
Kaum ein Teenager, der nicht unter Akne leidet. Aber es trifft auch Erwachsene. Salben helfen mal mehr, mal weniger. Findet die Medizin denn überhaupt keine Lösung?
Der Impuls ist oft schneller als der wohlgemeinte Rat. „Nicht dran rumquetschen!“, ruft die Mutter dem Teenager nach. Und mahnt Geduld an: „Das sind die Hormone. Das geht vorbei.“ Geht es wirklich?
Schätzungsweise vier von fünf Menschen in den westlichen Industrienationen leiden einmal in ihrem Leben an Akne. Sie ist der häufigste Grund für einen Besuch beim Hautarzt. Mit dem Ende der hormonellen Wirren würden die Pickelattacken schon von allein nachlassen, dachte man lange Zeit. Doch seit einigen Jahren beobachten Dermatologen, dass eine spezielle Gruppe von Patienten wächst. Es sind Erwachsene, meist Frauen von 25 Jahren und älter, die in ihrer Jugend zum Teil, aber nicht zwingend Probleme mit der Haut hatten. Erst im Berufsleben oder noch später holen die Pickel sie ein.
„Akne tarda“, „postadoleszente Akne“ oder schlicht Frauen-Akne heißt das dann. Schätzte man früher noch, dass nur etwa fünf Prozent der älteren Frauen betroffen sind, gehen Experten jetzt von bis zu 15 Prozent aus. Wie alle Betroffenen leiden sie vor allem seelisch unter dem äußerlichen Makel. Das kann bis zu krankhaften Störungen der Körperwahrnehmung gehen. In einem kürzlich veröffentlichten Papier fordert eine internationale Forschergruppe, für diese Frauen besondere Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Stillstand auf dem Feld der Aknetherapie
Das ist leichter gefordert als umgesetzt. Denn grundsätzlich herrscht auf dem Feld der Aknetherapie Stillstand. Wer zuletzt vor zwanzig Jahren einen Blick auf die Behandlungsoptionen geworfen hat, trifft heute nur auf alte Bekannte. Die Wirkstoffe sollen die Poren befreien, die Haut entfetten, Entzündungen hemmen oder Bakterien töten. Benzoylperoxid gilt als Klassiker. Azelainsäure und Adapalen sind noch die jüngsten Salbenwirkstoffe, sie kamen 1991 und 1996 auf den Markt. Von dem guten Dutzend verschiedener Cremes, die auf Rezept erhältlich sind, enthalten zwei Drittel ein Antibiotikum, meist Erythromycin.
In fünf Salben steckt eine Kombination zweier Wirkstoffe, zum Beispiel Erythromycin plus Vitamin-A-Säure. Und obwohl sich Hautärzte durchaus zu der Feststellung verführen lassen, Akne sei heilbar, helfen alle diese Mittel nur bedingt. Wenn es gut läuft, senken sie die Zahl der Pickel und Knötchen nach drei Monaten konsequenten Cremens etwa um die Hälfte. „Wer zu Akne neigt, hat auch nach einer solchen Behandlung oft noch Probleme“, sagt Alexander Nast von der Universitätsklinik Charité in Berlin. Der Dermatologe leitet die Arbeitsgruppe für evidenzbasierte Medizin in der Dermatologie.
Die Verschreibung der Pille gegen Pickel gilt als zweifelhaft
Im vergangenen Jahr hat Nast mit Kollegen die erste europäische S3-Leitlinie für die Behandlung von Akne veröffentlicht, also eine Vorgabe auf Basis wissenschaftlicher Studien. Auch sie bietet nicht viel Neues, eher schränkt sie die Optionen weiter ein: Die für Frauen übliche Verschreibung einer Pille mit einem gegen Akne wirksamen Gestagen gilt als zweifelhaft. Die Präparate können zwar helfen, erhöhen aber das Risiko von Thrombosen. Vor allem die Akne-Pille Diane 35 stand wegen des Verdachts in der Kritik, für Todesfälle verantwortlich zu sein. Zu Antibiotika, insbesondere den geschluckten, wird ebenfalls nur noch bedingt geraten.
