Erste Geburt aus Gebärmutter einer toten Spenderin

Published 07/12/2018 in Familie, Gesellschaft, Gesundheit, Medizin, Wissen

Erste Geburt aus Gebärmutter einer toten Spenderin

 
In einer über zehnstündigen OP wurde einer 32-Jährigen in Brasilien der Uterus einer verstorbenen Spenderin eingepflanzt (imago / Science Photo Library)

Medizinische Weltpremiere: Erstmals ist ein Kind geboren worden, dessen Mutter die Gebärmutter einer Verstorbenen transplantiert bekommen hatte. Bislang waren solche Transplantationen nur erfolgreich, wenn der Uterus von einer lebenden Spenderin stammte. Doch der Weg zu einem Routineeingriff ist noch weit.
Von Christine Westerhaus
 

Bis zu Vincents Geburt hatten Frauen ohne eigenen Uterus nur die Chance auf eine Adoption, oder sie gingen den meist illegalen Weg über eine Leihmutter. Doch inzwischen sieht es anders aus. Der Schwede Mats Brännström vom Sahlgrenska Universitätskrankenhaus in Göteborg war der erste, der diese aufwändige Operation 2013 am Menschen wagte. Und er war bei mehreren weiteren Transplantationen auf der ganzen Welt dabei. Inzwischen hat sogar er Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten.

„Vier Kinder wurden inzwischen im Ausland geboren. Nein, es waren fünf! 2014 waren es drei in Schweden, dann 2015 und 2017 noch mal fünf Babys. Und zwei der operierten Frauen haben jeweils zwei Kinder geboren. Insgesamt sind es also acht in Schweden plus fünf Kinder im Ausland.“

Uterus einer toten Spenderin
Eines dieser insgesamt 13 Kinder ist in der Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin herangereift. Ob das funktionieren würde, war zuvor lange unklar. Viele Ärzteteams, die diese Transplantation versuchten, sind gescheitert: Der verpflanzte Uterus musste nach wenigen Tagen, manchmal schon Stunden nach der OP wegen Blutungen oder anderen Komplikationen entfernt werden. Erst 2017 hatte ein brasilianisches Team um den Chirurgen Dani Ejzenberg vom Krankenhaus der Universität São Paulo Erfolg.

„Wir haben mit einem professionellen Team in einem Zentrum gearbeitet, das auf Transplantationen spezialisiert ist. Und wir haben vorher ein intensives Training absolviert, auch zusammen mit Professor Brännström und seinem Team. Ich glaube aber, dass auch einfach Glück mit im Spiel war. Denn die Patientin wurde auch schon nach dem ersten Befruchtungsversuch schwanger.“

Riskanter Eingriff für Lebendspenderinnen
Dass es nun möglich ist, die Organe verstorbener Spenderinnen zu verpflanzen, gibt vielen Frauen Hoffnung. Denn bisher waren sie darauf angewiesen, im Freundes- oder Familienkreis eine Spenderin zu finden, deren Blutgruppe übereinstimmt. Und die bereit ist, ihre Gebärmutter über einen riskanten Eingriff zu spenden. Dani Ejzenberg:

„Ich denke, das ist der wichtigste Vorteil, dass wir die Spenderin keinem Risiko aussetzen: Denn eine solche Uterus-Entnahme ist keine einfache Gebärmutter-Entfernung, weil auch große Gefäße mit entnommen werden müssen. Es kann zu massiven Blutungen kommen und die Spenderinnen sind bis zu 10 Tage danach arbeitsunfähig. Außerdem dauert die Operation sechs Stunden.“

Bei den ersten Transplantationen kam es tatsächlich in Einzelfällen zu Komplikationen. So wurde in einem Fall der Harnleiter einer Spenderin bei der Entnahme verletzt. Und noch ist unklar, welche langfristigen Folgen diese Operation für die Betroffenen hat. Allerdings lief auch beim brasilianischen Team nicht alles glatt. Bei einem anderen Versuch mit dem Organ einer verstorbenen Spenderin scheiterten sie.

„Wir mussten die Gebärmutter zwei Tage nach der Transplantation aufgrund einer Thrombose wieder entfernen.“

Ein Erfolg, aber keine Routineoperation
Dennoch ist Dani Ejzenberg überzeugt, dass der jetzige Erfolg kein Glückstreffer war. Er ist sich sicher, dass in Zukunft weitere Frauen ein Baby im Uterus einer verstorbenen Spenderin austragen werden.

„Wir denken, dass in Zukunft beide Techniken genutzt werden. Die Lebendspende und die Transplantation von Gebärmüttern Verstorbener. Und wenn wir mehr Fälle haben, können wir die Vor- und Nachteile beider Varianten vergleichen. Außerdem werden wir immer mehr dazulernen und gleichzeitig die Operationstechniken verbessern und die Operationszeit verkürzen.“

Denn auch wenn inzwischen 13 Babys nach einer Gebärmuttertransplantation geboren wurden: Von einer Routineoperation ist dieser Eingriff noch ein gutes Stück entfernt.

 
Quelle:
https://www.deutschlandfunk.de/fortpflanzungsmedizin-erste-geburt-aus-gebaermutter-einer.676.de.html?dram:article_id=435113

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14 KommentareKommentieren

  • Joseph - 17/12/2018 Antworten

    Oh mein Gott!! Es ist einfach unglaublich, wie weit Medizin fortgeschritten ist! Es ist kein Geheimnis, dass zurzeit es werden extrem schwere Operationen erfolgreich durchgeführt, aber dass man selbst Uterus verpflanzen kann und zwar einer toten Frau….. das macht mir Gänsehaut, die Macht der Menschen ist alarmierend.

  • Monika 78 - 17/12/2018 Antworten

    Na ja, gegenwärtig kann man sich nämlich jeden Organ oder Teil von Körper transportieren, annähen und erneut funktionieren lassen. Bald wird es für die Menschen alles möglich! So aktiv hier besprochene Themen wie künstliche Fortpflanzungsmethoden und Leihmutterschaft sind schon der Schnee von gestern im Unterschied dazu, was den Menschen nun ermöglicht wurde! Bald wird Science-Fiction zur Wirklichkeit – der Prozess ist nicht aufzuhalten!

  • ChristianPL - 17/12/2018 Antworten

    Nun ist die Menschheit zu dem Punkt gekommen, wo sie das Leben von einem Menschen auf allen Ebenen unterstützen können. Es handelt sich nicht mehr um Behandlung gegen Krankheiten, einfach OPs – es handelt sich um die Ersetzung von menschlichen Organen! Und selbst von den Toten! Wie weit werden wir dann gehen? Es gibt nämlich keine Grenzen für die Menschentätigkeit.

  • Blbwld - 17/12/2018 Antworten

    Tja, Leihmutterschaft ist schon zu einer Routineoperation im Vergleich dazu geworden, worum es sich in diesem Artikel handelt. Schritt per Schritt werden die Ärzte in der Zukunft Kinder vollkommen künstlich produzieren können! Bis dahin, bleibe ich auf dem Punkt, dass die Menschen lieber zu den Reproduktionskliniken wie Biotexcom kommen sollen, wenn sie Problemen mit den reproduktiven Organen haben, als dass sie solche Verfahren, wie Uterusspende von einem gestorbenen eingehen… Dazu kommt, dass Eizellspende und Leihmutterschaft noch lange billiger bleibt, als solche OPs, und dadurch profitieren alle Beteiligten…

  • Sonia - 31/12/2018 Antworten

    Das ist ungläubig! Aber wie kann es sein? Die Ärzte machen Wunder. Das ist ein großer Fortschritt in der Reproduktionsmedizin. Die Zeit bringt mit sich viele Veränderungen in der Welt und in der Medizin. Alles, was früher nur eine Phantastik war, ist heute die Realität. Und das macht Freude aber auch Angst. Was wird weiter sei? Ist es wirklich gut? Die Leihmutterschaft und Eizellspende sind schon eine Art der Kinderwunschbehandlung. Das ist schon in der Welt sehr populär. Und ich denke, das ist nicht so riskant und billiger als oben genannte Operation.

  • Soffi - 02/01/2019 Antworten

    Das ist Wunder.

  • Sonia - 06/01/2019 Antworten

    Ich bin mit Ihnen teilweise einverstanden. Ja. Die Medizin erreichte sehr viel. Das hat die Vor- und Nachteile. Das ist ein Wunder aber… Welche Folgen werden solche Transplantationen in der Zukunft haben? Wird alles gut? Niemand das weiß. Leider kann niemand auf viele Fragen, die dieses Thema betrifft beantworten. Jetzt kann man nur warten. Wir können auch auf Gute hoffen

  • Sascha FM - 14/01/2019 Antworten

    „In einer über zehnstündigen OP wurde einer 32-Jährigen in Brasilien der Uterus einer verstorbenen Spenderin eingepflanzt“ Zitat Ende. Ich habe nichts gegen die Forschungen und Anwendung der neuen Methoden in Medizin, aber ich habe jetzt zweigeteilte Meinung, ob solche OP zweckmäßig sind. Meiner Meinung nach ist die Leihmutterschaft mehr menschlich als die Einpflanzung der Uterus einer verstorbenen Spenderin.

    • Mina - 20/01/2019 Antworten

      Ich stimme dir zu. Ich glaube, dass solche Operationen sehr riskant sind. Ich sehe keinen Sinn der Lebendspende von Gebärmutter. Ich denke, die Frauen sind einfach egoistisch. Sie können Kinder dank Leihmutterschaft oder Adoption bekommen. Solche Uterus-Entnahme hat viele schlechte Folgen für Spenderin.

  • Gun - 28/01/2019 Antworten

    Das ist ein gefährliches Spiel. Die Regierung muss deutliche Grenzen für solche Ärzte setzten, mit dem Leben darf man nicht spielen. Den Kinderwunsch kann man auf andere Weise erfüllen. Die Fortpflanzungsmedizin kann helfen.

  • LarryCat - 04/02/2019 Antworten

    „Die menschliche Existenz an sich“ ist eine Qualität, die völlig außer Frage steht. Hingegen: Die Quantität von Menschen mit den natürlichen Gegebenheiten ins Gleichgewicht zu bringen, beherrschten verschiedene Kulturen in früheren Jahrhunderten wesentlich besser als heutzutage. Da gab es zwar noch keine Anti-Baby-Pilleund keinen Babytourismus in die Ukraine, aber Klöster, die die Fortpflanzung in Grenzen hielten und das als göttlichen Auftrag verstanden. Auch Abtreibungen waren schon im Altertum gängige Methoden der Familienplanung und der Überlebensstrategie von Staaten: „Vor allem Plato und Aristoteles postulierten, der Staat sollte weder zu groß noch zu klein sein. „

  • LarryCat - 04/02/2019 Antworten

    „Die menschliche Existenz an sich“ ist eine Qualität, die völlig außer Frage steht. Hingegen: Die Quantität von Menschen mit den natürlichen Gegebenheiten ins Gleichgewicht zu bringen, beherrschten verschiedene Kulturen in früheren Jahrhunderten wesentlich besser als heutzutage. Da gab es zwar noch keine Anti-Baby-Pilleund keinen Babytourismus in die Ukraine, aber Klöster, die die Fortpflanzung in Grenzen hielten und das als göttlichen Auftrag verstanden. Auch Abtreibungen waren schon im Altertum gängige Methoden der Familienplanung und der Überlebensstrategie von Staaten: „Vor allem Plato und Aristoteles postulierten, der Staat sollte weder zu groß noch zu klein sein.“

  • Ralf - 04/02/2019 Antworten

    Uterus einer toten Spenderin und erste Geburt aus ihrer Gebärmutter sind jenseits vom Verstand. Solche Humanexperimente und operative Eingriffe verschlagen mir die Sprache. Ich habe nur eine Frage: Wozu? Es gibt aber andere Lösungen wie die Reproduktionsmedizin und zwar die Leihmutterschaft im Ausland (in Deutschland ist solche Dienstleistung unter Verbot) für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

  • Bärbel - 06/02/2019 Antworten

    Ich bin schockiert. Das kann ich nicht in Worte fassen. Ich kann die Frau nicht verstehen, die auf solche Weise ein Kind austragen wollte. Solche Art der Erfüllung des Kinderwunsches ist sehr gefährlich für Frau und Kind. Die sogenannten Operationen sind ein Zeichen für alle, dass der Kinderwunsch manchmal keine sinnvollen Grenzen hat. Es wäre besser in solchen Fällen über andere Möglichkeiten nachzudenken.

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