Zum Tod von Rolf Zacher: Freiheit, die er meinte

Published 04/02/2018 in Gesellschaft, Menschen

Zum Tod von Rolf Zacher: Freiheit, die er meinte
Rolf Zacher bei der Unicef-Gala im September 2009

Er gab den Außenseiter, den Kleinkriminellen und die Stimme von Robert de Niro – jetzt ist der Schauspieler und Musiker Rolf Zacher gestorben.

Für seine Filmfigur war in „Endstation Freiheit“ tatsächlich Endstation, für Rolf Zacher war es der Zenit seiner Karriere. Alles, was er hatte, packte er in die Rolle des Henry Kirscher unter der Regie von Reinhard Hauff hinein. Die Geschichte des Kriminellen, der noch einmal das ganz große Ding drehen will und dafür den höchsten Preis bezahlt, beinhaltete die Essenz seines Lebens. Dafür erhielt Rolf Zacher den Deutschen Filmpreis, der 1982 noch Bundesfilmpreis hieß.

Gespielt hatte Zacher damals schon eine Menge, vieles sollte noch folgen. Mehr als zweihundert Filme in Kino und Fernsehen hat er gedreht, den Titel „größter Kleinganove“ des deutschen Films, den ihm ein Kritiker verlieh, wurde er nie mehr los. Dabei waren seine Figuren weniger „Ganoven“ denn Lebenskünstler, unverdrossene Kämpfernaturen und Stehaufmännchen, die als vermeintlich Chancenlose nach dem Glück suchen.

Das traf auch auf Rolf Zacher zu. Geboren am 28. März 1941 als Flüchtlingskind in Berlin, verließ er mit sechzehn die Schule. Er machte eine Bäckerlehre und schlug sich als Kellner, Tänzer und Barkeeper durch. Für die Schauspielerei wurde er buchstäblich auf der Straße entdeckt, er lernte Pantomime bei Sammy Molcho und absolvierte eine Schauspielausbildung. Wieso seine Rolle in „Endstation Freiheit“ soviel auch mit ihm selbst zu tun hatte, erzählte Rolf Zacher in Interviews und schrieb es in seiner Autobiographie, die nach dem Film benannte. Nach dem 1966 gedrehten Film „Lautlose Waffen“ hatte er sich von seiner Gage einen Porsche gekauft, einen Unfall gebaut und schwer am Rücken verletzt. Um die nicht nachlassenden Schmerzen zu bekämpfen, nahm er Morphium, dann Heroin, wurde abhängig und – landete im Gefängnis. Erst nach Jahrzehnten und unzähligen Versuchen kam er von der Sucht los.

Vor der Kamera müsse man leben, sagte Zacher einmal, alles aus sich herausholen und drehen wie es der Regisseur Rainer Werner Fassbinder hielt: eine Szene, eine Klappe, fertig. So wollte es Zacher, der in jungen Jahren eine Kleinbühne gründete und ein Jahr lang mit der Band Amon Düll II unterwegs war. Er hatte zahlreiche Rollen in Fernsehkrimis, spielte in der Telenovela „Rote Rosen“ mit und war die Synchronstimme von Robert de Niro, Gabriel Byrne und Nicolas Cage. Im Kino sah man in zuletzt in Filmen von Oskar Roehler, darunter „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Seinen Abschiedsgruß im Fernsehen markierte Zacher im Dschungelcamp von RTL, womit man ihn aber nicht in Erinnerung halten sollte. Am Samstag ist er im Alter von 76 Jahren in Hamburg gestorben.

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