Empörung über erniedrigende Behandlung von Flüchtlingen

Published 18/12/2013 in Ausland, Home, Politik

Empörung über erniedrigende Behandlung von Flüchtlingen

Heimliche Aufnahmen aus dem Flüchtlingslager auf Lampedusa zeigen Männer, die sich reihenweise im Freien nackt aufstellen müssen. Ministerpräsident Letta will die „schlimmen Bilder“ überprüfen lassen.

Mit versteckter Kamera haben Migranten auf der italienischen Insel Lampedusa Bilder aufgenommen, deren Veröffentlichung am Dienstagabend für Aufregung sorgt. Die Aufnahmen aus dem Auffanglager zeigen junge Männer, die sich auf offenem Platz vor einer Mauer und den Augen weiblicher Flüchtlinge und Mitarbeiterinnen nackt entkleiden, um abgeduscht zu werden. Im italienischen Fernsehsender TG2 sagte der Mann, der die Aufnahmen mit der Handy-Kamera machte, er sei seit drei Monaten im Lager und erlebe diese Szenen immer wieder, wenn neue Flüchtlinge an Land gekommen seien.

Den gerade sicher Gestrandeten werde gesagt, diese Dusche solle sie desinfizieren. Aber in dem Amateurbeitrag sagte der Migrant: „Sie behandeln uns wie Tiere“. Die Bürgermeisterin der Insel Giusi Nicolini reagierte entsetzt: Die Bilder zeigten eine „Art Konzentrationslager“. Sie seien der Beweis dafür, dass Italien sein Aufnahmesystem ändern müsse.

Alfano: Wer daran schuld ist, wird dafür bezahlen

In Rom prangerte Ministerpräsident Enrico Letta die „schlimmen Bilder“ an. Er will nun klären lassen, wer für das Vorgehen verantwortlich ist. Innenminister Angelino Alfano sagte: „Wer daran schuld ist, wird dafür bezahlen“. Alfano beauftragte die Staatsanwaltschaft von Agrigent, ein Verfahren gegen die Organisation zu eröffnen, die das Lager betreibt.

Der UN-Flüchtlingsrat UNHCR forderte, Italien solle das Problem „rasch“ in den Griff bekommen und das schwere Los der Flüchtlinge ernst nehmen. „Seit Jahren“ fordere die UN vergeblich von Italien, dass die Migranten rasch aus dem zu kleinen Lager der Insel aufs Festland gebracht würden.

Im Oktober hatten die Behörden nach dem Tod von 500 Migranten vor der Küste Besserung im Umgang mit den Flüchtlingen angekündigt. Papst Franziskus hatte im Sommer die Insel besucht und die Welt aufgefordert, den verlassenen und geschundenen Bruder nicht länger im Stich zu lassen.

Malmström: Erschreckend und inakzeptabel

In Brüssel äußerte die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström, die Bilder seien „erschreckend und inakzeptabel“. Die EU werde Italien um mehr Informationen „über dieses Geschehen bitten und darum, das ganze Geschehen aufzuklären“. Es gebe bereits Untersuchungen über unangemessene Bedingungen auch in anderen Lagern Italiens. Malmström äußerte, die EU werde sich nicht davor scheuen, mit rechtlichen Maßnahmen darauf zu dringen, dass Italien die EU-Standards „voll respektiert“.

Das moderne Lager wird von einer staatlich kontrollierten privaten Firma betrieben- es war zunächst für 400 Menschen ausgelegt worden, bietet aber nach einem Brand derzeit nur für etwa 250 Menschen Platz. Immer wieder aber halten sich dort bis zu 1000 Migranten auf.

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