
„Wenn das Kind da ist, reduziere ich meine Stundenzahl.“ Diese Aussage treffen in deutschen Familien noch immer vor allem die Frauen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Väter gehen fast nie in Teilzeit.
Die Familienarbeit ist in Deutschland zwischen Müttern und Vätern noch immer höchst ungleich aufgeteilt – selbst in den Familien, in denen die Frauen grundsätzlich berufstätig sind. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Teilzeitarbeit. Im Jahr 2012 arbeiteten in Deutschland mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der erwerbstätigen Mütter auf Teilzeitbasis, bei den erwerbstätigen Vätern waren es dagegen nur 5 Prozent. Die Werte stammen aus Daten des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Deutschland und Europa.
Das Thema Teilzeitarbeit hatte zuletzt in Deutschland wieder große Debatten ausgelöst: Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) möchte diese Beschäftigungsform von Eltern fördern und deshalb das Elterngeld länger auszahlen, wenn Mütter und Väter in Teilzeit arbeiten gehen. Mit dem so genannten „Elterngeld Plus“ will die Ministerin vor allem grundsätzlich eine frühe Rückkehr in den Beruf attraktiv machen.
Die Erwerbsmuster von Müttern waren bislang regional sehr unterschiedlich verteilt, berichtete das Statistische Bundesamt weiter. So war 2012 die Teilzeitquote der Mütter im Westen mit 75 Prozent deutlich höher als bei den Müttern im Osten (44 Prozent). Bei den erwerbstätigen Vätern verhielt es sich umgekehrt, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau: 2012 arbeiteten im Osten knapp 8 Prozent der erwerbstätigen Väter in Teilzeit, im Westen waren es 5 Prozent.
Betrachtet wurden Mütter und Väter im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt zusammenleben und in der Woche vor der Befragung „aktiv erwerbstätig“ waren, also tatsächlich gearbeitet haben.
Männer und Frauen sind aber mit dieser ungleichen Aufteilung ihrer Arbeitszeiten in Summe durchaus nicht unzufrieden. Das hat bereits eine frühere Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gezeigt: Während Männer, die Vollzeit arbeiten, mit ihren Arbeitszeiten annähernd glücklich sind, möchten vollzeitbeschäftigte Frauen am liebsten zwei Wochenstunden weniger am Arbeitsplatz verbringen.
Teilzeitbeschäftigte Frauen sind dagegen offenbar in geringerem Maße unzufrieden mit ihrer Situation als Männer mit reduzierten Arbeitszeiten. Männer in solchen Beschäftigungsverhältnissen wollen ihre Arbeitszeit im Durchschnitt sehr stark erhöhen, Frauen wünschen sich eine etwas weniger starke Erhöhung der Wochenstundenzahl.
