Frankreich: Fremdbeflaggung beim Front National

Published 11/03/2018 in Ausland, Politik

Frankreich: Fremdbeflaggung beim Front National
Trumps früherer Berater Steve Bannon und die Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen

Marine Le Pen hat dem „alten“ Front National ihres Vaters ein stattliches Begräbnis organisiert. Nicht nur den Namen will sie ändern. Ihr Ehrengast Steve Bannon erweist sich derweil als unberechenbar.

Bevor sie am Sonntagnachmittag den neuen Parteinamen enthüllt, hat Marine Le Pen dem „alten“ Front National ein stattliches Begräbnis in Lille organisiert. Beim Parteitag der „Neu-Begründung“ in einem Kongresszentrum in Lille wurden riesige amerikanische Flaggen eingeblendet – kaum vorstellbar, dass Parteigründer Jean-Marie Le Pen jemals einer derartigen Fremdbeflaggung zugestimmt hätte. Aber der Patriarch war in Lille ohnehin persona non grata und wurde durch eine Änderung der Parteistatuten auch als Ehrenpräsident abgesetzt.

Seine Tochter Marine Le Pen, am Sonntagvormittag mit 100 Prozent der Stimmen zur Vorsitzenden wiedergewählt, setzt zehn Monate nach ihrer Niederlage bei der französischen Präsidentenwahl lieber auf ausländische Hilfe, um die Hoffnung auf einen Sieg bei ihren enttäuschten Anhängern neu zu entfachen. Und so präsentierte sich der von Donald Trump aus dem Weißen Haus entlassene Präsidentenberater Steve Bannon in Lille als Kopf einer weltweiten Bewegung und sprach den Parteitagsbesuchern Mut zu. „Die Geschichte ist auf unserer Seite und wird uns von Sieg zu Sieg führen“, sagte Bannon. Trump nannte er „unseren geliebten Präsidenten“ und machte großspurig klar, dass man von ihm, Bannon, siegen lernen könne. „Lassen Sie sich ruhig Rassisten, Ausländerhasser und Islamverächter nennen! Diese Bezeichnungen sollten Sie wie ein Ehrenmal tragen, denn mit jedem Tag werden wir stärker und sie schwächer“, sagte Bannon.

Bannon bleibt unberechenbar

Überall erhebe sich das Volk gegen das „Establishment“, so der Ehrengast. Er zählte Italien, Österreich, Polen und Ungarn auf. „Ihr seid Teil einer weltweiten Bewegung, die größer als Frankreich, größer als Italien, größer als Polen und größer als Ungarn ist.“ Bannon forderte die Anwesenden dazu auf, die Presse auszupfeifen, die vorgeblich die größte Stütze des verhassten „Establishments“ sei. Die Übersetzerin, eine FN-Regionalratsabgeordnete aus der Picardie, hatte mitunter Schwierigkeiten, den Hasstiraden Bannons zu folgen. Aber die Botschaft – geniert euch nicht, rassistisch und xenophob zu sein – kam im Saal gut an. Bannon erhielt am Ende stehenden Applaus.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Le Pen zeigte sich, dass der Mann aus Amerika ein unberechenbarer Typ bleibt. Auf die Frage, ob Marine Le Pen ein verglühender und ihre Nichte (und Gegenspielerin) Marion Maréchal Le Pen der aufsteigende Stern sei, antwortete Bannon ohne Rücksicht auf die Parteichefin: „Marion Maréchal Le Pen ist nicht nur ein aufsteigender Stern, sie ist eine der am meisten beeindruckenden Persönlichkeiten weltweit.“ Die neben ihm stehende Marine Le Pen würdigte er keines Wortes. Die Parteichefin hatte schon zuvor erläuterte, sie wolle „kein Bündnis“ mit Bannon schließen, sondern „von seiner Erfahrung lernen, die den Sieg Donald Trumps ermöglicht hat“.

Mehr denn je stellt sich die Partei als antikapitalistische, wohlfahrtsstaatsselige Kraft auf. In der Mitgliederbefragung sprachen sich 74 Prozent für eine Rückkehr zur Rente mit 60 Jahren aus. Die Europaablehnung bleibt stark in den Reihen von Marine Le Pens Partei, auch wenn der schärfste Europagegner, der langjährige Chefstratege Florian Philippot die Partei verlassen hat. 67 Prozent wollen den Euro aufgeben und zum Franc zurückkehren. 82 Prozent der Mitglieder wollen die Schengen-Vereinbarung aufkündigen und nationale Grenzen errichten. 90 Prozent sprachen sich für ein Referendum über den Verbleib in der EU aus.

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