Kassenpatient auf Arztsuche: Selbst ist der Orthopäde

Published 29/01/2018 in Gesellschaft, Gesundheit

Kassenpatient auf Arztsuche: Selbst ist der Orthopäde
Hier landet der Privatpatient meist schneller als der Kassenpatient

Kassenpatienten haben es schwer: Bis zu einem halben Jahr müssen sie auf einen Termin beim Facharzt warten. Die Terminservicestelle der Krankenkassen hilft nur bedingt weiter.

Es war, wie wohl bei den meisten Unfällen, Pech im Spiel. Eine durchnässte Zeitung auf dem Fahrradstreifen an der Alten Oper, eine schnelle Lenkbewegung und schon lag der Radler am Boden. Schlimmeres ist nicht passiert, er konnte den Sturz mit der Hand abfangen, allerdings um den Preis eines umgeknickten Fingers. Das Gelenk tat weh, aber nicht so sehr, dass eine Behandlung nötig schien. In den folgenden Tagen wurde der Schmerz allerdings schlimmer. Als der Finger nach einer Woche auch noch anschwoll, entschloss sich der Frankfurter, einen Arzt aufzusuchen.

Mit Orthopäden verbindet der Radfahrer nicht nur gute Erfahrungen. Er erinnert sich an halbe Tage im Wartezimmer, auf die ein 30-Sekunden-Gespräch folgte, und an Ärzte, die ihre Diagnose aus anderthalb Metern Entfernung stellten und lieber zum Röntgen schickten als nach den Beschwerden zu fragen. Seit zwei Jahren hatte er allerdings einen Orthopäden, der sich Zeit nahm und auch einmal mit dem Hinweis überraschte, die Muskelbeschwerden könnten mit der Ernährung zusammenhängen. Als er jetzt mit dickem Finger in die Praxis ging, teilte die Sprechstundenhilfe allerdings mit, der Arzt seines Vertrauens habe Frankfurt verlassen. Er könne einen Termin beim Nachfolger bekommen, aber erst im Frühjahr.

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