IT-Probleme: Deutsche Bank muss von Hand auf Geldwäsche prüfen

Published 04/08/2018 in Unternehmen, Wirtschaft

IT-Probleme: Deutsche Bank muss von Hand auf Geldwäsche prüfen
Hinter diesen Mauern … funktioniert die IT nicht: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt.

Eigentlich sollen Firmenkunden von Deutschlands größtem Geldhaus vollautomatisch auf Geldwäsche abgeklopft werden. Aber ausgerechnet……

Die Deutsche Bank hat mit Effizienzmängeln in ihren technischen Abläufen und Systemen zu kämpfen, mit denen sie Firmenkunden rund um die Welt im Verdacht auf Geldwäsche und Sanktionsbrüche prüft. Wie die F.A.Z. erfuhr, funktionierten in Russland die digitalen Prozesse bis vor kurzem offenbar so gut wie gar nicht, so dass die von den Bankenaufsehern verlangten 64 Abfragen für nahezu alle Kunden „per Hand“ bearbeitet werden mussten.

Inzwischen hat sich nach einem internen Dokument der Deutschen Bank vom Juni in Russland die Automatisierungsquote von 0 auf 67 Prozent erhöht, wie in Finanzkreisen bestätigt wird. Das heißt: 67 Prozent aller Geldwäscheprüfungen dort laufen inzwischen vollautomatisch durch. Die Deutsche Bank will allerdings eine Quote von 95 Prozent erreichen. Doch auch in anderen Ländern wie Spanien, Irland, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten hat die Bank in ihren Prozessen noch so große Defizite, dass sie ihre Effizienzziele deutlich verfehlt.

Die technischen Probleme der Deutschen Bank sind legendär, seit der frühere Vorstandschef John Cryan ihre IT als lausig bezeichnet hat. IT-Chefin Kim Hammonds musste zurücktreten, nachdem sie die Deutsche Bank entwaffnend ehrlich das „dysfunktionalste Unternehmen“ genannt hatte, in dem sie je gearbeitet habe. Im Juni hat die amerikanische Bankenaufsicht die Deutsche Bank als einziges von 35 geprüften Instituten durch einen Stresstest rasseln lassen. Die Aufseher bemängelten „erhebliche Schwächen“, etwa mit Blick auf die verfügbaren Daten zu Kunden und die internen Kontrollen.

Mitarbeiter der Deutsche Bank sollen bei Geldwäsche geholfen haben

Für den seit 8. April amtierenden Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing haben nach ersten Erfolgen im Personalabbau nun erklärtermaßen die IT-Probleme höchste Priorität. Die jetzt bekanntgewordenen Schwierigkeiten in Russland sind pikant mit Blick in die Vergangenheit. Einige ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank in Moskau sollen zwischen 2011 und 2015 russischen Kunden geholfen haben, über dubiose Aktiengeschäfte Rubel im Gegenwert von 10 Milliarden Dollar zu waschen. Auf 640 Millionen Euro summieren sich die Strafen bisher, die amerikanische und englische Aufsichtsbehörden gegen die Deutsche Bank allein für diesen Skandal verhängt haben.

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