Lehrgang aus dem Präsidialamt: „Der Wein war patriotisch korrekt“

Published 16/09/2018 in Essen & Trinken, Stil

Lehrgang aus dem Präsidialamt: „Der Wein war patriotisch korrekt“
„Wenn Sie schlechten Wein ausschenken, ist das der Stimmung sicher nicht zuträglich.“ (Symbolbild)

Wenn deutsche Präsidenten und Kanzler Gäste haben, wird es oft feierlich. Knut Bergmann, der einst im Präsidialamt arbeitete, hat aufgeschrieben, was zu diesen Anlässen auf den Tisch kommt.

Herr Bergmann, welchen Wein servieren Sie, wenn Sie Gäste empfangen?

Ich bin ein neugieriger Weintrinker und trinke querbeet. Das Angebot folgt meist meinen Vorlieben, eher Rotwein, gern Bordeaux. Nicht zuletzt durch das Buchprojekt gab es bei uns zu Hause aber vermehrt deutsche Weine, weiße sowieso, dazu viele Spätburgunder. Die meisten Lagen, die im Buch vorkommen, existieren ja noch.

Wie sind Sie denn dazu gekommen, ein Buch über Wein und Staat zu schreiben?

Ende der neunziger Jahre erzählte mir jemand, der mit dem damaligen G-8-Gifel in Köln zu tun hatte, dass der französische Präsident Bier trinke, wenn er im Ausland keinen französischen Wein angeboten bekäme. Das stimmte aber nicht, Jacques Chirac war schlichtweg Biertrinker. Und dabei ganz Diplomat: Als ihm in Schloss Bellevue sein Lieblingsbier „Corona extra“ angeboten wurde, bestand er stattdessen auf einem deutschen Pils. Von 2005 bis 2009 habe ich dann als Grundsatzreferent im Bundespräsidialamt gearbeitet, wo ich mich vor dessen 90. Geburtstag eingehend mit Walter Scheel zu befassen hatte. Während seiner Präsidentschaft soll es nur exklusive Weine gegeben haben, hieß es in zeitgenössischen Artikeln. Da wollte ich wissen, wie das genau war.

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