Sportwagen aus Japan: Am Gabentisch der Samurai

Published 30/12/2017 in Motor, Technik & Motor

Sportwagen aus Japan: Am Gabentisch der Samurai
Type R haben sie auf den Civic geschrieben, die Scherzbolde von Honda. Steht das für Racing? Und für wen sind solche Modelle gemacht?

Japan ist diszipliniert, vernünftig, ernst. Ach so? Wir üben eine tiefe Verbeugung, schlucken einen Esslöffel Wasabi und werfen den ersten Gang ein.

Der Japaner ist von höflichem Wesen, zurückhaltend, bisweilen etwas undurchsichtig, aber stets darauf bedacht, die Dinge mit Ernsthaftigkeit zu betreiben. Wenn er es also krachen lassen will, dann richtig. Nehmen wir zum Beispiel Honda. Die auf brottrockene Zuverlässigkeit getrimmten Ingenieure des Familienunternehmens konstruieren vom Rasenmäher bis zum Flugzeug alles, was mit Motoren zu tun hat, und wenn in diesen winterlichen Tagen auf dem Söldener Gletscher bei minus 20 Grad der Schnee aus dem eiswindigen Weg zum ersehnten Glühwein geschafft werden muss, dann erledigt das eine von solchen Petitessen unbeeindruckte Fräse mit dem rot geränderten H.

Man mag sich die diebische Freude in der für Extremsport zuständigen Abteilung vorstellen, als der Auftrag erging, den aus allen Poren Hausmannskost atmenden, golfklassigen Kompaktwagen Civic frisch zu machen. Und zwar nach allen Regeln der Kunst. Mit dem größten Spoiler seit Erfindung des Gabentisches. Mit Leuchtfeuern vorn, seitlichen Anbauten und Finnen auf dem Dach, dass der den Mund nicht mehr zu kriegende Passant die Sonnenbrille tiefer zieht und hernach leise bibbernd bei der Ufo-Meldestelle vorstellig wird. Type R haben sie draufgeschrieben, die Scherzbolde, R wie Racing oder rattenscharf oder „Rüber jetzt, hier komme ich“. Für wen solch Zeugs gemacht ist? Ein wenig Hang zum Exhibitionismus kann nicht schaden. Oder einfach Freude am Fahren und an spitzenmäßiger Technik. Denn das, was hier feilgeboten wird, ist erste Klasse.

Rekordverdächtiger Frontantrieb

Es ist ja nicht so, als habe Honda derlei noch nie gemacht. Seit 25 Jahren drehen sie Kreise im Zeichen des R. Aber natürlich sind die neuesten Finnen und Spoiler und Diffusor und Lufteinsauger und Auf-den-Boden-Presser die stärksten und flinksten, die es je gab. Um es in der Sprache der sanft hyperventilierenden Entwickler zu sagen: Die auch Vortexgeneratoren genannten Turbulatoren machen aus einer laminaren eine turbulente Grenzschicht, wodurch der Strömungsabriss verzögert wird.

Leichter verständlich: Es durfte nichts weniger herauskommen als der Rekord für Fronttriebler auf der Nordschleife. Für irdischere Zeitgenossen diesseits des Nürburgrings sind die letzten Hundertstel eine vernachlässigbare Größe, doch wenn das Auto im Kern die gegenständliche Form der menschlichen Sehnsucht nach der Liebe durch die Maschine ist und es einer Gegenbewegung zur entmündigenden Form des Automobils der Zukunft bedarf, dann rollt sie heran. Sie stürmt heran. Mit Wonne.

In der Kurve einfach Gas geben

Der Zweiliter-Turbobenziner entfacht sein Feuerwerk ab 2500 Umdrehungen und hört nicht auf, bis die Nadel in den roten Bereich eintaucht. Sechs Gänge sind manuell zu durchschalten, es gelingt knackig. 320 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment zerren an der Vorderachse, was nie genug, stets ausreichend und immer zu viel ist. Continental gibt alles, rührt spezielle Sport-Contact-Pneus im Sumoringerformat 245/30 ZR20 an, aber selbst die erweisen sich als Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Im Prinzip gelingt der Spurt aus dem Stand auf 100km/h in 5,8 Sekunden, um 272 km/h läuft der Vortrieb in unüberwindbare Wiederstände.

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