Renten-ETFs sind auf dem Siegeszug

Published 18/05/2015 in Finanzen, Fonds & Mehr, Fondsbericht

Renten-ETFs sind auf dem Siegeszug

Bei Anlegern sind nicht nur börsengehandelte Indexfonds auf Aktien beliebt. Auch ein Drittel der besten Rentenfonds ist passiv. Neben geringeren Kosten spricht die Wertentwicklung für sie.

An den Anleihemärkten hat sich gerade in jüngster Vergangenheit einiges getan. Die Kurse vieler Staatsanleihen in Europa sind unter Druck geraten. Im Gegenzug sind die Renditen gestiegen. Zehnjährige Bundesanleihen zum Beispiel rentieren aktuell mit 0,65 Prozent. Im Rekordtief war die Rendite Mitte April bis auf 0,049 Prozent gefallen. Zugenommen hat dabei auch das Zinsgefälle zum Beispiel zu einem Land wie Italien und damit die Risikoscheu der Anleger. Zehnjährige italienische Staatspapiere rentieren nun mit rund 1,9 Prozent. Denn die Anleihekurse sind hier noch deutlicher gefallen.

Das alles hat sich natürlich in der Wertentwicklung der besten Rentenfonds mit Anlageschwerpunkt Europa niedergeschlagen. Ging es in den vergangenen Wochen in den verschiedenen Ranglisten, die das Analysehaus Lipper regelmäßig für diese Zeitung erstellt, in der Regel nur aufwärts, ist nun der Wertzuwachs in allen drei relevanten Zeiträumen geschmolzen. Die 179 Fonds des Anlageuniversums liegen binnen drei Jahren nun im Durchschnitt nicht mehr 20 Prozent im Plus, sondern nur 18 Prozent. Ähnlich sieht es auf Jahressicht aus. Hier ist der durchschnittliche Wertzuwachs von 9 auf 6 Prozent gefallen und binnen sechs Monaten von 4 auf 2 Prozent.

Neueinsteiger fast durchweg Indexfonds

An der Spitze hat sich dagegen nicht viel getan. Dies gilt für den Wertzuwachs – der Spitzenreiter liegt noch immer gut 36 Prozent im Plus – und für die Zusammensetzung der Bestengruppe. Führend bleiben zwei börsengehandelte Indexfonds (ETF). Dabei haben der nun erstplazierte db x-trackers II iBx Sov EZ Yld+ von der zur Deutschen Bank gehörenden Deutschen Asset &amp- Wealth Management und der Amundi ETF GovBd Low Rated Euro MTS der gleichnamigen französischen Gesellschaft einfach die Plätze getauscht. Dies gilt auch für den nun drittplazierten Kepler Europa Rentenfonds A und den auf Rang vier folgenden Deka-Nachhaltigkeit Renten CF (A).

Doch daneben hat sich einiges getan. Sieben Fonds sind neu dabei. Der höchste Neueinsteiger ist der iShares Spain Government Bond Ucits ETF auf Rang fünf, zweithöchster Aufsteiger ist der Lyxor Ucits ETF Euro MTS All-Maturity Inv. Dies wirft auch ein Schlaglicht auf die übrigen Veränderungen der Bestenliste. Sechs der sieben Neueinsteiger sind börsengehandelte Indexfonds wie zudem die beiden Spitzenreiter. Insgesamt machen diese passiven Fonds ein Drittel der Bestenliste aus und haben damit etliche aktive Fonds in ihrer Wertentwicklung in den Schatten gestellt, die zudem meist viel höhere Gebühren verlangen. Zuletzt waren nur vier ETF unter den 30 besten.

Ihre Beliebtheit spiegelt sich auch in verschiedenen Studien. Nach Daten des Marktführers Blackrock – ihm gehört die Marke iShares – haben Anleger auf der ganzen Welt inzwischen die Rekordsumme von 2,92 Milliarden Dollar (rund 2,6 Milliarden Euro) in diese Indexprodukte investiert. Das stärkste Wachstum trete derzeit in Europa zutage. Gemessen am verwalteten Vermögen, habe die Branche hier im April erstmals die Schwelle von 500 Milliarden Dollar überschritten. Auch wenn der Monat etwas schwächer gewesen sei als der März, bleibe das Gesamtjahr 2015 auf Rekordkurs.

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Gefragt sind nicht nur breit investierende Aktienindexfonds (Nettozufluss im April 10,4 Milliarden Dollar). Auch passive Anleiheprodukte vor allem auf Unternehmenspapiere seien sehr populär, sagt Blackrock. Auf der ganzen Welt hätten Anleihenindexfonds zuletzt einen Zufluss von 9,9 Milliarden Dollar verbucht. In Europa hingegen seien Anleihe-ETF bei Anlegern zuletzt besonders gefragt gewesen, während Aktienindexfonds sogar Abflüsse verzeichnet hätten, heißt es zudem von der Deutschen Bank. Doch das Bild ist hier verzerrt. Im April hat ein einziger und zudem der größte Dax-ETF, der iShares Core Dax, durch den Abzug von Anlegergeld rund 3,5 Milliarden Euro verloren. Derzeit beträgt das Volumen etwa 8,5 Milliarden Euro. Binnen eines Jahres sollen insgesamt 10 Milliarden Euro abgeflossen sein.

Auch Umfragen unter Anlegern offenbaren die Beliebtheit der Indexfonds. Mehr als zwei Drittel der professionellen Investoren und Berater in Europa setzt ETF in den verwalteten Portfolios ein. Dies ergibt eine Umfrage unter gut 750 Fachleuten aus elf Ländern, durchgeführt von Source, Indexfondsanbieter. Bei einem Drittel der Investoren seien passive Fonds unter den größten drei Positionen im Portfolio zu finden. Rund 10 Prozent des von ihnen verwalteten Vermögens sei in den Indexprodukten angelegt. Dabei sei Deutschland eines der Länder, in denen diese am meisten genutzt würden.

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