Diplomatie durch Kulinarik: Selbstmord mit Messer und Gabel

Published 15/11/2018 in Inland, Politik

Diplomatie durch Kulinarik: Selbstmord mit Messer und Gabel
Rund – so lädt der Bundespräsident ein: Der Große Saal in Schloss Bellevue ist bereit für ein Staatsbankett.

Politische Lebenskunst drückt sich auch auf der Weinkarte aus: Knut Bergmann beschreibt in seinem Buch, wie in Deutschland mit Staatsbanketten Politik gemacht wurde.

Konrad Adenauer wusste, wie man den Sturz eines ungeliebten Nachfolgers begeht: „Vater hat sich“, notierte sein Sohn im Tagebuch, „für heute Abend eine gute Flasche Wein geben lassen, um darauf einen Schluck zu trinken, dass Erhard endlich weg ist.“ Schon die Amtsübergabe wurde von einem Trinkritual eingeleitet. Zu seinem letzten offiziellen Gast, dem belgischen Premierminister, meinte Adenauer, im Keller befänden sich noch acht Flaschen Trockenbeerenauslese, die würden sie jetzt gemeinsam austrinken, denn „für den Herrn Erhard – der versteht ja nichts von Wein – sind die zu schade“.

Wer an derlei politisch-vinologischen Anekdoten seine Freude hat, wird in Knut Bergmanns Buch „Mit Wein Staat machen“ reiche Funde machen. Aber dem Autor geht es natürlich um mehr. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland soll hier erzählt werden, in der das kulinarische Zeremoniell der Staatsbankette und Empfänge nicht bloßes Beiwerk diplomatischer Beziehungen, sondern Hauptgegenstand der Betrachtung ist. Was hierzulande einen neuen Blickwinkel verheißt, ist in anderen Ländern längst etabliert. Vor allem in Frankreich, wo Ausstellungen wie „À la table des présidents“ und Sammelbände wie „À la table des diplomates“ ganz selbstverständlich Teil der historischen Perspektive sind.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen