Abschied von Kardinal Lehmann: Grenzenloses Vertrauen in die Macht des besseren Argumentes

Published 11/03/2018 in Inland, Politik

Abschied von Kardinal Lehmann: Grenzenloses Vertrauen in die Macht des besseren Argumentes
Über fünf Jahrzehnte im Dienste der Kirche: Abschied von Kardinal Lehmann

Er verkörperte die „radikale Mitte“ des deutschen Katholizismus. Auch Auseinandersetzungen mit der höchsten kirchlichen Autorität scheute er nicht – und wurde für seine Standfestigkeit belohnt. Zum Tod von Karl Kardinal Lehmann.

Am Pfingstmontag 2016, dem Tag seines 80. Geburtstags, nahm Karl Kardinal Lehmann Abschied als Bischof von Mainz. Mehr als 30 Jahre zuvor war der gebürtige Hohenzoller der jüngste Diözesanbischof in Deutschland geworden, nun war er dem Dienst- wie dem Lebensalter nach der mit Abstand älteste. Lehmann ging, wie er gekommen war: ohne Pomp und falsches Pathos, auch wenn sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel über den EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz und den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber bis Thomas Gottschalk zahllose Repräsentanten von Politik und Gesellschaft die Gelegenheit nicht entgehen ließen, Lehmann überschwänglich für seinen Dienst als Ratgeber und Gesprächspartner in allen Lebenslagen zu danken.

Die Tonlage der Kirchenmänner war deutlich gedämpfter. Ihr Respekt galt der Weise, wie Karl Lehmann, der ältere von zwei Söhnen einer Lehrerfamilie, sich seit den sechziger Jahren in den Dienst der Kirche in Deutschland hatte nehmen lassen. Nach nur drei Semestern des Studiums der katholischen Theologie in Freiburg, der Bischofsstadt seiner Heimatdiözese, war der Hochbegabte im Jahr 1957 an das Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom entsandt worden. Dort wurde er zu Beginn des II. Vatikanischen Konzils im Jahr 1962 mit einer bis heute wegweisenden Arbeit über Martin Heidegger in Philosophie promoviert, fünf Jahre später, inzwischen Assistent des Konzilstheologen Karl Rahner SJ, auch in Theologie.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen