IAB-Studie: Jeder zweite Arbeitslose taugt nur als Helfer

Published 16/06/2014 in Wirtschaft, Wirtschaftspolitik

IAB-Studie: Jeder zweite Arbeitslose taugt nur als Helfer

Die Probleme am deutschen Arbeitsmarkt treten immer drastischer zu Tage. Fast die Hälfte aller Arbeitssuchenden kommt nur für Hilfsarbeiten in Frage. Doch die sind immer weniger gefragt.

Die Probleme am deutschen Arbeitsmarkt treten immer drastischer zu Tage. Zwar gibt es trotz guter Konjunktur immer noch rund 4 Millionen Arbeitssuchende. Doch fast die Hälfte (45 Prozent) davon kommt lediglich für eine geringqualifizierte Tätigkeit in Frage. Und solche Hilfsarbeiten sind im modernen Wirtschaftsleben immer weniger gefragt. Sie stellen nur noch 14 Prozent aller Arbeitsplätze dar. Die Folge: Vielerorts passen Angebot und Nachfrage nicht mehr zusammen. Vor allem im Ruhrgebiet und in Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote unter Un- und Angelernten mit Werten zwischen 30 und 40 Prozent extrem hoch, wie aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

Demnach ist die Lage am Helfermarkt in Westdeutschland vor allem in Gelsenkirchen, Herne, Duisburg, Recklinghausen, Dortmund und Oberhausen besonders angespannt. Und in Ostdeutschland ist die Situation mit Ausnahme einiger Grenzregionen in Thüringen fast durchgehend kritisch. In all diesen Regionen ist auch die allgemeine Arbeitslosigkeit relativ hoch. Dass es auch anders geht, zeigen die Beispiele Baden-Württemberg und vor allem Bayern. Im Freistaat befinden sich 29 der 34 Landkreise, die eine Arbeitslosenquote für Helfer von unter 10 Prozent aufweisen. In diesen Regionen herrscht häufig Vollbeschäftigung (weniger als 4 Prozent Arbeitslosigkeit).

Aus Zeitarbeitsunternehmen etwa ist zu hören, dass dort kaum noch zuverlässige Hilfsarbeiter zu finden sind. Das gute Abschneiden liegt vor allem an den zahlreichen Produktionsstandorten in Süddeutschland. Die Industrie steht laut IAB für jeden vierten einfachen Arbeitsplatz in Deutschland. Es folgen die unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen Logistik und Reinigung mit gut einem Fünftel. Auch die Zeitarbeit, die Landwirtschaft und das Gastgewerbe bieten Menschen mit geringer formaler Bildung noch Beschäftigungsperspektiven.

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Der Studie zu Folge existiert derzeit ein Kern von rund 4 Millionen sozialversicherten Arbeitsplätzen mit Helferanforderung. „Diese werden besonders im Produzierenden Gewerbe sowie in den unternehmens- und personenbezogenen Dienstleistungen auch zukünftig benötigt“, schreiben die Autoren. Dennoch stelle das Ungleichgewicht im Helfermarkt eine „zentrale arbeitsmarkt- und bildungspolitische Herausforderung“ in der Zukunft dar. Zum einen gelte es, den Zustrom von neuen Geringqualifizierten auf den Arbeitsmarkt zu bremsen. Dazu gehörten weniger Schul- und Ausbildungsabbrecher und eine bessere Berufsorientierung. Zum anderen müsse Arbeitslosen etwa durch Teilqualifikationen der Weg in die Weiterbildung erleichtert werden.

In Sachsen etwa laufen derzeit entsprechende Modellversuche. Zum einen hat sich dort die Arbeitsagentur mit den Industrie- und Handelskammern im April darauf geeinigt, in 15 Ausbildungsberufen Teilqualifikationen einzurichten. So könne der Facharbeiterabschluss in Etappen erreicht werden, sagte Jutta Cordt von der Arbeitsagentur. Häufig scheuten Geringqualifizierte bislang eine Ausbildung, weil diese mit einem längeren Verdienstausfall verbunden sind. Durch die Module fielen die finanziellen Einschnitte weniger hart aus. Außerdem bereiten in Sachsen an 50 Schulen sogenannte Praxisberater die Siebtklässler individuell auf das Berufsleben vor. Dadurch soll die Abbrecherrate gesenkt werden.

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