiere aus Krisenländern werden verkauft. Indes bleibt das Ausmaß der Reaktion eher moderat.

Nur die Kurse griechischer Staatsanleihen scheinen stark unter Druck zu stehen. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen, die sich aus Nominalzins und Kurswert errechnet, ist sprunghaft um fast 4 Prozentpunkte auf 14,3 Prozent gestiegen. Die Prämien für Ausfallabsicherungen auf griechische Staatsanleihen (sogenannte Credit Default Swaps, CDS) sind um rund das Viereinhalbfache auf rund 9200 Punkte gestiegen.

Das bedeutet, dass es 920.000 Euro kostet, eine Million Euro an greichischen Staatsschulden abzusichern. Dabei liegt dem Vertrag eigentlich zugrunde, dass selbst bei einer Pleite 400.000 Euro zurückkämen. Offenbar gehen die Händler davon aus, dass die tatsächliche Rate dies nicht erreichen würde.

Allerdings ist die Aussagekraft dieser Zahlen gering. Zum einen werden griechische Staatsanleihen praktisch nicht mehr gehandelt. Zudem lag die Rendite 2012 vor dem Schuldenschnitt bei rund 29 Prozent. Auch war die Absicherungsprämie auf die Anleihen des Landes schon seit langem die höchste weltweit – höher noch als die für die Ukraine.

Blickt man auf die Renditen anderer unsicherer Kandidaten aus Europa, so entspannt sich die Lage zusehends. Für Staatspapiere aus Portugal, Italien und Spanien klettern die Renditen um 24 bis 34 Basispunkte (also 0,24 bzw. 0,34 Prozentpunkte). Verglichen mit dem Jahr 2011, als der Währungsraum während der Eurokrise auseinanderzubrechen drohte, sind diese Bewegungen aber immer noch moderat.

Zudem sind nicht nur Euroländer betroffen. So stieg auch die Rendite der rumänischen zehnjährigen Staatsanleihe mit 22 Basispunkten deutlich.

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Auf der anderen Seite haben deutsche Bundesanleihen als „Hort der Sicherheit“ Zulauf. Im Gegenzug fällt die Rendite um 0,13 Prozentpunkte auf 0,79 Prozent. Doch auch dies ist keine besonders ausgeprägte Bewegung.

Der Markt sei risikoscheu, sagte Lyn Graham-Taylor, Stratege bei der Rabobank der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Markt werde erkennen, dass Griechenland die Union noch nicht verlassen habe und es gebe Anzeichen, dass es dabei bleiben solle. Auch Vincent Chaigneau, Stratege bei der Société Générale erwartet eine Stabilisierung. Wenn die Griechen das Angebot der Kreditgeber akzeptierten, könnten die Gespräche wieder aufgenommen werden.

Märkte glauben nicht an Destabilisierung des Euroraums

Derzeit gehen die Märkte darauf, dass es auch im Falle des befürchteten Grexit, also des Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro, nicht zu einer Destabilisierung der Währungsunion kommt.

Die ausländischen Banken hätten ihr Engagement in Griechenland in den vergangenen Jahren massiv zurückgefahren, schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer unter Berufung auf Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Insofern sollte man einen Grexit nicht mit der Lehman-Pleite vergleichen. Auch werde es keinen Bankensturm in Spanien oder Italien geben. Die Bürger wüssten, dass Griechenland politisch und wirtschaftlich ein Sonderfall sei. Dafür spreche auch, dass dies auch ausgebleiben sei, als im März 2013 ein Austritt Zyperns aus der Währungsunion zum Greifen nahe gewesen sei.

Bruno Cavalier, Chefvolkswirt von Oddo &amp- Cie rechnet gleichfalls nicht mit einer Ansteckung. Es gebe mittlerweile einen großen Abstand zwischen dem zahlungsunfähigen, in der Rezession steckenden und politisch wie sozial instabilen Griechenland und anderen schwachen Euroraum-Ländern wie Portugal. Zudem verfüge die EZB über Mittel, um gegen ein starkes Auseinanderklaffen der Renditen vorzugehen, sollten es zu Exzessen kommen.

Selbst das schlimmste Szenario werde die Erholung der Eurozone nicht aus dem Tritt bringen, so Wouter Sturkenboom, Investmentstratege bei Russell Investments. Das Ansteckungsrisiko sei nicht hoch, da kein anderes Euroland derartige Liquiditätsprobleme habe.

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