Große Razzia im Ruhrgebiet: Nadelstiche in der Nacht

Published 13/01/2019 in Inland, Politik

Große Razzia im Ruhrgebiet: Nadelstiche in der Nacht
Rund 1300 Polizisten waren in Nordrhein-Westfalen im Einsatz.

Mit über Tausend Beamten führte die Polizei in Nordrhein-Westfalen die größte Razzia gegen Clan-Kriminalität in der NRW-Geschichte durch. Vor allem Wettbüros, Cafés, Teestuben und Shisha-Bars waren ein erklärtes Ziel der Behörden.

Es ist kurz nach 21 Uhr am Samstagabend, als eine lange Reihe von Kleinbussen der Polizei, des Zolls und des Ordnungsamts durch Bochum rauscht und die Häuserzeilen in ein zuckendes Blau taucht. Ziel der Beamten ist die Brüderstraße im Vergnügungsviertel der Stadt. Das „Bermudadreieck“ ist eigentlich ein friedliches, quirliges Kneipenviertel. Doch seit eineinhalb Jahren verändert sich die Gegend. In der Brüderstraßen schlossen auf nur etwas mehr als 100 Metern in den vergangen eineinhalb Jahren viele traditionelle Lokale- stattdessen machten überall sogenannte Shisha-Bars auf. In Bochum, wo Clan-Kriminalität bisher keine große Rolle spielt, war man alarmiert. Aus Nachbargroßstädten im Ruhrgebiet wie Dortmund und Essen ist bekannt, dass Wasserpfeifen-Bars kriminellen Familien-Clans häufig dazu dienen, ihre Rauschgift- oder Schwarzgeldgeschäfte abzuwickeln.

Deshalb gibt es in Bochum nun immer wieder konzertierte Nadelstiche gegen die Szene, siebzehn Mal schon haben Polizei, Zoll und Ordnungsamt in den vergangenen eineinhalb Jahren die Lokale kontrolliert. Die Methode ist, niederschwellig einzugreifen. Denn wenn die Behörden schon kleine Ordnungswidrigkeiten wie den Verstoß gegen das Nichtrauchergesetz konsequent ahnden, senden sie nicht nur ein unmissverständliches Signal an die Szene, dass der Staat genau hinschaut. Vielmehr fungieren die beteiligten Behörden auch als Türöffner füreinander. Alleine hätten weder Polizei, noch Zoll, Steuerfahndung oder Ordnungsamt eine Chance, in die geschlossene Gesellschaft einzudringen.

Bei gemeinsamen Einsätzen aber kommt oft eins zum anderen: Die Leute vom Ordnungsamt stellen in einer Shisha-Bar eine gefährliche Kohlenmonoxidkonzentration fest, der Zoll stößt auf unversteuerten Tabak, die Steuerfahndung findet große Mengen Bargeld mit ungeklärter Herkunft, und die Bereitschaftspolizei nutzt den Einsatz für eine systematische Personenkontrolle und stößt auf Verdächtige, die mit Haftbefehl gesucht werden. Auch am Samstagabend gehen die Behörden demonstrativ gemeinsam vor, integraler Bestandteil des Konzepts ist auch, dass der Staat ein klares Zeichen setzt: Ein Dutzend Mitarbeiter der beteiligten Behörden marschiert in eine besonders aufwändig ausgestattete Bar namens „Huqqa“. Derweil sichern Bereitschaftspolizisten die Eingänge des Lokals. Auf der mit Heizpilzen versehenen Terrasse saugen junge Gäste im Neonlicht scheinbar gelangweilt an ihren Wasserpfeifen.

„Bei uns gilt nicht das Gesetz der Familie, sondern das Gesetz des Staates.“

Der Einsatz der Ordnungshüter ist Teil einer großangelegten Razzia, die sechs Polizeibehörden im Ruhrgebiet am Samstagabend jeweils um Punkt 21 Uhr in Wettbüros, Cafés, Teestuben und Shisha-Bars begonnen haben. Rund 1300 Polizisten sind in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Bochum und einigen weiteren Städten in der näheren Umgebung im Einsatz. Hinzu kommen einige hundert Mitarbeiter anderer Behörden wie des Zolls und der Ordnungs- und Gewerbeaufsichtsämter oder der Feuerwehr. Aus früheren Einsätzen wissen die Behörden: Weil Mitglieder der Familien-Clans im ganzen Ruhrgebiet vernetzt sind, muss möglichst gleichzeitig zugeschlagen werden, um den Überraschungseffekt nutzen zu können.

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