Armut und Flucht: Nur Wohlstand verhindert Migration

Published 05/08/2018 in Inland, Politik

Armut und Flucht: Nur Wohlstand verhindert Migration
Erschöpft: Ein Flüchtling ruht sich auf zwei Pollern im Hafen der spanischen Stadt Algeciras aus

Afrika wird von Investoren seit langem vernachlässigt. Dabei müssen die dortigen Lebensverhältnisse verbessert werden, um den Anreiz……

Migration gehört seit Jahrtausenden zur Menschheit – entweder als Flucht vor Krieg und Terror oder als wirtschaftlich getriebene Migration. Erstere ist meist temporärer Natur, Letztere kann, je nach Umständen, kurz- bis langfristig sein. Will Europa Fluchtmigration politisch verhindern, müssen die Konflikte, die Fluchtgründe auslösen, verhindert werden. Andererseits ermöglicht Europa durch Personenfreizügigkeit und Sozialversicherungsabkommen selbst Wirtschaftsmigration. Letztlich ist niemandem sein Streben nach Glück durch die Verbesserung der persönlichen Lebensverhältnisse vorzuwerfen. Es fehlen bei uns jedoch Einwanderungsgesetze gegenüber Drittstaaten, obwohl die Migration zur Verbesserung des Wohlstands in Europa doch gewünscht und demographisch auch erforderlich ist.

Die Auswanderung nach Europa ist bezahlbar geworden – ob legal oder illegal. So ermöglicht der bescheidene Wohlstand in Afrika einzelnen Familienmitgliedern, nach Europa zu kommen, um ein besseres Leben zu führen. Heute sind über 40 Prozent der Bevölkerung Afrikas 15 Jahre und jünger, bis 2050 soll sich die Bevölkerung verdoppeln. Gibt es für sie keine Chancen, werden die heute noch jugendlichen Einwohner Afrikas auf jeden Fall versuchen, ihr Glück in Europa zu finden.

Die Entwicklungshilfe hat ihr Ziel verfehlt

Im Gegensatz zu früher sind die benötigten 10.000 Euro für die Flucht schnell durch Familien zu beschaffen. Seit Jahren ist in Sekundenschnelle der Geldtransfer von Haus zu Haus möglich. In Deutschland haben sich Angaben der Weltbank zufolge die privaten Transferzahlungen in das Ausland vom Jahr 2000 bis 2015 auf jährlich 18,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Das ist ein weltweiter Trend, so dass heute die Transferleistungen die Entwicklungshilfe bei weitem übersteigen. Die Transferzahlungen in die Heimat verbessern den Wohlstand der Familie, wenn sie nicht sogar eine weitere Migration fördern. Die Migration ließe sich jedoch reduzieren, wären die wirtschaftlichen Verhältnisse zu Hause besser. Die Entwicklungshilfe hat das über lange Zeit versucht, sie hat ihr Ziel aber verfehlt und hat eher die Oberschicht alimentiert.

Die aufstrebenden Schwellenländer, die „Emerging Markets“, zeigen hingegen, dass sich Länder wirtschaftlich entwickeln und dass beim Einzelnen ein kleiner Wohlstand geschaffen werden kann. Auch die Bildung zeigt Wirkung, und sie führt zu mehr Wohlstand.

Es fehlt dem Einzelnen jedoch vor Ort oft an Möglichkeiten, sich zu entwickeln und mit Arbeit den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Selbst in den großen Städten sind Distanzen zu den Bildungsstätten und Arbeitsplätzen oft zu groß. Besuche in Townships, den Siedlungen für die nichtweiße Bevölkerung in Afrika, zeigen: Keiner will „faul“ in der Ecke sitzen, viele wollen etwas unternehmen, sie wollen Erfolg haben und ein würdiges Leben führen. Ein weiterer Beleg für diesen Willen sind die Bewerberzahlen für Universitäten. So gibt es für die 250 Studienplätze am Indian Institute of Management Bangalore 250.000 Bewerber. Die Finanzierung der Ausbildung ist kein Problem, da die Berufsaussichten eine Rückzahlung nicht in Frage stellen. Es müssen also Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen werden!

Seit 2001 wird von den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China gesprochen, 2010 kam Südafrika hinzu, das für sein Wachstum belohnt wurde. Jedoch sind in Afrika seither keine Investitionsstrategien erkennbar geworden. Auch fehlte den Investoren Vertrauen. Die Folge ist, dass der Kontinent vernachlässigt wird, was auch der geringe Absatz der deutschen Wirtschaft in Afrika zeigt. Das gilt es zu ändern. So müssen deutsche Unternehmen den afrikanischen Markt über gezielte Brückenländer ansprechen und von dort die Expansion über den Kontinent vorantreiben. Das kann über Kooperationen mit einheimischen Unternehmen geschehen. Dort soll die Ausbildung stattfinden, um die Wartung und den Unterhalt der gelieferten Produkte und Maschinen zu gewährleisten. Gleichzeitig „prägen“ sie damit die Auszubildenden auf ihre Marke und legen Grundlagen für die Zukunft. Im Maschinenbau können gebrauchte Maschinen als Anschauungsmaterial für die Ausbildung verwendet und so kurzfristige Lieferengpässe geschlossen werden.

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Migrationsfragen nachhaltig ansprechen

Unternehmen verwandter Branchen sollten gemeinsam mit lokalen Behörden – und durch deutsche Hilfe unterstützt – vor Ort Bildungseinrichtungen betreiben. So können in der Landwirtschaft, die in Afrika eine dominierende Rolle spielt, Landmaschinen- sowie Futter- und Düngemittelhersteller gemeinsame Fachschulen betreiben. Sie bündeln Synergien und gewährleisten eine hochwertige Ausbildung.

Dieses Konzept sollte dadurch ergänzt werden, dass Unternehmen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und europäische Institutionen gefördert werden. Außenhandelsbürgschaften können die Unternehmen im Handel mit Afrika unterstützen und so das Risiko von Zahlungsausfällen reduzieren. Deutsche Unternehmen sollten auch über Projektgesellschaften europäische Investoren für sogenannte „Proxy-Investments“ ansprechen. Die finanzieren das Afrika-Projekt eines deutschen Unternehmers gerne, denn er ist ihnen als vertrauenswürdig bekannt.

So entsteht ein Konzept, das nachhaltig ist und Migrationsfragen langfristig anspricht. Zudem trägt es dazu bei, deutsche Unternehmer auf dem afrikanischen Markt zu etablieren. Schwerpunkte können bei der Ernährung, der Infrastruktur und der Gesundheitsversorgung gesetzt werden. Dabei vermeiden inklusive Maßnahmen vor Ort kolonialistische Vorgehensweisen, und die Bevölkerung partizipiert am Wachstum.

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