Familie

Alte Väter: Das ist nicht mein Opa, das ist mein Papa

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Nicht nur Promis wie Ulrich Wickert tun es: Immer mehr Männer über 50 werden Vater, zum wiederholten oder auch zum ersten Mal. Ist das schlimm? Drei Kinder und zwei alte Väter erzählen.

Dass ihr Vater alt war, bemerkte Ina Hübener das erste Mal, als sie noch im Kindergarten war. Da kippte er in den Spalt zwischen Sofa und Couchtisch und kam nicht mehr hoch. Er war 81.

„Mir war bewusst, dass er früher sterben würde als die Väter meiner Freundinnen“, sagt die heute 24 Jahre alte Biologiestudentin, „aber er war immer zu Hause, erzählte fesselnde Geschichten und spielte mit mir. Und wenn ich im Sommer in der Hängematte im Garten lag, knotete er eine Wäscheleine daran, setzte sich neben mich in einen Liegestuhl und schaukelte mich, indem er an der Leine zog.“ Ihre Mutter, fünfzig Jahre jünger als ihr Vater, war unterdessen bei ihrer Arbeit in der Stadtverwaltung.

Hübeners Vater war 76 und zum zweiten Mal verheiratet, als sie geboren wurde. Seit sie denken konnte, hatte er graue Haare und ging am Stock. Die Fingerkuppe seines Ringfingers hatte er als Sanitäter der deutschen Wehrmacht bei Gefechten am Roten Meer verloren. Fremde hielten diesen Mann für ihren Opa. Sein Sohn aus erster Ehe – ihr Halbbruder – ist heute 73 und damit im Rentenalter. Findet Hübener es egoistisch von ihrem Vater, dass er wenige Jahre vor seinem Tod noch ein Kind zeugte, wohl wissend, dass er es früh zur Halbwaise machen würde? „Nein“, meint sie, „meine Mutter hat mir kürzlich mal erzählt, dass mein Vater sich ganz sicher war, dass er 84 werden und in meinen ersten acht Lebensjahren für mich würde da sein können. Und genau so ist es dann auch gekommen.“

Mit acht Jahren am Grab des Vaters

Doch dann beginnt sie unvermittelt zu weinen. Unter Tränen sagt sie: „So sehr ich ihn geliebt habe, es hat Momente gegeben, in denen ich mir einen jüngeren Vater gewünscht habe. Vor allem mit acht, als ich an seinem Grab stand.“

Sollte man als alter Mann noch ein Kind zeugen? Oder ist das unverantwortlich? Die Gesellschaft hat diese Frage längst für sich beantwortet. Die Zahl der alten Väter steigt hierzulande rasant. Im Jahr 2000 hatte jedes 120. Neugeborene einen Vater, der fünfzig oder älter war. Im Jahr 2012 war es schon jedes 69. Kind. Der demographische Wandel und hohe Trennungsraten sind die Ursache dafür, dass sich immer mehr jüngere Frauen mit älteren Männern zusammentun. Viele alte Papas zeugten ihre jüngsten Kinder in zweiter oder dritter Ehe, so François Höpflinger, Altersforscher und Professor für Soziologie an der Uni Zürich. Ulrich Wickert etwa wurde mit 69 in dritter Ehe noch mal Vater von Zwillingen. Fritz Wepper zeugte mit 70 noch mal ein Kind, Anthony Quinn mit 81. Kann so was gutgehen?

„Auch alte Väter können ihren Kindern am Anfang ihres Lebens das geben, was sie brauchen: Nähe, Liebe, Geborgenheit, Schutz, Trost und Versorgung“, sagt Andreas Eickhorst, Psychologe und Vaterforscher am Deutschen Jugendinstitut in München. In seiner täglichen Arbeit hat Eickhorst viel mit jungen Eltern in prekären Verhältnissen zu tun, und daher ist er sich sicher, dass „das Alter ein unglaublicher Vorteil sein kann“. Alte Väter seien oft deutlich lebenserfahrener als junge, sie hätten sich die Hörner abgestoßen und meist gut überlegt, ob sie noch ein Kind wollten. Auch hätten sie ein großes Netzwerk an sozialen und beruflichen Kontakten, und sie lebten meist in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen und gut funktionierenden Partnerschaften.

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