Sehr teure Uhren: Zeit ist Geld

Published 02/02/2018 in Mode & Design, Stil

Sehr teure Uhren: Zeit ist Geld
In das Gehäuse der Designikone Royal Oak hat Audemars Piguet den flachsten Ewigen Kalender der Welt eingebaut. Derzeit noch unverkäuflich.

Staunen und Schwärmen: Uhren, die so viel kosten wie ein großer Mercedes-Benz oder gar ein Rolls-Royce.

Wir wissen es auch nicht so genau, warum, aber immer dann, wenn es um besonders abgedrehte und unvorstellbar teure Uhren geht, fällt uns zuerst die Genfer Marke Richard Mille ein. Und schon bei der Präsentation der aktuellen Neuheit des Hauses auf dem Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) wissen wir wieder, warum. „Das ist eines unserer günstigeren Modelle, das kostet unter einer Million“, hieß es auf Nachfrage. Es sollte wohl ein Scherz sein. Und tatsächlich lachen die Anwesenden. Doch dieser Scherz hat einen durchaus ernstzunehmenden Kern. Der Einstieg bei Richard Mille liegt bei gut 60.000 Euro, der Durchschnittspreis eher beim Dreifachen, die Neuheiten der vergangenen Jahre bewegten sich alle im siebenstelligen Eurobereich.

Dieses Jahr hat Mille die neue RM 53-01 dem argentinischen Polospieler Pablo McDonough gewidmet. Damit er diese Uhr auch beim Spielen tragen kann, wurde das filigrane Tourbillonwerk speziell stoßgeschützt. Es ist nicht einfach mit dem Gehäuse aus Carbonkomposit verschraubt, sondern ist an 0,27 Millimeter dünnen Stahlseilen aufgehängt. Angeblich widersteht diese Konstruktion einem Schlag mit 5000 g. Geschützt wird es von einer gewölbten Scheibe aus Verbundglas, nur eben dünner und härter. 33 Stück zum Preis von 941.500 Euro werden gebaut – und sicher auch verkauft.

Bei A. Lange & Söhne bleibt man wieder bodenständig, zumindest was die Uhrmacherei betrifft. Beim Preis eher nicht. Die Top-Neuheit hört auf den schönen Namen Triple-Split, ist ein hochkomplizierter Chronograph, von dem 100 Exemplare zum Preis von je 139.000 Euro gebaut werden. Ein Absatzproblem kennen die Sachsen bei diesem Modell nicht. „Verkaufen geht hier deutlich schneller als produzieren“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Schmid. Kein Wunder, schließlich haben seine Konstrukteure eine Weltneuheit geschaffen, die Chronographen-Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Denn diese Uhr hat einen einzigartigen Rattrapante-Mechanismus. Darunter versteht man eine Stoppfunktion mit zwei übereinanderstehenden Zeigern. Der untere lässt sich stoppen, um eine Zwischenzeit zu ermitteln, während der obere weiterläuft. Üblicherweise geht dies aber nur mit dem Stoppsekundenzeiger, die Sachsen nehmen auch noch Stoppminute und -stunde dazu. So lassen sich Zwischenzeiten bis zu zwölf Stunden ermitteln. Ob das jemals einer tut? Wir wissen es nicht. Aber es ist auf jeden Fall gut zu wissen, dass man es könnte, wenn man denn wollte.

Die bisher genannten Uhren sind echte Brocken, die kaum unter reguläre Manschetten passen. Aber auf dem SIHH hat sich da – mal wieder – ein Gegentrend entwickelt: flach, flacher, am flachsten. Die Piaget-Konzeptuhr, die in Höhe und Durchmesser in etwa einer Zwei-Euro-Münze entspricht, hatten wir an dieser Stelle schon gezeigt, den derzeit flachsten ewigen Kalender noch nicht. Den zeigte Audemars Piguet in Genf unter der Typenbezeichnung Royal Oak RD#2. RD steht für Research and Development und signalisiert, dass es sich auch hier um eine Konzeptuhr handelt, die vorläufig noch nicht zum Verkauf kommt. Die besondere Leistung der AP-Ingenieure bei der Konstruktion dieses Uhrwerks: Sie simplifizierten den eigentlich hochkomplexen Mechanismus des Kalenderwerks so, dass er auf eine Ebene im Uhrwerk passt. Normalerweise brauchen solche Konstruktionen mindestens drei Stockwerke.

Max Büsser and Friends (MB&F) bezeichnet seine Uhren als Zeitmessmaschinen (Horological Machine). Die entstehen aus der kreativen Zusammenarbeit von unabhängigen Uhrmachern, Ingenieuren und Designern, die radikale Konzepte überlegen, die zwar durchgehend auf Mikromechanik beruhen, mit klassischer Uhrmacherei aber nur am Rande zu tun haben. Dazu gehört auch die Moonmachine 2, die MB&F in Zusammenarbeit mit dem finnischen Uhrmacher Stepan Sarpaneva entwickelt hat. Der hat sich selbst im Gesicht der Mondphasenanzeige verewigt, die wie auch die Uhrzeit in einer Art Head-up-Display angezeigt wird. Tatsächlich drehen sich die Scheiben für die digitale Anzeige von Stunden und Minuten ebenso flach auf dem Uhrwerk wie auch die Mondscheibe, doch ein Prisma bringt das Ganze in die Senkrechte. Die Moonmachine 2 wird in drei limitierten Editionen von jeweils zwölf Stück gefertigt: eine aus Reintitan, eine aus geschwärztem Titan (je 89.500 Euro) sowie eine aus Rotgold und Titan (97.000 Euro).

Wenn von abgedrehten Uhren die Rede ist, darf die Marke Greubel Forsey nicht fehlen. Sie wurde 2004 von Robert Greubel und Stephen Forsey gegründet und bildet ein Gegengewicht zu ihrem gemeinsamen Entwicklungsbüro Complitime, in dem die Meister des Tourbillons hochkomplexe Mechanismen für die gesamte Uhrenbranche entwickeln. Deshalb beschränkt sich die Produktion von Greubel Forsey auf rund 100 Uhren pro Jahr. Das sind allerdings durchgehend solche, an denen sich das Auge des Mechanikfans kaum sattsehen kann, wie bei der jüngsten Kreation GMT Earth. Dabei handelt es um eine Weltzeituhr, in der sich ein miniaturisierter Globus dreht und dank eines aufwendigen Saphirglas-Platin-Gehäuses tatsächlich von drei Seiten zu betrachten ist. Rings um den Globus ist dann die zweite Zonenzeit abzulesen, während die Ortszeit sowie eine dritte Zonenzeit auf zwei Zifferblättern in der oberen Hälfte der Uhr zu sehen sind. Den Takt gibt ein schräg gestelltes Tourbillon vor, auf das Greubel Forsey ebenso ein Patent hat wie auf die Zeitanzeige am Globus. Gut 600.000 Euro sollte schon zur Verfügung haben, wer an solchen Mikromechanik-Kunstwerken seine Freude hat.

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