Ausgebaute Kastenwagen: Nimm das Häuschen huckepack

Published 02/02/2018 in Motor, Technik & Motor

Ausgebaute Kastenwagen: Nimm das Häuschen huckepack
Platz in der kleinsten Hütte: VW Amarok mit Aufbau von Tischer

Die Caravaning-Branche feiert weiter Rekorde und entdeckt den Pick-up als Basisfahrzeug. Raummangel auf den offiziell ausgewiesenen Stellplätzen wird zum Dauerthema.

Die Caravaning-Branche hat ein Jahr wie kein zweites hinter sich. Nie zuvor haben sich in Deutschland mehr Urlauber für den Kauf eines Reisemobils entschieden. 40 500 der fahrenden Datschen haben 2017 einen Abnehmer gefunden, für einen Caravan haben sich fast 22 700 Käufer begeistern können. Die Steigerungsrate im Vergleich zu 2016 beträgt 15,3 Prozent. Die Gründe für den anhaltenden Erfolg sind leicht auszumachen. Niedrige Zinsen und überhöhte Immobilienpreise auf der einen, immer mehr Auszahlungen von Lebensversicherungen, Erbschaften sowie weniger Buchungen von Pauschalreisen in unsichere Regionen auf der anderen Seite spielen der Caravaning-Industrie in die Hände.

Die feierte jetzt ihr Rekordjahr auf der ersten Fachmesse 2018, der CMT in Stuttgart, die ihrerseits den 50. Geburtstag beging. Mehr als 1000 Freizeitfahrzeuge waren auf der ausgebuchten Ausstellungsfläche zu besichtigen. Die Bandbreite war beeindruckend und reichte vom Dachzelt für den Kleinwagen bis zum zwölf Tonnen schweren Luxusliner mit Whirlpool und Kinovorrichtung auf einem luftgefederten Bus-Chassis.

Die unangefochtenen Gewinner des Marktes jedoch sind die ausgebauten Kastenwagen. Sie machen mittlerweile gut ein Drittel des Absatzes aus, kein Wunder also, dass in dieser Klasse immer mehr Hersteller antreten und mit ihren Ideen zu überzeugen versuchen. Verloren haben dagegen die einstigen Bestseller, die Alkovenmobile. Sie kommen gerade noch auf sechs Prozent Marktanteil, meist werden sie von Vermietern geordert.

Der Pick-up holt auf

Mit noch geringerem Marktanteil, aber stark steigender Tendenz gewinnt eine bislang eher am Rande der Reisemobilgesellschaft fahrende Spezies an Bedeutung. Pritschenwagen mit absetzbarer Wohnkabine waren auf der CMT in größerer Zahl denn je zu entdecken. Waren es bislang nur die beiden Urgestein-Marken Bimobil und Tischer, die diese Aufbauform bevorzugten, so stellen jetzt Burow-Mobil, Vanessa Autocamping und Wanner ihre Interpretationen des Themas vor. Das große Interesse an dieser Fahrzeugklasse liegt vor allem an der deutlich steigenden Zahl verschiedener Pick-up-Modelle auf dem Markt. Waren es vor Jahren nur eine Handvoll meist ausländischer Marken, die solche Pritschenwagen im Portfolio hatten, so haben sich mit VW (Amarok) und Mercedes-Benz (X-Klasse) einheimische Anbieter dazugesellt. Deutlich weniger als 10 000 Einheiten wurden vor zehn Jahren neu zugelassen, jetzt erwartet die Branche bis 2020 einen Anstieg auf 20 000 Fahrzeuge jährlich.

Viele Pick-up werden gewerblich genutzt, und manch ein Handwerker oder Gartenbauer setzt sein Nutzfahrzeug am Wochenende und im Urlaub gerne als rollenden Untersatz für eine Wohnkabine ein, die mit Preisen zwischen 20 000 und 40 000 Euro deutlich günstiger ist als ein komplettes Reisemobil. Für manchen ist der tiefgaragentaugliche Solo-Pick-up Zweit- oder sogar Erstwagen. Mercedes-Benz präsentierte daher die eben erschienene X-Klasse mit einer Wohnkabine vom Spezialisten Tischer. Der Sandwich-Aufbau Trail 230 S mit Doppelbett, Miniküche und Nasszelle kostet 34 000 Euro, das gut ausgestattete und allradgetriebene Basisfahrzeug liegt bei etwa 40 000 Euro.

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