Hypochonder: Im Teufelskreis der Krankheitsangst

Published 01/03/2018 in Gesellschaft, Gesundheit

Hypochonder: Im Teufelskreis der Krankheitsangst
Er isst Pillen zum Frühstück, und studiert dazu die Todesanzeigen? Rock Hudson als eingebildeter Kranker in der Komödie „Schick mir keine Blumen“ aus dem Jahr 1964.

Sie deuten jedes Stechen in der Brust als Symptom für einen Herzinfarkt: Menschen, die unter Krankheitsangststörung leiden – einer schweren Form der Hypochondrie. Einer von hundert Deutschen ist betroffen.

Es ist nicht allzu lange her, da brauchte Daniel Blank zu Hause ein Telefon, wenn er aufs Klo gehen wollte. Seine Angst war einfach zu groß. Das Risiko, auf der Toilette zusammenzubrechen und keine Möglichkeit mehr zu haben, den Notruf zu wählen und einen Rettungswagen zu rufen, wollte er nicht eingehen. Blank fürchtete um sein Leben. Seine Tage verbrachte er hauptsächlich im Bett, einkaufen ging er bevorzugt in Begleitung. So schwach fühlte er sich. Dabei ist Blank, dessen echter Name ein anderer ist, ein junger Mann aus Norddeutschland und gerade einmal 23 Jahre alt. Eigentlich spricht nichts dafür, dass er bald einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden wird. Er ist weder stark übergewichtig, noch häufen sich in seiner Familie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Trotzdem war Blank in den vergangenen zwei Jahren fünfmal in einer Notaufnahme, weil er glaubte zu sterben, wenn ihm nicht schnell geholfen würde.

Blank leidet unter einer sogenannten Krankheitsangststörung. Eine geläufigere Bezeichnung für dieses Phänomen ist „Hypochondrie“. Davon hat fast jeder schon einmal gehört – und fast jeder vermeint ihn zu kennen, den typischen Hypochonder: Jemanden, der bei einem leichten Luftzug gleich eine Erkältung fürchtet, bei einer Hautirritation schnell ins Grübeln gerät und Medikamente hortet. Das ist das Klischee. Von solch einem Spleen, der übertrieben, aber letztlich meist harmlos ist, ist in Deutschland laut Schätzungen etwa jeder Zehnte betroffen. Bei Menschen wie Blank ist die Angst vor einer Erkrankung aber viel schlimmer. So schlimm, dass die Betroffenen darunter erheblich leiden – und ihr Alltag von dieser Angst dauerhaft geprägt wird. Etwa ein Prozent der deutschen Bevölkerung dürfte von einer solchen Störung betroffen sein, sagt Florian Weck, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Potsdam.

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